Nachteulen: Warum sterben nachtaktive Menschen viel früher?

Alexander Stindt

Mediziner untersuchen Schlafgewohnheiten und deren Auswirkungen

Manche Menschen bleiben in der Nacht gerne lange wach und haben meist Probleme damit früh aufzustehen. Forscher fanden jetzt heraus, dass sogenannte Nachtmenschen früher versterben, verglichen mit Menschen mit normalen Schlafgewohnheiten.


Die Wissenschaftler der University of Surrey und der Northwestern University in den USA haben bei ihrer aktuellen Untersuchung festgestellt, dass nachts lange wach bleibende Menschen eine geringere Lebenserwartung aufweisen. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Chronobiology International“.

Wenn Menschen nachts regelmäßig spät ins Bett gehen, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, frühzeitig zu versterben. (Bild: Sven Vietense/fotolia.com)

Risiko frühzeitig zu versterben war bei Nachtmenschen um 10 Prozent erhöht

Wenn Menschen nachts gerne lang wach bleiben und generell spät ins Bett gehen, erhöht sich dadurch die Wahrscheinlichkeit um zehn Prozent, dass die Betroffenen innerhalb des Untersuchungszeitraums von sechseinhalb Jahren frühzeitig versterben, erklären die Studienautoren.

Stress und seine Auswirkungen

Der anhaltende Stress in der heutigen Gesellschaft hat enorme Auswirkungen auf Millionen Menschen. Dies führt dazu, dass die Lebenserwartung von Betroffenen verringert wird. Der Stress ist ein Problem der öffentlichen Gesundheit, welches nicht länger ignoriert werden kann, sagt Professor Malcolm von Schantz von der University of Surrey.

Weitere Forschung ist nötig

Es sollte darüber diskutiert werden, ob sogenannten Nachtmenschen flexible Arbeitszeiten ermöglicht werden, bei denen sie später zu ihrer Arbeit erscheinen können, schlagen die Mediziner vor. Außerdem werde weitere Forschung benötigt, um herauszufinden, wie Betroffenen geholfen werden kann, ihre Körperuhr wieder mit der Zeit der Sonne zu synchronisieren, erläutern die Wissenschaftler. Nachtmenschen haben starke Probleme mit den üblichen Arbeitszeiten, der dabei entstehende Stress könnte der Gesundheit erheblich schaden.

Studie untersuchte knapp 500.000 Teilnehmer

Für ihre Studie untersuchten die Forscher fast 500.000 Briten im Alter zwischen 38 und 73 Jahren. Bei dieser Untersuchung wurden etwa neun Prozent der Teilnehmer als Nachtmenschen betrachtet, während 27 Prozent als Morgenmenschen eingestuft wurden. Auf die gesamte Bevölkerung Großbritanniens gesehen bedeutet dies, dass etwa 5,8 Millionen Menschen ein verstärktes Risiko für einen frühzeitigen Tod aufweisen, weil ihre innere Uhr nicht mit der Umwelt im Einklang steht, erklären die Wissenschaftler. Frühere Studien auf diesem Gebiet haben sich bereits auf die höheren Raten von metabolischen Dysfunktionen und kardiovaskulären Erkrankungen konzentriert, aber dies ist die erste Untersuchung des Mortalitätsrisikos.

Ungesunde Verhaltensweisen können mit Schlafgewohnheiten zusammenhängen

Es könnte sein, dass nachts lange aufbleibende Menschen eine innere biologische Uhr haben, die nicht mit ihrer äußeren Umgebung übereinstimmt, sagt Dr. Kristen Knutson von der Northwestern University Feinberg School of Medicine. Die Gründe dafür, dass Menschen nachts spät zu Bett gehen, könnten beispielsweise psychischer Stress, falsche Essenszeiten, nicht ausreichende körperliche Betätigung, Drogen und Alkoholkonsum sein. Es gibt eine ganze Reihe ungesunder Verhaltensweisen, die damit zusammenhängen, dass man spät in der Nacht ins Bett geht, fügt die Medizinerin hinzu.

Gesundheitliche Folgen für Nachtmenschen

Nachtmenschen weisen erhöhte Raten von Diabetes, psychischen Störungen und neurologischen Störungen auf. Ob Menschen Frühaufsteher oder Nachtmenschen sind, hängt halb von genetischen Gründen und halb von der Umwelt ab. Dies bedeutet, es es könnte Wege geben, um Probleme mit der inneren Körperuhr unter Kontrolle zu halten. Das Forscherteam empfiehlt Nachtmenschen sich selbst zu helfen, indem sie versuchen, sich frühmorgens und nicht nachts dem Licht auszusetzen. Regelmäßige Schlafenszeiten, die Aufrechterhaltung eines gesunden Lebensstils und der Versuch, Aufgaben früher am Tag zu erledigen, können helfen, den Tagesrhythmus zurückzusetzen, erklären die Mediziner.

Arbeitsschichten sollten Chronotypen entsprechen

Bei zukünftigen Studien sollen Interventionen an Nachtmenschen überprüft werden, welche sie dazu bringen, dass sich ihre Körperuhr umstellt und an einen früheren Zeitplan anpasst. Dann wird sich zeigen, ob der Blutdruck und die allgemeine Gesundheit verbessert werden kann. Nachtmenschen sollten beispielsweise nicht gezwungen werden, um acht Uhr morgens aufzustehen. Es sollte sichergestellt werden, dass Arbeitsschichten den Chronotypen der Menschen entsprechen. Für manche Menschen könnte es besser sein, in der Nachtschicht zu arbeiten. (as)