Nach dem Tod eines Kleinkindes: Frankreich nimmt Vitamin-D-Mittel direkt vom Markt

Alfred Domke
Uvestérol D: Frankreich nimmt nach Säuglingstod Vitamin-D-Präparat vom Markt
In Frankreich wird das Vitamin-D-Präparat Uvestérol D sicherheitshalber vom Markt genommen. Vor kurzem war ein Säugling nach der Einnahme des Mittels gestorben. In Deutschland hat das Medikament keine Zulassung.

Vitamin-D-Präparat wird vorsichtshalber vom Markt genommen
Von Gesundheitsexperten wird immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, einem Vitamin-D-Mangel vorzubeugen. Gerade kleine Kinder sind häufig nicht ausreichend mit dem Vitamin versorgt. Ein Grund dafür könnte sein, dass Muttermilch offenbar zu wenig Vitamin D enthält. Das Verabreichen von Vitamin D an Babys kann aber auch gefährlich werden. In Frankreich wird nach dem Tod eines zehn Tage alten Säuglings ein Vitamin-D-Präparat vorübergehend vom Markt genommen.

In Frankreich wird nach dem Tod eines Säuglings ein Vitamin-D-Präparat vom Markt genommen. Das Risiko gehe von der Art der Verabreichung mit einer Pipette aus. (Bild: kavisimi/fotolia.com)

Säugling stirbt nach Einnahme von Uvestérol D
Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa teilte die französische Arzneimittelbehörde ANSM mit, dass es wahrscheinlich eine Verbindung zwischen der Einnahme des Mittels Uvestérol D und dem Tod des zehn Tage alten Kindes durch Kreislaufstillstand im Dezember gibt.

Wie es heißt, leitet die Behörde vorsichtshalber ein Verfahren ein, um des Verkauf des Medikaments auszusetzen.

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Patienten in Deutschland müssen sich keine Sorgen machen, da das Mittel hierzulande nicht zugelassen ist, erklärte ein Sprecher des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).

Auf alternative Präparate umsteigen
Den Angaben zufolge war das Mittel in Frankreich Kindern bei einem Vitamin-D-Mangel verschrieben worden. Wie die Gesundheitsministerin des Landes, Marisol Touraine, erläuterte, gehe das Risiko von der Art der Verabreichung aus, nicht vom Vitamin D selbst.

Laut Arzneimittelbehörde wird Uvestérol D mit einer Pipette verabreicht. Schon seit Jahren gibt es Warnungen, dass Babys sich dabei verschlucken können. Nach Angaben der Arzneimittelbehörde ANSM ist das Präparat seit 1990 auf dem Markt.

Es sei bislang noch kein Todesfall im Zusammenhang damit registriert worden. Touraine rief Eltern jedoch sicherheitshalber dazu auf, ihren Kindern das Mittel nicht mehr zu geben und auf alternative Präparate umzusteigen.

Vitamin-D-Mangel im Winter
„Vom durchschnittlichen Europäer wird Vitamin D nur zu einem geringen Teil (10 – 20 %) über die Nahrung aufgenommen. Neuere Studien in Deutschland weisen darauf hin, dass weite Teile der Bevölkerung nicht optimal mit Vitamin D versorgt sind“, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme von Experten des BfArM und des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).

Weil wir im Winter weniger Sonnenlicht abbekommen, kann es vor allem in der sogenannten dunklen Jahreszeit schnell zu einem Vitamin D-Mangel kommen.

Da Säuglinge aber auch im Sommer aufgrund des noch nicht entwickelten hauteigenen UV-Schutzmechanismus nicht der direkten Sonnenbestrahlung ausgesetzt werden sollten, werden bei den Kleinen „Arzneimittel in Form von Vitamin-D-Tabletten (10 -12,5 µg/Tag) ab der 1. Lebenswoche bis zum Ende des 1. Lebensjahrs bei gestillten und nicht gestillten Säuglingen“ zur Rachitis-Prophylaxe eingesetzt, heißt es in der Stellungnahme von BfArM und BVL.

„Diese Prophylaxe wird bis zum zweiten erlebten Frühsommer empfohlen.“ (ad)