Nach der Wahl: Perspektiven für die Homöopathie?

Heilpraxisnet

Nach der Bundestagswahl: Wie schauen die Perspektiven für die Homöopathie aus?

27.09.2013

Deutschland hat gewählt und die Parteien sind auf der Suche nach einer möglichen Regierungskoalition. Eins ist sicher: Die FDP wird nicht mehr im neuen Bundestag vertreten sein, das Gesundheitsministerium unter Daniel Bahr ist Geschichte. Doch wer wird dieses Ministerium übernehmen, wie werden die Gräben zwischen der Bürgerversicherung und dem bestehenden System überbrückt und welche Perspektive hat die Homöopathie im neu zusammengesetzten Deutschen Bundestag?

Plan A: Große Koalition
Blickt man zurück in die Zeit der letzten schwarz-roten Koalition von 2005 bis 2009, da besetzte die SPD mit Ulla Schmidt das Ressort Gesundheit. Heißt demnach der neue Gesundheitsminister Karl Lauterbach? Der Gesundheitsökonom ist maßgeblich am SPD-Konzept der Bürgerversicherung beteiligt und hat im Sommer 2010 eine intensive Debatte über Nutzen und Kosten der Homöopathie ausgelöst. „Man sollte den Kassen schlicht verbieten, die Homöopathie zu bezahlen“, sagte Lauterbach in seiner Funktion als SPD-Obmann im Gesundheitsausschuss des Bundestags dem SPIEGEL. Mit diesem Vorstoß im Sommerloch wollte Lauterbach das Gesundheitssystem
aus der Finanzmisere führen. Ihm wurde vom Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) vorgerechnet, dass sich die Ausgaben für die ärztliche Homöopathie im Vergleich zu den Gesamtkosten des Systems im Promillebereich befänden. Der Ökonom blieb bei seiner Haltung, die jedoch nicht von der SPD-Bundestagsfraktion mitgetragen wurde. „Herr Lauterbach vertritt eine Einzelmeinung“, machte Carola Reimann, SPD, Vorsitzende des Bundestags-Gesundheitsausschusses, klar.

Wahl-Statements der SPD- und CDU-Bundestagsfraktion
Vor der Wahl haben die Bundestagsfraktionen dem DZVhÄ Interviews gegeben. Sollten die Sozialdemokraten Juniorpartner einer großen Koalition werden, wird sich die SPD-Fraktion für mehr Forschung im Bereich der Homöopathie einsetzen, sagte Hilde Mattheis, „diese sollte auch durch öffentliche Mittel gefördert werden“. Mattheis will sich auch für die Selektivverträge in der neuen Legislaturperiode einsetzen, sie „sind ein Instrument für den Wettbewerb der Krankenkassen untereinander“.

Jens Spahn, CDU/CSU-Fraktion, sagte im DZVhÄ-Interview, dass sich die CDU „seit jeher für die freie Arztwahl und für die Therapiefreiheit der Ärzte“ einsetzt, „und wird dies auch weiterhin tun“. Spahn hob hervor, dass seine Fraktion Naturheilmitteln und der Naturheil-Medizin seit jeher große Bedeutung beimesse und dafür Sorge trage, „dass die besonderen Therapierichtungen nicht gänzlich aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung ausgeschlossen wurden.“

Plan B: Schwarz-Grüne Koalition
Diese Koalition ist politisch wenig realistisch, rechnerisch aber möglich. Die Grünen machen sich bereits seit vielen Jahren dafür stark, „dass die Komplementärmedizin (darunter die Homöopathie) unideologisch mit ihren Potenzialen wahrgenommen wird“, sagte Biggi Bender im Interview. „Eine strikte Ablehnung der Homöopathie ist ebenso wenig hilfreich wie (auch aus der Komplementärmedizin kommende) Behauptungen, diese entziehe sich durch ihren individuellen Ansatz einer systematischen Evaluierung. Daher setzen wir uns dafür ein, dass die öffentliche Forschung zur Komplementärmedizin ausgebaut wird, da diese vielfach von chronisch Kranken, denen die sogenannte Schulmedizin nicht geholfen hat, als hilfreich empfunden wird“, so Bender. Biggi Bender hat den Einzug ins Parlament nicht geschafft. Sie unterlag als Direktkandidatin im Wahlkreis Stuttgart II und konnte sich auch nicht über die Landesliste Baden-Württemberg einen Sitz im Deutschen Bundestag sichern. Alle Wahl-Interviews finden Sie unter: www.dzvhae-homoeopathie-blog.de (Verband homöopathischer Ärzte)

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Bild: Ulrich Schmitz / pixelio.de