Mythen: Häufiger Sex macht Paare glücklicher

Sebastian

Mehr bringt auch mehr?
Sexualität ist für viele Menschen die schönste „Nebensache“ der Welt und rangiert hoch auf der persönlichen Zufriedenheits-Skala. Durch die Ausschüttung von Hormonen kann Geschlechtsverkehr tatsächlich für ein gutes Gefühl und innere Ruhe sorgen. Doch sind Paare, die oft miteinander schlafen, dadurch automatisch glücklicher? US-Amerikanische Forscher haben nun die Formel „Häufiger Sex = mehr Glück“ aufgeschlüsselt und fanden heraus, dass viel körperliche Nähe nicht grundsätzlich zufriedener macht.

Paare wurden zu häufigem „Liebe machen“ gebeten
Sex macht glücklich. Zu dieser Erkenntnis sind bereits verschiedene Untersuchungen gekommen. Denn der Körper schüttet beim Geschlechtsverkehr das Glückshormon Endorphin aus, welches für ein zufriedenes Gefühl sorgt und obendrein gegen Stress und innere Unruhe wirkt. Der Psychologe und Nobelpreisträger Daniel Kahnemann hatte beispielsweise vor einigen Jahren knapp 1000 berufstätige Frauen aus Texas gebeten, bei sämtlichen Aktivitäten des Tages ihren jeweiligen Gefühlszustand zu beurteilen – sei es z.B. beim Telefonieren, Essen oder beim Spielen mit den Kindern. Es zeigte sich, dass das Glücksempfinden beim Sex am höchsten war – während die Arbeit fast ganz unten auf der Skala rangierte.
Ist die Schlussfolgerung daraus, dass Paare, die mehr Geschlechtsverkehr haben, auch glücklicher sind? Dieser Frage sind nun Forscher der Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh (USA) nachgegangen. Sie führten mit verheirateten Paaren einen Versuch durch, bei dem ein Teil gebeten wurde, doppelt so häufig Sex zu haben wie gewöhnlich. Die Wissenschaftler kamen dabei zu dem Ergebnis, dass mehr Sexualität Paare nicht glücklicher macht. „Vielen Paar-Ratgebern wird somit die Grundlage entzogen“, so die Experten.

Die schönste Nebensache der Welt macht nicht glücklicher, wenn sich die Häufigkeit steigert. Bild: gpointstudio - fotolia
Die schönste Nebensache der Welt macht nicht glücklicher, wenn sich die Häufigkeit steigert. Bild: gpointstudio – fotolia

Liebesspiel wurde nicht aus eigenem Antrieb begonnen
Die Forscher, die die Studie in der Fachzeitschrift „Journal of Economic Behavior & Organization“ veröffentlichten, berichten, dass die Glücksgefühle sogar eher ein wenig zurück gingen. Dies sei den Autoren zufolge zum Teil darauf zurückzuführen, dass bei den Paaren, die häufiger miteinander schliefen, das sexuelle Verlangen abnahm. Für den Spaß am Sex galt gleiches. Vermutlich sei dies „der Tatsache zuzuschreiben, dass die Paare im Rahmen des wissenschaftlichen Experiments dazu aufgefordert worden waren, mehr Sex zu haben, und das Liebesspiel nicht aus eigenem Antrieb begonnen haben.“

Die meisten Paare leben zu wenig Sexualität
Studienleiter George Loewenstein erklärte: „Würden wir die Studie noch einmal durchführen und könnten es uns finanziell leisten, würden wir die Teilnehmer dazu anhalten, mehr Sex zu haben, aber so, dass sie sich in eine entsprechende Stimmung versetzen.“ Dabei könnte beispielsweise ein Babysitter helfen. Oder die Paare könnten ein Hotelzimmer aufsuchen oder mit luxuriöser Bettwäsche die Verführungslust steigern. Loewenstein geht trotz der Studienergebnisse davon aus, dass die meisten Paare zu wenig Sex haben und es ihnen gut tun würde, wenn sie öfter miteinander schlafen würden. Dabei könnte eine romantische und lustvolle Stimmung viel bewirken.

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Es macht gesund
Gute Gründe gibt es ohnehin genügend, auch der Gesundheit wegen. So wird der Körper beim Geschlechtsverkehr gut durchblutet und es werden Hormone ausgeschüttet, die der Psyche gut bekommen. Zudem haben Wissenschaftler aus den USA erst vor kurzem einen Zusammenhang zwischen Schlaf und gutem Sex hergestellt. Demnach führt guter Schlaf – zumindest bei Frauen – zu gutem Sex und umgekehrt kann Sex helfen, besser zu schlafen. Das dürfte vor allem für die vielen Menschen, die an Schlafproblemen leiden, interessant sein. Schlafstörungen richten zwar kurzfristig keine Schäden an, können auf Dauer jedoch schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben und zum Beispiel das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen. (ad, nr)