Medizin-Mythen? Schokolade macht uns manchmal glücklich!

Sebastian
Inhaltsstoffe allein machen Schokolade nicht zum Seelentröster
Macht Schokolade wirklich glücklich? Diese Frage stellen sich Experten immer wieder, denn offenbar scheint die Süßigkeit bei vielen Menschen tatsächlich als „Seelentröster“ bei Stress, Kummer oder schlechter Laune zu wirken. Doch wodurch genau entsteht die positive Wirkung? Im Gespräch klärt Prof. Dr. Michael Macht von der Universität Würzburg auf, ob es sich hier um einen Mythos oder Fakt handelt.

Haben Äpfel den gleichen Effekt?
„Iss ein Stück Schokolade, die macht glücklich!“ Dieser Satz kommt vielen bekannt vor, wenn Oma oder Mutter bei Liebeskummer, Ärger in der Schule oder niedergeschlagener Stimmung helfen wollten. Doch können die Inhaltsstoffe der beliebten Süßigkeit wirklich die Laune verbessern, oder handelt es sich dabei um einen Mythos? Und entsteht der gleiche Effekt auch durch andere Nahrungsmittel? Diese Fragen hatte sich schon im Jahr 2006 ein Forscher-Team gestellt und im Rahmen einer kleinen Studie die Auswirkungen des Verzehrs von Schokolade und Äpfeln auf den Gemütszustand beobachtet.

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Schokolade hebt die Stimmung stärker an als das Obst
Wie die Wissenschaftler um Professor Dr. Michael Macht von der Universität Würzburg im Magazin „Appetite“ berichten, hatten sie 37 normalgewichtige Frauen gebeten, einen Schokoladen-Riegel, einen Apfel oder gar nichts zu essen und anschließend deren subjektiven Zustand jeweils 5, 30, 60 und 90 Minuten nach dem Essen bewertet. Das interessante Ergebnis: Sowohl Schokolade als auch der Apfel hatten den Hunger der Probandinnen reduziert und positiv auf die Stimmung gewirkt. Dabei zeigte sich jedoch bei der Schokolade ein stärkerer Effekt, zudem empfanden die Frauen beim Verzehr dieser auch Freude, so der Bericht der Forscher.

Menge der Inhaltsstoffe reicht fürs Glück allein nicht auschokolade-schmeckens
Ein Beweis für glücklich machende Stoffe im Kakao? Für Inhaltsstoffe wie das anregend wirkende Koffein, das strukturell verwandte Pflanzenalkaloid Theobromin oder das so genannte „Glückshormon“ Serotonin trifft dies wohl generell zu – allerdings sind die enthaltenden Mengen meist zu klein, um als Stimmungsaufheller wirken zu können. „Der Glückseffekt durch diese Stoffe ist allerdings gering“, erklärt der Leiter der „Apfelstudie“ Michael Macht im Gespräch mit dem „Spiegel“. Denn gerade in der besonders beliebten Vollmilchschokolade sei laut dem Experten von der Abteilung für Medizinische Psychologie und Psychotherapie der Universität Würzburg, nur ein Anteil von etwa 30 Prozent Kakao enthalten.

Eine Tafel deckt ein Viertel des täglichen Kalorienbedarfs eines Erwachsenen
Stattdessen könnte das wohlige Gefühl beim Genuss von Schokolade auf andere Faktoren zurückgeführt werden. Ein Punkt sei hier der hohe Nährwert, denn 100 Gramm Vollmilchschokolade haben insgesamt etwa 535 Kalorien, wobei sich diese zu einem Großteil aus Zucker (ca. 55 Gramm) und Fett (ca. 30 g) zusammensetzen. Dementsprechend reicht bereits eine Tafel, um ein Viertel des durchschnittlichen täglichen Energiebedarfs eines Erwachsenen zu decken. Und dies wirkt sich positiv auf unser Wohlbefinden aus, denn auf kalorienreiche Lebensmittel reagiert das Gehirn mit Glücksgefühlen. Dies sei laut Professor Dr. Michael Macht evolutionär zu begründen, denn schon vor tausenden Jahren hätte kalorienreiches Essen vermutlich oft das Überleben gesichert: „Die Menschen waren darauf angewiesen, möglichst viel energiereiche Nahrung aufzunehmen, wenn sie die Gelegenheit dazu hatten“, so Macht.

Sensorik spielt die zentrale Rolle
Neben dem fanden Wissenschaftler kürzlich heraus, warum wir immer weiter Lust auf Schokolade haben, selbst wenn wir eigentlich längst satt sind. Dies sei auf das Zucker-Fett-Verhältnis (ca. 55 zu 30 Gramm) zurückzuführen, welches den Körper mit einer optimalen Mischung an Energie versorge. Doch das allein sei noch nicht die Erklärung, warum es uns bei Schokolade so schwer fällt, „Nein“ zu sagen. „Die Sensorik spielt beim Schokoladeessen die wichtigste Rolle“, erklärt Macht. Denn da die Kakaobutter bei Körpertemperatur schmilzt, zergehe das Stück Schokolade im Mund und sorge dadurch für ein angenehm Gefühl. Hinzu käme ein intensiver Geschmack beim Kauen, da die Geruchszellen in der Nase durch die Aromen angeregt würden. „Das erregt die Sinne so stark, dass positive Empfindungen entstehen“, erklärt der Experte weiter.

Erinnerungen an die Kindheit spielen eine wichtige Rolle
Bei vielen Schokoladen-Liebhabern spiele zudem die positive Verbindung zu besonderen Ereignissen oder Erlebnissen aus der Kindheit eine wichtige Rolle. So seien wir laut Macht zwar „von Natur aus [..] auf Süßes und Salziges scharf“, was uns jedoch im Einzelfall genau schmeckt, „hängt davon ab, was wir mit der Nahrung verbinden.“ Dementsprechend würde z.B. die Schokolade zur Belohnung in der Kindheit so einprägsam sein, dass im späteren Leben schon der Gedanke an die Süßigkeit eine Lust wecke, die sich nur mit dem „Objekt der Begierde“ stillen ließe. (nr)

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Bild: Timo Klostermeier  / pixelio.de