Nach City BKK-Pleite Warnung vor System-Kollaps

Fabian Peters

Experten warnen nach City BKK-Pleite vor System-Kollaps

17.06.2011

Die Insolvenz der City BKK könnte unter den Krankenkassen einen Domino-Effekt auslösen, der den Zusammenbruch zahlreicher weiterer gesetzlicher Krankenversicherungen nach sich ziehen würde, befürchten Experten in einem aktuellen Bericht der „Wirtschaftswoche“. Die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Doris Pfeiffer, bezeichnete die Situation als „dramatisch“ und warnte ebenso wie der Versicherungsexperte Hans-Peter Schwintowski davor, dass weitere Krankenkassenpleiten das Vertrauen der Versicherten in das Gesundheitssystem nachhaltig stören würden.

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Experten äußerten bereits bei Einführung des Gesundheitsfonds die Befürchtung, dass zahlreiche Krankenkassen durch die Änderungen in ihrer Existenz bedroht seien. Die mittlerweile insolvente City BKK wurde schon damals als besonders gefährdet genannt. Vor allem die Kostenexplosion im Gesundheitswesen mache derzeit mehreren gesetzlichen Krankenversicherungen erheblich zu schaffen, so die Aussage des GKV-Spitzenverbandes. Die noch unter Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) beschlossene Gesundheitsreform habe hier bisher nicht die erhofften Einsparungen bewirkt. So drohen nach der Pleite der City BKK weitere gesetzliche Krankenkassen in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Experten warnen vor einem Kollaps des Systems.

Droht der Kollaps des Krankenversicherungssystems?
Die Insolvenz der City BKK hat in der Branche für erhebliche Verunsicherung gesorgt und könnte laut dem Versicherungsexperten Hans-Peter Schwintowski schlimmstenfalls über eine Art Domino-Effekt den Kollaps des gesamten Systems zur Folge haben. Der Fachmann äußerte sich gegenüber der „Wirtschaftswoche“ sehr besorgt zu den aktuellen Geschehnissen in der Krankenversicherungsbranche. Sollten keine grundlegenden Änderungen erfolgen, könnten immer mehr Krankenkassen von der Insolvenz bedroht sein, erklärte Schwintowski. Der Versicherungsexperte plädierte daher für die Einführung einer sogenannten Einheitsversicherung, in der alle Bürger versichert wären. Auf diese Weise würde eine einheitliche Grundversorgung sichergestellt, die gegebenenfalls durch private Zusatzversicherung ergänzt werden könne. Zur Beitragshöhe in einer solchen Einheitsversicherung wollte sich der Experte jedoch nicht äußern, empfahl allerdings eine Beitragsdifferenzierung abhängig vom Versicherungsrisiko. Zum Beispiel müssten Raucher höhere Krankenkassenbeiträge zahlen Nichtraucher, erklärte Schwintowski.

Zusatzbeiträge verschärfen die finanziellen Probleme
Der finanziellen Schieflage bei den einzelnen gesetzlichen Krankenversicherungen können diese derzeit lediglich durch die Erhebung von Zusatzbeiträgen begegnen. Doch alle Krankenkassen, die bisher Zusatzbeiträge von ihren Mitgliedern gefordert haben, mussten anschließend massive Mitgliederverluste hinnehmen, die eine weiter Verschärfung der Situation mit sich brachten. Denn gewechselt haben in erster Linie junge, gesunde Versicherte. Geblieben sind überproportional viele Alte und Kranke. Diese verursachen jedoch mehr Kosten als die Versicherungen über die Beiträge einnehmen, so dass sich die Kostenstruktur der betroffenen Krankenkassen weiter verschlechtert hat und das Defizit trotz Zusatzbeiträgen nicht behoben werden konnte. Dieser Prozess hatte im Fall der City BKK einen nicht unerheblichen Anteil an der eingetretenen Insolvenz. Da die ehemaligen City BKK-Kunden nun jedoch bei den übrigen gesetzlichen Versicherungen unterkommen müsse, wird sich die ungünstige Kostenstruktur zumindest teilweise übertragen und könnte so den genannten Domino-Effekt auslösen, der den Befürchtungen der Experten zufolge am Ende schlimmstenfalls einen vollständigen Kollaps des Gesundheitssystems zur folge hätte. (fp)