Schlaganfall: Jeden kann es treffen

Heilpraxisnet

Schlaganfall kann auch junge Menschen treffen

10.05.2014

In Deutschland ereignen sich etwa 270.000 Schlaganfälle im Jahr. Einer der davon betroffen war, ist Thomas Masztalerz, der mit Anfang 30 einen sogenannten Hirninfarkt hatte und sich mühsam zurück ins Leben kämpfen musste. Immer häufiger sind auch Jüngere von einem solchen Schicksalsschlag betroffen.

Schlaganfall mit Anfang 30
In Deutschland stirbt alle neun Minuten ein Mensch an einem Schlaganfall. Insgesamt ereignen sich hierzulande etwa 270.000 Schlaganfälle im Jahr. Laut verschiedenen Presseberichten erlitt auch Thomas Masztalerz mit Anfang 30 einen sogenannten Hirninfarkt und musste sich mühsam ins Leben zurückkämpfen. Es war der 14. Juli vor zwei Jahren, den er nicht mehr vergessen wird. Der sportbegeisterte Masztalerz aus Hanau-Steinheim, damals aktiver Handballer, erinnert sich: „Es passierte zu Hause bei Kraftübungen, und ich hatte wohl zu wenig getrunken.“ Der Schlaganfall wurde bei ihm durch eineThrombose in einer Halsvene ausgelöst. Die rasche Alarmierung der Rettungskräfte über den Notruf 112 war für den damals 31 Jahre alten Mann lebensrettend. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, wie wichtig es ist, dass auch Laien einen Schlaganfall schnellstmöglich als solchen identifizieren können. Folgende Symptome sollte jeder als Notfallsituation erkennen: Taubheitsgefühl und Lähmung (z.B. herabhängende Mundwinkel), Sehstörungen, Sprach-/Verständnisschwierigkeiten sowie Kopfschmerzen und Schwindel.

Entscheidend sind die ersten Stunden
In jenem Sommer fand er sich nach der Rettung vorerst im Rollstuhl wieder, doch durch intensive Physiotherapie kann er mittlerweile wieder in Maintal als angehender Grundschullehrer arbeiten. Außerdem trainiert der Methodik-Beauftragte im hiesigen Handballbezirk heute junge Talente. Nach der Erstbehandlung im Hanauer Krankenhaus folgte ein zweiwöchiger stationärer Aufenthalt auf der Stroke Unit des Frankfurter Uniklinikums. Stroke Units sind Spezialstationen , auf denen Schlaganfall-Betroffene in den ersten Tagen betreut werden. Ganz entscheidend sind dabei immer die ersten Stunden, wie Experten nicht müde werden, zu betonen.

Ganzheitliches Konzept im Vordergrund
Im Anschluss daran wechselte der Patient in die Reha. Vorerst war die Ausgangslage eher deprimierend: halbseitig gelähmt, durch schwere Sprachstörungen und starke Konzentrationsprobleme gehandicapt. „Doch die komplette Behandlungskette hat gegriffen“, so Masztalerz. Noch in der Rehabilitationsklinik konnte der Kontakt zu Physiotherapeut Helmut Gruhn vom Perzeptionshaus in Hainburg hergestellt werden. Gruhn entwickelte 2003 eine ambulante Schlaganfall-Intensiv-Reha, das „Back to life-Konzept“, bei der das Ziel ist, die Voraussetzung für einen selbstständigen Alltag der Patienten zu schaffen und ihnen die Rückkehr in ein zufriedenes Leben zu ermöglichen. Die individuellen Bedürfnisse und Wünsche des Betroffenen stehen bei dem ganzheitlichen Konzept im Vordergrund. Die Eigenaktivität des Patienten bildet den Kern des therapeutischen Prozesses.

Patient mit eiserner Disziplin
Der Physiotherapeut arbeitet dabei nach dem „Bobath“-Konzept, bei dem versucht wird, durch ständiges Wiederholen bestimmte Bewegungsabläufe wieder neu im Gehirn zu „verankern“. Hirnzellen sollen so in der Nähe der geschädigten Stelle deren bisherige Funktion übernehmen. „Wie bei einem Kind, das laufen lernt, üben wir die Abläufe“, erläuterte Gruhn. Dies aktiviere die Rezeptoren im Hirn, so dass die Bewegungen irgendwann wieder automatisiert verliefen. Als der Physiotherapeut Masztalerz kennenlernte, begann dieser gerade wieder Laufen zu lernen. „Bei unserer ersten Begegnung war er sehr niedergeschlagen, kein Wunder“, so Gruhn. An sechs Tagen der Woche stellte sich der Patient mit eiserner Disziplin sämtlichen Aufgaben, um nicht nur seine körperliche Bewegungsfähigkeit wieder herzustellen, sondern auch um wieder sprechen und nach und nach am alltäglichen Leben teilhaben zu können.

Schlaganfall trifft auch junge Menschen
Masztalerz ist weiterhin in rehabilitativer Behandlung. Drei bis vier Mal pro Woche ist er dort und will den Grad seiner Schwerbehinderung von 60 Prozent nach und nach verringern. Auch Masztalerz hätte nie gedacht, dass ausgerechnet er einen Schlaganfall erleiden könnte. Er war jung, sportlich aktiv, hatte nie geraucht und trank nicht. Doch auch wenn die Erkrankung früher mit einem erhöhten Alter in Verbindung gebracht wurde, sind immer häufiger Jüngere von Schlaganfall betroffen, wie eine Auswertung im Rahmen der „Global Burden of Disease“-Studie, einem gemeinsamen Projekt der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Weltbank, ergab. Demnach tritt etwa jeder 20. Schlaganfall bei einem Kind oder Jugendlichen auf. Die Erfolgsgeschichte des Thomas Masztalerz ist jedoch nicht der Regelfall. Laut Zahlen der Deutschen Schlaganfall-Hilfe bleiben rund 64 Prozent der überlebenden Patienten ein Jahr danach noch pflegebedürftig. (ad)

Bild: Gerd Altmann / pixelio.de