Mundgeruch kann auf Erkrankungen hinweisen

Fabian Peters

Mundgeruch oft Anzeichen schwerwiegender Krankheiten

17.08.2011

Mundgeruch sollte als Anzeichen möglicher gesundheitlicher Beschwerden nicht unterschätzt werden. Bei unangenehm riechendem Atem, der nicht durch den Verzehr von Knoblauch oder Zwiebeln verursacht wurde und der unter Umständen chronisch auftritt, ist dringend ein Arztbesuch oder Besuch beim Heilpraktiker zu empfehlen.

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Mundgeruch ist oftmals Folge von Erkrankungen im Mund- und Rachenraum. Auch Probleme im Hals-Nasen-Ohren-Bereich sowie Probleme des Verdauungstraktes können einen unangenehmen riechenden Atem verursachen. Mundgeruch sollte daher als Anzeichen möglicher gesundheitlicher Beschwerden nicht ignoriert oder mit Kaugummis und Atemfrische-Bonbons einfach übertönt werden, warnen Experten wie Professor Christoph Benz, Präsident der Bayerischen Landeszahnärztekammer in München, gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“.

Bei Mundgeruch dringend einen Zahnarzt aufsuchen
Wer unter Mundgeruch leidet, sollte dringend einen Zahnarzt aufsuchen, da verschiedene Untersuchungen belegen, dass die Ursachen des Mundgeruchs „zu 86 Prozent in der Mundhöhle“ liegen, erklärte die Berliner Zahnärztin Sigrid Weigel. Die Betroffenen sollten sich nicht scheuen, mit ihrem Arzt über das Thema zu reden, da die unangenehm riechende Atemluft ein Anzeichen für ernsthafte Erkrankungen sein kann. Der Geruch wird dabei durch Schwefelverbindungen verursacht, die als Giftstoffe keineswegs ungefährlich seien, erklärte Professor Benz. Auch im persönlichen Umfeld sollten Bekannte Personen mit Mundgeruch am besten auf diesen hinweisen, da die Betroffenen durch den Gewöhnungseffekt den Geruch häufig überhaupt nicht registrieren, erläuterte der Experte. „Diese Gewöhnung an Gerüche ist eigentlich eine Gnade der Natur“, trägt jedoch dazu bei, dass auch die eigenen Körpergerüche nicht wahrgenommen werden, da diese ständig präsent sind, so Prof. Benz gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“.

Erkrankungen am Mundgeruch erkennen
Der Duisburger HNO-Arzt, Udo Walter betonte, dass die Mundgeruch-Betroffenen sich außerdem häufig schwer tun, mit jemanden über ihre Probleme zu sprechen. „Mundgeruch ist auch gegenüber dem Arzt immer noch ein Tabuthema“, erklärte der HNO-Arzt. So würden Patienten häufig zunächst wegen anderer Beschwerden seine Praxis aufsuchen und dann über Umwege auf ihre Probleme mit dem Mundgeruch zu sprechen kommen. Dabei könne der Fachmann durchaus bereits am Geruch des Atems feststellen, wo die gesundheitlichen Beschwerden, die Ursache des Mundgeruchs sind, liegen, so Udo Walter weiter. Dem HNO-Arzt zufolge tritt bei Problemen in der Mundhöhle ein übler intensiver Geruch auf, während Krankheiten der Mandeln oder der Nase einen dezenteren Mundgeruch zur Folge haben. Bilden Schwierigkeiten mit dem Verdauungstrakt beziehungsweise dem Magen die Ursache des Mundgeruch, so riecht der Atmen massiv nach Fäulnis und bei Tumoren kann häufig der Geruch von vergammeltem Fleisch wahrgenommen werden, erläuterte Walter.

Ursache des Mundgeruchs meist in der Mundhöhle
In den meisten Fällen sind Erkrankung im Bereich der Mundhöhle Ursache des unangenehm riechenden Atems, wobei laut Aussage der Experten Entzündungen der Schleimhäute oder des Zahnfleischs ebenso für den Mundgeruch verantwortlich sein können, wie ein faulender Zahn, schlecht gepflegte Prothesen oder Abszesse, die sich gebildet haben. Sind die Zähne gut gepflegt, ist Mundgeruch eher selten. Doch bei jedem zwölften Betroffenen liegt die Ursache nicht in der Mundhygiene sondern im Hals-Nasen-Ohren-Bereich. So können eine eitrige Bronchitis, Lungen- oder Mandelentzündung ebenfalls einen unangenehm riechenden Atem bedingen. Da die meisten Mundgeruchsprobleme allerdings auf Erkrankungen in der Mundhöhle zurückgehen und sich maßgeblich durch die Einhaltung der Mundhygiene beeinflussen lassen, sehen die Experten hier einen der Schlüsselfaktoren zur Mundgeruch-Vorbeugung.

Mundhygiene zur Vermeidung von Mundgeruch
Aus gutem Grund empfehlen Zahnärzte mindestens zweimal am Tag die Zähne zu putzen. Darüber hinaus könne der Einsatz von Zahnseide den Mundgeruch deutlich reduzieren, erläuterte Sigrid Weigel. Zudem raten die Experten regelmäßig eine professionelle Zahnreinigung in der Zahnarztpraxis durchführen zu lassen. Zu guter Letzt ist laut Aussage von Professor Benz auch die Zunge einmal am Tag etwa 10 bis 15 Sekunden lang zu reinigen, um den Mundgeruch zu minimieren. Dies sei besonders wichtig, da „man sich die Zunge als einen Florteppich vorstellen (muss), in dem die Bakterien sitzen“, erläuterte der Präsident der Bayerischen Landeszahnärztekammer in München. Als Sofortmaßnahme ist laut Aussage der Experten zum Beispiel das Kauen von Kaugummi gut geeignet, da dies den Speichelfluss anregt und so die natürliche Abwehr gegen Bakterien stärkt. Auch Mundwasser könne kurzfristig gegen den Mundgeruch helfen, doch langfristig sind weder Kaugummis noch Mundspülungen dazu geeignet, den riechenden Atem zu beheben – vielmehr sollten die Ursachen des unangenehmen riechenden Atems beseitigt werden. Der dauerhaft Einsatz von Kaugummis und anderen Atemfrische-Mitteln „wäre so, als würde man in einen stinkenden Kühlschrank Sagrotan sprühen. Man sollte lieber mal aufräumen“, betonte Professor Benz.

Eingebildeter Mundgeruch
Die Anzahl der Patienten, die in Deutschland unter Mundgeruch leiden, ist nicht bekannt. Allerdings gebe es auch einige Menschen, die lediglich persönlich davon überzeugt seien, unter Mundgeruch zu leiden, obwohl ihre Mitmenschen keinen unangenehm riechenden Atem wahrnehmen können und der „Halimeter das Gegenteil beweist“, erläuterte Professor Benz. Mit dem Halimeter können Ärzte die Schwefelgase in der Atemluft messen und so objektiv feststellen, ob die Patienten unter Mundgeruch leiden. Derartige Einbildungen von Mundgeruch seien „gar nicht so selten“, wobei den Betroffenen in diesen Fällen die Hinzuziehung eines Therapeuten für die Psyche zu empfehlen sei, betonte Benz. (fp)

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Bild: Gerd Altmann