Nach Schulpsychologen: Hilfe beim Hausarzt

Heilpraxisnet

Schulpsychologen erhalten Jugendliche oft Hilfe vom Hausarzt

10.06.2014

Wie eine aktuelle Studie zeigt, erhalten Jugendliche mit einer psychischen Störung nach dem Besuch bei Schulpsychologen häufig Hilfe von Haus- oder Kinderärzten und werden dort vor allem allgemeinmedizinisch betreut. Der Auswertung zufolge wenden sich die Betroffenen seltener direkt an Spezialisten.

Wegweiser im Gesundheitssystem
Knapp jeder zweite Bundesbürger wird mindestens ein Mal im Leben psychisch krank. Auch ein bedeutender Teil aller Kinder und Jugendlichen leidet irgendwann während ihrer Schulzeit unter einer psychischen Störung. Für sie könnten Schulpsychologen dann eine wichtige erste Anlaufstelle sein. Wenn eine Behandlung – wie etwa eine psychotherapeutische – der Schülerinnen und Schüler nötig wird, wird diese normalerweise nicht direkt durch die Schulpsychologen selbst durchgeführt. Sondern sie sollten im Idealfall den weiteren Weg durch das Gesundheitssystem weisen, sodass die Betroffenen bei Spezialisten therapeutische Hilfe finden können. Dass dem aber oft nicht so ist, zeigt eine aktuelle Studie.

Jugendliche mit psychischen Störungen suchen Hilfe beim Hausarzt
Kinder und Jugendliche mit einer psychischen Störung suchten nach der Konsultation bei Schulpsychologen häufiger Hilfe im klassisch körpermedizinischen Gesundheitssektor, vor allem beim Hausarzt oder Kinderarzt. Weniger würden sich die Betroffenen nach dem Besuch beim Schulpsychologen direkt an Therapeuten und Ärzte wenden, die auf psychische Störungen spezialisiert sind. Zu diesem Ergebnis kam eine Forschungsgruppe um PD Dr. Marion Tegethoff von der Fakultät für Psychologie der Universität Basel im Rahmen eines vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Projekts. Die Wissenschaftler analysierten für die Studie die Daten einer repräsentativen Stichprobe aus den USA, bestehend aus 6.483 Schülerinnen und Schülern im Alter zwischen 13 und 18 Jahren. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin „PLOS ONE“ veröffentlicht.

Betroffene nehmen Angebote wie Selbsthilfegruppen oder Telefon-Hotlines wahr
Die Forscher stellten außerdem fest, dass Betroffene öfter auch andere im Gesundheitsbereich verankerte Angebote wahrnahmen, wie beispielsweise Telefon-Hotlines, Selbsthilfegruppen und Familienhilfe. Das Aufsuchen eines Schulpsychologen hatte hingegen keinen Einfluss darauf, ob sich die Betroffenen anschließend Hilfe durch auf psychische Störungen spezialisierte Ärzte und Psychotherapeuten holten. Und das, obwohl gerade diese Spezialisten Fachleute für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Störungen sind.

Erkenntnisse wurden in den USA gewonnen
Von den Forschern wird dieses Ergebnis als ein Hinweis darauf interpretiert, dass US-amerikanische Schulpsychologen bereits einen wertvollen Beitrag dazu leisten, um die Versorgung der Betroffenen zu verbessern. Frau Tegethoff sagte: „Allerdings bleibt zu prüfen, ob die Zusammenarbeit zwischen Schulpsychologen und Psychotherapeuten sowie Ärzten, die auf psychische Störungen spezialisiert sind, weiter gestärkt werden sollte, um die Hilfe zu optimieren.“ Weitere Analysen müssten zeigen, inwieweit sich die in den USA gewonnenen Erkenntnisse auf andere Länder übertragen lassen. Es fehle bislang in vielen Ländern an Studien, die Antworten darauf geben könnten.

Schulpsychologen in Deutschland
In Deutschland ist die Schulpsychologie nicht in allen Ländern eine Pflichtaufgabe. Die flächendeckende Versorgung wurde zwar immer wieder gefordert, wie etwa nach dem Amoklauf von Erfurt 2002, doch in der Realität gibt es noch immer völlig unterversorgte Bereiche. Und während in anderen Ländern Schulpsychologen ganz selbstverständlich zu festen Kompetenzteams einer Schule gehören und damit die Geschichten vieler Schüler, aber auch die Probleme der Lehrer besonders gut kennen, ist es hierzulande die Regel, dass sie als Psychologen mit Hochschulabschluss in zentralen Beratungsstellen sitzen und somit fernab des Schulalltags. (ad)

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