Myome: gutartige Tumore mit Folgen

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Myome: Gutartige Tumore mit bösen Folgen

08.08.2013

Tumore werden von den meisten Menschen mit schlimmen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Und das zu recht. Für die Mediziner lassen sich diese relativ schnell bei Untersuchungen erkennen. Myome hingegen, das sind gutartige Tumore die in der Muskelschicht der Gebärmutter (Myometrium) wuchern, lassen sich in der Regel nur schwer diagnostizieren und können sich bei jeder Frau entwickeln.

In Deutschland entwickeln gut 25 % aller Frauen über 35 Jahre ein Myom in der Gebärmutter. Die meisten von ihnen bleiben beschwerdefrei, jedoch leiden einige der Betroffenen unter Schmerzen und massiven Blutungsstörungen, die die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. In Europa ist jede vierte bis sechste Frau im gebärfähigen Alter davon betroffen.

Was sind Myome?
Myome sind Wucherungen, die in der Muskelschicht der Gebärmutter auftreten können. Sie sind die häufigsten gutartigen Tumore des weiblichen Genitaltrakts. In den meisten Fällen bleiben sie völlig unbemerkt. Erst wenn es zu Problemen kommt, müssen Mediziner eingreifen. Häufig wird Frauen dazu geraten, sich die Gebärmutter komplett zu entfernen. Dies sollte jedoch nur als Mittel letzter Wahl in Erwägung gezogen werden. Es gibt auch sanftere Methoden.

Wie entstehen Myome?
Über die Entstehung der Myome lassen sich bisher nur Vermutungen anstellen. Prof. Matthias David von der Frauenklinik der Charité in Berlin erklärt dazu: "Was man am ehesten weiß, ist, dass es eine genetische Komponente gibt". Zum Beispiel bekämen Schwarzafrikanerinnen häufiger und früher Myome. Bei Ihnen wird der Defekt sehr oft auch an die Töchter weitergeben. Forschungsergebnisse zeigen auch, dass ein erhöhter Östrogenspiegel das Wachstum fördert.

Ernährungsweise mitverantwortlich
Die Mediziner haben auch Hülsenfrüchte, Weizen, Weichmacher und tierisches Eiweiß als Wachstumskatalysator ausfindig gemacht, sagt die Fachärztin Reinhild Georgieff, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Natum , der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe.

Untersuchungen sind nicht zuverlässig
Da Frauen meistens erst ab 35 Jahren während der Krebsfrüherkennung regelmäßig per Ultraschall untersucht werden, werden die Tumore häufig erst ab diesem Alter festgestellt. Und das oft auch nur zufällig, da eine Beschwerdefreiheit keine Verdacht zulässt.

Bei Frauen jüngeren Alters gebe es keine zuverlässigen Untersuchungen, sagt Prof. Gerlinde Debus, Chefärztin der Frauenklinik am Klinikum Dachau. Eines kann die Ärztin mit Sicherheit sagen: Frauen, die in die Wechseljahren kommen, müssen nicht mehr mit Neuentstehungen dieser Wucherung rechnen. Alte Tumore bilden sich in diesem Alter oft zurück.

Manchmal machen sich Myome auch direkt bemerkbar: Symptome sind vor allem starke und Myome können sich auch indirekt bemerkbar. Werden sie zu groß, verdrängen sie andere Organe, drücken dadurch auf Darm und Blase. In seltenen Fällen kann es zu für Schmerzen beim Geschlechtsverkehr kommen. Auch Frauen, die bereits länger vergeblich versuchen, schwanger zu werden, sollten sich auf an Myome untersuchen lassen. Sitzen diese direkt unter der Gebärmutterschleimhaut wird die Einnistung des befruchteten Eis wohl möglich verhindert.

Hormone können Tumore stärker wachsen lassen
Unter dem Einfluss der Schwangerschaftshormone können die Tumore noch stärker wachsen. Ist das Myom schon so groß gewachsen das es zu Komplikationen während der Geburt kommen kann müssen die Frauen mit einem Kaiserschnitt rechnen. "Im Moment geht der Trend deswegen dahin, sich vor einer geplanten Schwangerschaft auf Myome untersuchen zu lassen, um sie vorher zu behandeln", erläutert Debus.

Behandlungsmöglichkeiten
Mittlerweile gibt es bessere Therapien. Auch seien die Patientinnen selbstbewusster geworden und wehrten sich gegen schnelle Operationen, hat Debus festgestellt. Die meisten Myome lassen sich heute durch einen kleinen Bauchschnitt oder durch die Scheide entfernen. Noch vor wenigen Jahren war es üblich bei gesundheitliche Problemen hatten, die Gebärmutter komplett zu entfernen.

Die Embolisation gilt als Alternative zur OP und wird in letzter Zeit häufiger angewendet. Dabei werden winzige Kunststoffkugeln über einen Katheter in die Gebärmutterarterie gespült. Dadurch werden die Blutgefäße verschlossen , die die Myome versorgen, und ihnen wird quasi die Nahrung entzogen. Allerdings ist nicht sicher, ob die Patientin danach weiter fruchtbar ist.

Ultraschallbehandlung
Für Frauen, die sich den Kinderwunsch offen halten möchten,kommt am ehesten die Ultraschall infrage. Hierbei töten gebündelte Ultraschallwellen die Myome gezielt ab. Zusätzlich können Hormonpräparate, die künstliche Wechseljahre hervorrufen, Myome verkleinern. Allerdings wachsen sie wieder, sobald die Hormone abgesetzt werden.

Patientinnen, die sich auf eine alternative Behandlungsmethoden unterziehen möchten, empfiehlt Naturheilkunde-Expertin Georgieff anthroposophische und pflanzliche Mittel, die auch gegen Schmerzen und Blutungen helfen sollen. Welche Behandlung ihr gut tut, muss jede Patientin letztlich selbst entscheiden. Wichtig ist eine gute Beratung – auch von mehreren Ärzten. Und Ruhe im Umgang mit den Myomen, denn manche vorschnelle Entscheidung lässt sich nicht rückgängig machen. (fr)

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Bild: Rainer Sturm / pixelio.de