Nachweisbare Sprach- und Konzentrationsstörungen: Handys können Kindern langfristig schaden

Alfred Domke
Übermäßige Smartphone-Nutzung gefährdet Gesundheit von Kindern
Die intensive Nutzung digitaler Medien kann dramatische Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche haben. Laut einer neuen Studie steigt das Risiko für Sprach- und Konzentrationsstörungen durch die übermäßige Smartphone-Nutzung deutlich an. Die „gesundheitlichen Risiken der Digitalisierung“ müssen ernst genommen werden, fordert die Bundesdrogenbeauftragte.

Auswirkungen auf die Gesundheit unseres Nachwuchses
Der digitale Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Das hat hat auch Folgen für die Gesundheit. So haben wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt, dass Samrtphones Kinder und Jugendliche unter Dauerstress setzen und unter anderem die Schlafqualität vermindern können. Kanadische Forscher berichteten zudem, dass es durch zu frühe Smartphone-Nutzung bei vielen Kleinkindern zu Sprachverzögerungen kommt. Welche Auswirkungen die Telefone auf die Gesundheit unseres Nachwuchses haben können, zeigt auch eine neue Studie, die nun von der Bundesdrogenbeauftragten vorgestellt wurde.

Schon im Kita-Alter nutzen viele Kinder das Smartphone ihrer Eltern. Der intensive digitale Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen kann negative Folgen für die Gesundheit haben. Eltern sollten ihrem Nachwuchs Orientierung geben. (Bild: HERRNDORFF/fotolia.com)

Immer mehr Jugendliche sind internetabhängig
Smartphones und Tablets sind für viele Menschen nicht mehr aus ihrem Alltag wegzudenken. Bei manchen ist der Gebrauch solcher Geräte allerdings exzessiv. Vor allem immer mehr Jugendlichen droht die Internetsucht.

„Die Zahlen internetabhängiger Jugendlicher und junger Erwachsener steigen rasant – mittlerweile gehen Experten von etwa 600.000 Internetabhängigen und 2,5 Millionen problematischen Nutzern in Deutschland aus“, heißt es in einer Pressemitteilung der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler.

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Die Politikerin stellte die BLIKK-Medienstudie (Bewältigung-Lernverhalten-Intelligenz-Krankheiten-Kinder) vor, in der die gesundheitlichen Risiken übermäßigen Medienkonsums für Kinder immer deutlicher werden.

Sprachentwicklungsstörungen und motorische Hyperaktivität
In der Studie, für die fast 5.600 Eltern und deren Kinder in Deutschland befragt wurden, zeigte sich unter anderem, dass bereits 70 Prozent der Kinder im Kita-Alter das Smartphone ihrer Eltern mehr als eine halbe Stunde täglich benutzen.

Die Folgen des übermäßigen Medienkonsums reichen von Fütter- und Einschlafstörungen bei Babys über Sprachentwicklungsstörungen bei Kleinkindern bis zu Konzentrationsstörungen im Grundschulalter.

Zudem finden sich bei Kindern bis zum 6. Lebensjahr vermehrt motorische Hyperaktivität bei denjenigen, die intensiv Medien nutzen.

Bereits für Säuglinge kann ein Smartphone zum Problem werden, denn wenn die Mutter beim Stillen oder während der Betreuung des Babys digitale Medien nutzt, gibt es messbare Hinweise auf Bindungsstörungen.

Vorteile einer inzwischen globalen digitalen Welt nutzen
Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, erklärte zu den Studienergebnissen: „Wir müssen die gesundheitlichen Risiken der Digitalisierung ernst nehmen! Es ist dringend notwendig, Eltern beim Thema Mediennutzung Orientierung zu geben.“

Sie sagte: „Kleinkinder brauchen kein Smartphone. Sie müssen erst einmal lernen, mit beiden Beinen sicher im realen Leben zu stehen. Unter dem Strich ist es höchste Zeit für mehr digitale Fürsorge – durch die Eltern, durch Schulen und Bildungseinrichtungen, aber natürlich auch durch die Politik.“

Einer der Studienleiter, Prof. Dr. Rainer Riedel von der Rheinischen Fachhochschule Köln, meinte: „Kinder und junge Menschen sollen lernen, die Vorteile einer inzwischen globalen digitalen Welt zu nutzen, ohne dabei auf die Erlebnisse mit Freunden im Alltag zu verzichten.“

Und Dr. med. Uwe Büsching, Kinder- und Jugendarzt und Vorstandsmitglied des Berufsverbands der Kinder –und Jugendärzte (BVKJ), erklärte: „Mit vorschneller Verordnung von Ergo- oder Sprachtherapie allein lassen sich Gefahren nicht abwenden. Gerade, wenn das Verhalten oder die Entwicklung auffällig ist, sollte immer auch ein unangebrachter Umgang der Eltern wie der Kinder mit Medien in Betracht gezogen werden.“

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, was Wissenschaftler aus den USA vor kurzem berichteten. Die Forscher der Illinois State University stellten in einer Studie fest, dass auch die intensive Smartphone-Nutzung von Eltern Auswirkungen auf den Nachwuchs haben kann.

Laut den Experten kann sie zu sozialen Auffälligkeiten bei den Kindern führen. (ad)