Mutter prägt Ungeborenes Kind

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Bereits im Mutterleib werden Menschen geprägt. Bestimmte Einflüsse im Mutterleib werden an den Fötus weiter gegeben.

Die Bedeutung der neun Monate im Mutterleib für das spätere Auftreten von Erkrankungen rückt immer mehr in den Blickpunkt der Wissenschaft. Während es bisher oft als Rätsel galt, warum manche Menschen an bestimmten Krankheiten eher leiden als andere, haben jüngste Forschungsergebnisse belegt, dass die Einflüssen, denen ein Fötus im Mutterleib ausgesetzt war entscheiden sind, für die spätere Anfälligkeit gegenüber Krankheiten wie Diabetes, Depressionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

In der Vergangenheit konzentrierte sich die Forschung eher auf genetischen Faktoren oder den persönlichen Lebenswandel, um das Auftreten bestimmter Krankheiten zu erklären. Mehrere Studien haben jedoch in jüngster Vergangenheit einen Zusammenhang zwischen den Einflüssen, denen ein Fötus im Mutterleib ausgesetzt war und dem Auftreten späterer Krankheiten wissenschaftlich belegt. So wurde der lebenslange Einfluss auf die Gesundheit, der von den neun Monate im Mutterleib ausgeht, offensichtlich lange unterschätzt.

Das bestimmte Risikofaktoren wie zum Beispiel genetische Veranlagung, Bewegungsmangel, Übergewicht, ungesunde Ernährung oder Stress, das Auftreten von Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Krebs begünstigen können, ist medizinische seit langem bekannt und ausführlich untersucht worden. Welche Bedeutung die neun Monate im Mutterleib auf die lebenslange Gesundheit eines Menschen haben, ist bislang jedoch nicht geklärt. So erklärt Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzende der Stiftung Kindergesundheit, gegenüber „schwangerundkind.de“, dass „in den neun Monaten vor der Geburt (…) weit mehr (geschieht) als eine starr vorgegebene Entwicklung, an deren Ende die Geburt eines Babys steht." Denn „die Nährstoffe, Spurenelemente und Stresshormone, die von der Mutter über die Plazenta in den Kreislauf des Kindes gelangen, entscheiden nach unseren heutigen Erkenntnissen maßgeblich darüber, ob ein Mensch im Laufe seines Lebens an Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck oder Diabetes erkranken wird, Übergewicht oder gefährlich hohe Cholesterinwerte entwickelt und deshalb für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und des Stoffwechsels anfällig wird". So wirken sich die meisten Einflüssen und Reize, denen eine werdende Mutter während der Schwangerschaft ausgesetzt ist, direkt auf das gesundheitliche Wohl des Kindes. Wobei die aktuelle

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Studien gehen davon aus, dass genau diese Einflüsse die Gesundheit und die Krankheitsanfälligkeit der Menschen ein Leben lang mitbestimmen. Hier findet nach Ansicht der Mediziner eine Vorprogrammierung („fetal programming“) der lebenslangen Gesundheit statt, denn in keiner Lebensphase wächst und entwickelt sich der Mensch schneller als während der neun Monate bis zu seiner Geburt. Daher hat jede noch so geringe Störung in diesem Zeitraum extrem starke Auswirkung auf den Organismus. So hat eine Studie des englischen Epidemiologen David Baker beispielsweise belegt, dass eine mangelnde Ernährung der Mutter, zur Geburt zu kleiner Kinder führen kann, die ihrerseits anschließend im Alter einem deutlich erhöhten Herzinfarktrisiko unterliegen. Für Neugeborenen, die weniger als 2,5 Kilo wiegen, erhöht demnach das Herzinfarktrisiko um rund 50 Prozent.

Prof. Koletzko erklärt: "Die programmierenden Einflüsse der Ernährung in der frühesten Lebensphase auf die Gesundheit im späteren Leben sind heute ein besonders wichtiges Thema der biomedizinischen Forschung". Dabei ist nicht nur eine Mangelernährung sondern auch die übermäßige Nahrungsaufnahme der Mütter kritisch zu bewerten. Denn bei zu viel Nahrungsaufnahme, werden die Kinder in der Regel ebenfalls über ernährt und zu schwer auf die Welt gebracht. Übergewichtige Säuglinge neigen jedoch im spätere Lebensverlauf eher zu Asthma, Allergien oder Diabetes und unterliegen einem erhöhten Krebsrisiko. „Wenn Mütter nicht aufpassen, können sie bei ihren Kindern schon vor der Geburt die Weichen auf Übergewicht und Diabetes stellen," betonte auch Arne Astrup; Ernährungswissenschaftler von der Universität Kopenhagen. (fp, 07.10.2010)