Multiresistente Keime im Klinikum Bremen-Mitte

Fabian Peters

Multiresistente Bakterien im Klinikum Bremen-Mitte

17.05.2012

Erneut wurden bei einem Baby im Klinikum Bremen-Mitte multiresistente Erreger nachgewiesen. Auf der Haut des zehn Wochen alten Säuglings fanden sich antibiotikaresistente Keime, das Kind ist bisher jedoch nicht an einer entsprechenden Infektion erkrankt, berichtete die Sprecherin des Klinikverbundes Gesundheit Nord, Karen Matiszick, am Donnerstag.

Die nachgewiesenen Erreger gehören vermutlich zum gleichen Stamm, wie die multiresistenten Keime an denen Ende 2011 drei Babys auf der Frühchenstation im Klinikum Bremen-Mitte verstorben waren. Laut Aussage der Sprecherin des Klinikverbundes hat ein Schnelltest gewisse Ähnlichkeiten bei den Resistenzen ergeben, allerdings könne erst eine Genanalyse endgültig Klarheit liefern. Die Ergebnisse der entsprechenden Untersuchung eines Bochumer Labors werden Matiszick zufolge nächste Woche erwartet.

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Zehn Wochen alter Junge mit multiresistenten Erregern infiziert
Der zehn Wochen alten Jungen, auf dessen Haut die Erreger entdeckt wurden, erblickte Ende Februar im Klinikum Links der Weser das Licht der Welt und wurde zu Beginn des Monat wegen eines Leistenbruchs in die Abteilung der Kinderchirurgie des Klinikums Bremen-Mitte eingeliefert. Bei Untersuchungen auf mögliche Keimbelastungen konnten weder im Klinikum Links der Weser, noch beim Aufnahmeabstrich im Klinikum Bremen-Mitte multiresistente Erreger festgestellt werden, so dass davon auszugehen ist, dass der Junge erst im Klinikum Bremen-Mitte mit den multiresistenten Darmkeimen in Berührung kam. Für den Jungen bestehe jedoch keine akute Gefahr, da er nicht an den Keimen erkrankt ist, erläuterte die Sprecherin des Klinikverbundes.

Multiresistente Keime im Klinikum Bremen-Mitte seit längerem ein Problem
Anders war die Situation bei den Frühchen, die sich Ende 2011 mit multiresistenten Erregern im Klinikum Bremen-Mitte infiziert hatten. Sie erkrankten zum Teil äußerst schwer und drei von ihnen überlebten die Infektion nicht. Bis heute liegen zwei infizierte Kinder der ersten Ausbruchswelle isoliert auf der Kinderklinik in Bremen-Mitte. Mehrere Abteilungen des Klinikums wurden nach dem Fund der multiresistenten Erreger geschlossen und gründlich desinfiziert. Offenbar jedoch ohne den gewünschten Erfolg. Denn bereits kurz nach Wiedereröffnung im Januar wurden auf der Frühchenstation erneut die selben multiresistenten Erreger nachgewiesen. Seither sind die Frühchenstation und die Geburtshilfe geschlossen, doch offenbar beschränkt sich das Hygieneproblem nicht nur auf diese Stationen, wie der Fund multiresistenter Erreger bei dem zehn Wochen alten Jungen in der Kinderchirurgie zeigt. Zumal laut Karen Matiszick „die Wahrscheinlichkeit besteht, dass es sich um denselben Erregerstamm handelt.“

Neue Hinweise auf die Infektionsquelle?
Auf welchem Weg sich der Junge infiziert haben könnte, ist wie bei den erkrankten Frühchen im vergangenen Jahr völlig unklar. Allerdings erhoffen sich die Experten durch die aktuelle Infektion „eine neue Spur darauf, wo die Keimquelle sitzt“, erläuterte Matiszick. So konnten einige Infektionswege, die bis dato noch in Frage kamen, mittlerweile ausgeschlossen werden. Zum Beispiel habe bislang auch die Möglichkeit bestanden, dass die Kinder im Gebäude der Frauenklinik mit den Keimen infiziert wurden, was anhand der negativen Abstrichuntersuchungen bei Einlieferung des Jungen nun ausgeschlossen werden kann. Ob eine Übertragung der Erreger von den noch isoliert stationierten zwei Babys der ersten Infektionswelle durch das Personal stattgefunden hat, lässt sich bisher nicht eindeutig feststellen, doch die Sprecherin des Klinikverbundes hält dies für äußerst unwahrscheinlich. Dennoch würden derzeit alle Wege überprüft, die der Junge innerhalb der Klinik zurückgelegt hat, um der Infektionsquelle der multiresistenten Erreger endlich auf den Grund zu gehen. (fp)