Muttermilch: Durch Stillen mehr Lebenschancen

Alfred Domke

Muttermilch erhöht Chancen auf sozialen Aufstieg: Mehr Chancen im Leben durch Stillen

26.06.2013

Einer britischen Studie zufolge kann Stillen einen lebenslangen Einfluss auf die Entwicklung des Nachwuchses haben. So erhöhe sich etwa die Chance auf berufliches Fortkommen.

Lebenslange soziale Vorteile
Bei Babys führt die Ernährung mit Muttermilch zu erhöhten Chancen auf sozialen Aufstieg. Zu diesem Ergebnis kommt eine groß angelegte Studie von britischen Forschern, für die mehr als 17.000 Menschen aus dem Geburtsjahrgang 1958 und mehr als 16.000 aus dem Jahrgang 1970 befragt wurden. Eine Studienauswertung wurde in der Fachzeitschrift „Archives of Disease in Childhood" veröffentlicht. Demzufolge werden die Chancen auf sozialen Aufstieg durch die Ernährung mit Muttermilch um ein Viertel erhöht. In der Präsentation der Ergebnisse heißt es: „Unsere Studie erweitert die Erkenntnisse über den gesundheitlichen Nutzen des Stillens insofern, als sie zeigt, das es lebenslange soziale Vorteile haben kann.“ Dafür wurden die Daten der Testpersonen jeweils im Alter von zehn bis elf und von 33 bis 34 Jahren herangezogen. Die Wahrscheinlichkeit, die soziale Leiter zu erklimmen, liege bei Stillkindern um 24 Prozent höher als bei ungestillten Babys. Die Forscher werten als sozialen Aufstieg, wenn die Kinder eine höhere Position erreichten als der Vater.

Muttermilch ermöglicht Säuglingen Bakterien und Viren abzuwehren
Kinder, die gestillt werden, würden auch weniger Stress-Symptome zeigen. Dabei spielen mehrfach ungesättigte Fettsäuren (LPCUFA), die beim Aufbau des Gehirns benötigt werden, eine wichtige Rolle. Muttermilch, vollgepackt mit bioaktiven Inhaltsstoffen, die auf zentrale Stellgrößen im Körper Einfluss nehmen, stellt allgemein mehr als nur ein Nahrungsmittel dar. So ermöglicht sie Säuglingen, Bakterien und Viren abzuwehren oder kann Anfälligkeiten für bestimmte Krankheiten verhindern. Muttermilch enthält über 700 verschieden Bakterien und viel Nährstoffe, die das Baby mit der optimalen Nahrung versorgt. Müttern wird in Deutschland geraten, ihrem Kind sechs Monate lang die Brust zu geben, falls dies für die Mutter aus gesundheitlichen und psychosozialen Faktoren möglich ist.

Stillen fördert die Entwicklung des Gehirns
Neben den gesundheitlichen Vorteilen und den verbesserten sozialen Chancen fördert das Stillen laut der Studie auch die Entwicklung des Gehirns. Zu ähnlichen Schlüssen kamen auch Wissenschaftler der Weltgesundheitsorganisation WHO, die in Weißrussland sechseinhalb Jahre lang den Werdegang gestillter und nicht gestillter Kinder verfolgten. So könne es sein, dass unter dem Einfluss von Muttermilch Darmzellen Signalstoffe ins Blut geben, die im Gehirn Reifungsprozesse befördern. Michael Kramer, Epidemiologe an der kanadischen McGill-Universität, fasst zusammen: „In den ersten Lebensjahren gab es viele gesundheitlichen Vorteile für die gestillten Kinder. Aber die einzige Langzeitwirkung, die gemessen werden konnte, war ein Unterschied im Intelligenzquotienten." Diese Kinder hätten kurz nach der Einschulung einen im Durchschnitt um sechs Punkte höheren Intelligenzquotienten.

Männliche Babys im Vorteil
Schon bei den Babys fängt die Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern an. Männliche Babys sind klar im Vorteil, da sie davon profitieren können, dass die Muttermilch, die sie bekommen, mit nahrhaften Fettsäuren und wertvollen Proteinen versehen ist. Bei den weiblichen Babys fehlt es hingegen besonders an wertvollem Milchzucker in der Stillmilch. Von Evolutionsbiologen wird dies damit begründet, dass Männer theoretisch zahllose Kinder zeugen können, eine Schwangerschaft bei Frauen aber Monate dauert. Deshalb seien aus Sicht der mütterlichen Biologie die wertvolleren Nährstoffe bei Söhnen besser angelegt, um die Wahrscheinlichkeit vieler Nachkommen zu erhöhen. (ad)

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Bild: Helene Souza / pixelio.de