Muttermilch: Stillen fördert das Immunsystem

Heilpraxisnet

Stillen wirkt sich positiv auf das Immunsystem aus

04.09.2014

Stillen ist die beste Ernährung für ein Baby, denn in der Muttermilch befinden sich alle Nährstoffe, die das Kind in den ersten Lebensmonaten benötigt. Doch nicht nur das, denn in der Milch sind zudem wichtige Antikörper enthalten, die das Immunsystem des Babys anregen und es dadurch widerstandsfähiger gegen bestimmte Krankheiten machen. Wie das genau funktioniert, war unter Experten jedoch bislang noch nicht klar. Nun haben kalifornische Forscher jedoch eine neue Theorie aufgestellt, wonach offenbar der Darmflora des Kindes eine zentrale Bedeutung zukommt.

Muttermilch gilt als ideale Nahrung für Säuglinge
Hebammen und Kinderärzte empfehlen Frauen immer wieder, ihre Babys zu stillen. Nicht ohne Grund, denn Muttermilch gilt unter Experten als ideale Nahrung für einen Säugling, da sie alle wichtigen Nährstoffe wie beispielsweise Eiweiße und Fettsäuren enthält. Darüber hinaus schützt sie das Neugeborene vor Krankheitserregern, denn die Milch enthält eine Vielzahl von Abwehrstoffen, die das Immunsystem anregen und dadurch die Widerstandsfähigkeit des Kindes gegen bestimmte Krankheiten stärken. Wie diese Vorgänge genau ablaufen, war jedoch unter Fachleuten bislang nicht genau geklärt.

Kalifornische Wissenschaftler untersuchen neugeborene Rhesusaffen
Doch nun haben Wissenschaftler vom „California National Primate Research Center (CNPRC)“ der University of California in Davis (USA) und der University of California in San Francisco eine neue Theorie entwickelt. Demnach werde der positive Effekt des Stillens auf das Immunsystem des Kindes offenbar über die Darmflora erreicht – welcher sogar dann noch anhalte, wenn das Kind schon längst von der Brust entwöhnt sei. Zu diesem Ergebnis kamen die Forscher um Dennis Hartigan-O’Connor durch eine Untersuchung neugeborener Rhesusaffen, von denen die eine Hälfte sechs Monate lang gestillt wurde, die andere Gruppe erhielt Milch aus der Flasche.

Weniger Bakterienvielfalt bei mit der Flasche gefütterten Tieren
Im Anschluss daran wurden alle Tiere für weitere sechs Monate mit der gleichen Nahrung gefüttert – dennoch zeigte sich nach dieser Zeit ein erstaunlicher Effekt: Die Affen, die gestillt worden waren, wiesen nach der Stillzeit eine vielfältige Darmflora mit reichlich Prevotella- und Ruminococcus-Bakterien auf, welche auch nach den sechs Monaten Folgenahrung noch bestand. Bei der anderen Gruppe hingegen zeigte sich hingegen eine große Menge an Clostridium, wonach also „mit der Flasche gefütterte Tiere [.] weniger Reichtum, Gleichmäßigkeit und Vielfalt an Bakterien“ hatten, so der Bericht der Forscher im Fachblatt “Science Translational Medicine”. Die Unterschiede hatten sich dabei im Laufe der Zeit immer weiter verstärkt, „was auf einen dauerhaften Einfluss der anfänglichen Mikrobenkolonisierung auf die Darmflora hindeutet.“

Deutliche Unterschiede auch beim Einfluss der Darmflora auf das Immunsystem
Darüber hinaus untersuchten die Wissenschaftler den Einfluss der Darmflora auf das Immunsystem, wobei sich ebenfalls deutliche Unterschiede zwischen den beiden Gruppen zeigten: „Wir konnten die Entwicklung zwei verschiedener Immunsysteme erkennen: Eins, bei den Tieren, die mit Muttermilch gefüttert worden waren und eins bei denen, die Muttermilchersatz erhalten hatten“, so Dennis Hartigan-O’Connor in einer Mitteilung des CNPRC. „Doch am erstaunlichsten ist die Dauerhaftigkeit dieser Unterschiede. Die Darmflora könnte bei Säuglingen eine lang anhaltende Prägung auf die Immunfunktion hinterlassen“, erklärt Hartigan-O’Connor weiter.

„Eine Programmierung des Systems“
Besonders auffällig sei dabei der unterschiedlich hohe Anteil an so genannten „Th17-Zellen“ gewesen, womit Helfer-T-Zellen bezeichnet werden, die den Botenstoff Interleukin 17 (IL-17) produzieren. „Der Prozentsatz von CD4-Helferzellen, die bei Stimulierung Interferon (IFN) und IL-17 bilden, war bei gestillten Jungtieren verglichen mit den per Flasche ernährten Affen durchschnittlich um das 15-Fache erhöht”, schreiben die Forscher. Ein interessantes Ergebnis, denn diese Unterschiede könnte sich den Wissenschaftlern nach möglicherweise auf Immunreaktionen und die Anfälligkeit zu Autoimmun-Erkrankungen auswirken. „Diese Studie deutet darauf hin, dass die Darmflora in den ersten Lebensmonaten einen dauerhaften Einfluss auf die Gestalt und Funktion des Immunsystems hat – eine Programmierung des Systems, wenn man so will“, ergänzt Amir Ardeshir vom CNPRC . Auch für Professor Tim Niehues vom Helios Institut Krefeld sei die neue Untersuchung als sehr differenziert und sorgfältig zu betrachten. Dennoch sei es schwierig, die Ergebnisse direkt auf die Unterschiede zwischen Stillen und Ersatznahrung zu übertragen, da beispielsweise der Einfluss subklinischer Infektionen nicht ausgeschlossen werden könne, so der Einwand des Experten für pädiatrische Immunologie gegenüber der „Welt“. (fp)

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