Nach Listerien-Keime: Großmetzgerei Sieber beantragt nun Insolvenz

Die bayrische Großmetzgerei Sieber ist offenbar insolvent. Ende Mai hatten die Behörden aufgrund des Verdachts auf Listerien einen Produktions-Stopp bewirkt. (Bild: Yvonne Weis/fotolia.com)
Nina Reese
Bayrisches Unternehmen kann Einnahmeverluste nicht mehr weiter auffangen
Die wegen des Verdachts auf Listerien in die Schlagzeilen geratene Geretsrieder Großmetzgerei Sieber hat Insolvenz angemeldet. Wie die Nachrichtenagentur „dpa“ berichtet, habe der Geschäftsführer Dietmar Schach beim Amtsgericht Bad Tölz-Wolfratshausen einen entsprechenden Antrag gestellt. Die bayerische Fleischfirma war Ende Mai wegen des Sieber-Wurst-Skandals gesperrt worden. Sämtliche Produkte wurden deutschlandweit zurück gerufen, zu den Kunden zählten unter anderem Rewe sowie die Discounter Lidl und Penny.

Rückruf sämtlicher Produkte
Die bayerische Firma Sieber Gesellschaft für Wurst- und Schinkenspezialitäten mbH ist infolge des Nachweises von Listerien in mehreren Wurst-Proben offenbar finanziell am Ende. Laut der „dpa“ habe der Geschäftsführer des Unternehmens, Dietmar Schach, beim Amtsgericht Bad Tölz-Wolfratshausen einen Insolvenzantrag gestellt. Schach teilte demnach mit, dass der Einnahmeverlust infolge des seit dem 27. Mai geltenden Verkaufs- und Vertriebsstopp nicht mehr aufzufangen gewesen wären. Bei den Einbußen handelte es sich demnach um rund 100.000 Euro am Tag. Sieber beschäftigt derzeit 120 Menschen.

Die bayrische Großmetzgerei Sieber ist offenbar insolvent. Ende Mai hatten die Behörden aufgrund des Verdachts auf Listerien einen Produktions-Stopp bewirkt. (Bild: Yvonne Weis/fotolia.com)
Die bayrische Großmetzgerei Sieber ist offenbar insolvent. Ende Mai hatten die Behörden aufgrund des Verdachts auf Listerien einen Produktions-Stopp bewirkt. (Bild: Yvonne Weis/fotolia.com)

Vorwürfe gegenüber den Behörden
Schach erhob deutliche Vorwürfe gegen die Behörden, die das Unternehmen seiner Ansicht nach im Stich gelassen hätten. „Das man einem Unternehmen keinerlei Chance gibt und bewusst platt macht, das ist – auch in Bayern – einmalig“, erklärte er laut der „dpa“. Demnach sei der dringende Wunsch nach einem „Runden Tisch“ mit allen Behörden zum Zwecke des Gesprächs über die Zukunftsperspektiven des Unternehmens „rigoros abgelehnt“ worden, zudem seien die Ergebnisse weiterer Proben „für mich offensichtlich bewusst“ vorenthalten worden, kritisierte der Geschäftsführer. Darüber hinaus verwies er darauf, dass alle positiv getesteten Proben unterhalb des gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwertes lagen und diejenigen aus dem Unternehmen negativ gewesen seien. Demnach wisse die Großmetzgerei „bis heute immer noch nicht, wo die Einbringungsstelle von diesen Listerien ist“, so Schach laut dem Bericht weiter.

Listeriose kann bei Immunschwäche einen schweren Verlauf nehmen
Das Landratsamt Bad Tölz hatte am 27. Mai ein Vertriebsverbot für Produkte der Metzgerei erlassen und für sämtliche Produkte des Unternehmens eine bundesweite Rückrufaktion eingeleitet. Zuvor waren in mehreren Proben von Schinken und Wurst Listerien nachgewiesen worden. Bei diesen handelt es sich um stäbchenförmige Bakterien der Gattung Listeria, die sich auch bei niedrigen Temperaturen (z.B. im Kühlschrank) weiter vermehren können und erst durch Kochen, Braten, Sterilisieren und Pasteurisieren abgetötet werden. Bei gesunden Menschen nimmt eine Listerieninfektion normalerweise einen harmlosen Verlauf mit zum Teil grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Gliederschmerzen, Erbrechen und Durchfall. Bei Babys, alten und immungeschwächten Menschen kann die so genannte „Listeriose“ jedoch ernste Folgern haben und im schlimmsten Fall sogar zum Tod führen. (nr)

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