Multiresistente Keime in der Uniklinik Leipzig

Fabian Peters

Multiresistente KPC-Keime bei mehr als 50 Patienten nachgewiesen

28.05.2012

Am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) wurden in den letzten zwei Jahren bei zahlreichen Patienten multiresistente KPC (Klebsiella pneumoniae) Erreger festgestellt. 58 Patienten waren laut offizieller Mitteilung des Klinikums seit dem erstmaligen Nachweise der Erreger im Jahr 2010 von einer Infektion betroffen.

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„Der bisher in Nordeuropa wenig verbreitete KPC-Keim ist tendenziell in den letzten Jahren auf dem Vormarsch“, berichtet das Universitätsklinikum. In Leipzig wurde der Erreger erstmals im Juli 2010 bei einem Patienten nachgewiesen, der aus einer griechischen Klinik hierher kam. Der betroffene Patient wurde umgehend isoliert und alle notwendigen Schutzmaßnahmen eingeleitet, berichtet das Klinikum. Die anschließenden mikrobiologischen Untersuchungen von Mitpatienten und der Umgebung hätten keinerlei Hinweise auf eine Übertragung ergeben. Doch trotz der „Barrieremaßnahmen kam es mit großer Zeitverzögerung drei Monate später im Herbst 2010 zu einer ausbruchsartigen Häufung auf mehreren Stationen“, so die Mitteilung des Universitätsklinikums. Anschließend verzeichneten die Mediziner mit 30 betroffenen Patienten bis zur Eindämmung der Infektionswelle im Februar 2011 die bislang größte KPC-Epidemie in Deutschland.

58 Patienten mit multiresistenten Erregern infiziert
Im Januar 2011 hatte das Uniklinikum Leipzig das zuständige Gesundheitsamt über die Ausbreitung der KPC-Infektionen informiert, da im Falle eines gehäuften Auftretens von Krankenhausinfektionen Meldepflicht besteht. Allerdings hätte „diese Meldung aus heutiger Sicht sicher früher erfolgen können“, erklärte Professor Wolfgang E. Fleig, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig, selbstkritisch. Auch nach der Eindämmung der Infektionswelle, sind immer wieder vereinzelte Infektionen mit den KPC-Keimen am Uniklinikum Leipzig aufgetreten. So wurden seit dem Februar 2011 pro Monat bei aufgenommenen oder an das Universitätsklinikum verlegten Patienten bis zu vier Fälle eines KPC-Nachweises registriert. Allein in diesem Jahr haben sich bereits acht weitere Patienten mit den multiresistenten Erregern infiziert. Insgesamt wurden die KPC-Keime bislang bei 58 Patienten in Leipzig nachgewiesen, wobei nahezu sämtliche Betroffenen wegen schwerster „Grunderkrankungen wie zum Beispiel einem Leberversagen mit Notwendigkeit zur Transplantation im UKL behandelt wurden“, so die offizielle Mitteilung des Klinikums.

Übertragungskette der multiresistenten Erreger noch nicht endgültig unterbrochen
Der erstmalige Ausbruch der KPC-Infektionen konnte „durch zusätzlich eingeleitete Präventionsmaßnahmen zwar eingedämmt, die Übertragungskette aber noch nicht endgültig unterbrochen werden“, berichtet Professor Fleig in der Pressemitteilung „Eindämmung eines seltenen multiresistenten Keims am Universitätsklinikum Leipzig“. Eine erfolgreiche Verhinderung weiterer Neuinfektionen lasse sich nur erreichen, wenn auch außerhalb des Universitätsklinikums intensiv nach möglichen KPC-Trägern gesucht werde. Denn die Experten des UKL gehen davon aus, dass viele Patienten sich nicht in der Klinik mit dem Keim infiziert, sondern diesen bereits mit eingeschleppt haben. „Die vereinzelt auftretenden KPC-Nachweise am UKL stehen nach unserem Kenntnisstand nicht mit einer derzeit aktiven Quelle im UKL in Verbindung", betonte Prof. Fleig und ergänzte: „Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Patienten den Keim wiederholt in das UKL mitbringen.“ Allerdings werde auch bei den Mitarbeitern weiterhin nach möglichen Übertragungswegen gesucht.
Gesundheitsrisiken durch KPC
Zu den Gesundheitsrisiken durch KPC erläuterten die Mediziner, es sei „bekannt, dass der Krankheitsverlauf von stationär behandelten Patienten durch eine Kolonisierung oder Infektion mit multiresistenten Bakterien negativ beeinflusst wird.“ Dies gelte auch für Infektionen durch die multiresistenten KPC-Keime. Vor allem bei der Behandlung ergeben sich aufgrund der Antibiotikaresistenz der Erreger häufig Schwierigkeiten. Dies bestätigte auch Klaus-Dieter Zastrow von der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene, der erklärte, es dauere oft sehr lange, bis ein wirksames Antibiotikum zur Behandlung ermittelt werden kann. Für die KPC-Keime, die am Uniklinikum Leipzig nachgewiesen wurden, stehen laut Aussage der Mediziner noch drei Antibiotika zur Behandlung zur Verfügung.

Multiresistente KPC-Keime in Südeuropa stärker verbreitet
Während die Keime in Nordeuropa bislang nur vereinzelt nachgewiesen wurden, sind sie in einigen südeuropäischen Staaten schon seit längerem relativ weit verbreitete. So verfügen laut UKL-Mitteilung in Griechenland mehr als 25 Prozent der Klebsiella pneumoniae Bakterien über „die am UKL nachgewiesene oder eine ähnliche Resistenz“ und „in Italien beträgt die Rate fünf bis zehn Prozent.“ Allerdings bleibt die in Leipzig zu beobachtende Ausbreitung der Infektionen nach Einschätzung von Klaus-Dieter Zastrow für deutsche Verhältnisse „mehr als außergewöhnlich.“ (fp)