Nicht alle Kinder brauchen Mittagsschlaf

Heilpraxisnet

Nachtruhe von Kinder wird durch Mittagsschlaf beeinträchtigt

24.02.2015

Der Mittagsschlaf bildet einen festen Bestandteil im Tagesablauf vieler Kinder, wie sie von vielen Erzieherinnen und Eltern angeführt werden. Doch wird hierdurch die Nachtruhe der Kleinen offenbar gestört, so das Ergebnis der Studie einer australischen Forschergruppe an der QUT. Gesundheitsvorteile und mögliche positive Effekte auf das Verhalten, die Aufmerksamkeit oder die Verletzungsgefahr seien anhand der vorliegenden Daten nicht eindeutig bestimmbar, schreiben die Forscher im „British Medical Journal“ (BMJ).

Ab einem Alter von zwei Jahren sei der Mittagsschlaf mit einer schlechteren Schlafqualität während der Nacht verbunden, berichtet das Forscherteam um Karen Thorpe, Professorin für Psychologie am Institute for Health and Biomedical Innovation der QUT. 26 internationale und australische Studien mit Kindern im Alter unter fünf Jahren haben die Wissenschaftler ausgewertet und konnte dabei nach eigenen Angaben belegen, dass die Nickerchen tagsüber nicht nur unnötig sind, sondern auch die Nachtruhe der Kinder negativ beeinflussen können. Viele Kindertagesstätten, in denen der Mittagsschlaf nach dem Mittagessen aufgrund vermeintlicher Vorteile zum festen Tagesprogramm gehört, sollten diesen Ansatz demnach überdenken.

Keine eindeutigen Vorteile des Mittagsschlafs
Obwohl es den Kinder oftmals schwer fällt einzuschlafen, ist der Mittagsschlaf in vielen Krippen und Kindertagesstätte unerlässlicher Bestandteil des Tagesablaufs. Können die Kleinen nicht einschlafen, sollen sie zumindest ein wenig ausruhen, während die anderen schlafen. Durch das Nickerchen werde zum Beispiel die Aufmerksamkeit und die Aufnahmefähigkeit erhöht, die Verletzungsgefahr reduziert sowie das Wachstum gefördert, so die bisherige Annahme. Doch konnten die australischen Forscher in ihrer Studie keine eindeutigen Vorteile des Mittagsschlafs ausmachen, wohingegen ab einem Alter von zwei Jahren nachweislich negative Folgen für die nächtliche Schlafqualität auftraten. „Die Ergebnisse in Bezug auf Wahrnehmung, Verhalten und Auswirkungen auf die Gesundheit waren widersprüchlich, wahrscheinlich wegen der Unterschiede in Alter und dem gewöhnlichen Schlafstatus der Probanden“, schreiben Thrope und Kollegen. Der konsequenteste Befund sei die Assoziation zwischen dem Nickerchen und einer später einsetzenden, kürzeren, insgesamt schlechteren Nachtruhe ab dem Alter von zwei Jahren gewesen.

Schlafverhalten verändert sich maßgeblich in den ersten Lebensjahren
Insgesamt war laut Angaben der Forscher in den ersten fünf Lebensjahren der Kinder eine deutliche Verschiebung ihres Schlafverhaltens festzustellen. Während Kinder im Alter unter zwei Jahren noch relativ viel Zeit des Tages verschlafen, fallen die Schlafzeiten der Älteren vor allem in die Abendstunden beziehungsweise Nacht. Ab einem Alter von zwei Jahren unterscheiden sich die Schlafzeiten in ihrer täglichen Dauer nicht mehr zwischen den Kindern, die einen Mittagsschlaf halten, und denen, die wach bleiben. Die Kinder mit Nickerchen schlafen in der Nacht schlichtweg entsprechend kürzer. Für die Eltern bedeutet dies jedoch oftmals einen abendlichen Kampf beim Zubettgehen. Denn die Kleinen können schlichtweg nicht einschlafen, wenn sie tagsüber einen Mittagsschlaf gehalten haben. Zudem leidet durch das tägliche Nickerchen die Qualität ihres nächtlichen Schlafs.

Mittagsschlaf in Kindertagesstätten überdenken
Das Ergebnis der australischen Forscher stellt die vorgesehenen Schlafzeiten, wie sie bei einer Mehrheit der berücksichtigten Kinder aus Kindertagesstätten festzustellen waren, in ein neues Licht und macht deutlich, dass die gängige Praxis hier kritisch hinterfragt werden sollte. Zumal Vorteile des Mittagsschlafs nicht eindeutig nachgewiesen werden konnten. In Ermangelung an Leitlinien werde in der Kinderbetreuung eine große Bandbreite an Praktiken umgesetzt, wobei das Spektrum von 2,5 Stunden obligatorischer Ruhezeit bis hin zum Verzicht auf einen Mittagsschlaf reiche, berichtet die Co-Autorin der Studie, Dr. Sally Staton. „Es gibt eine Menge an individuellen Variationen wie viel ein Kind tagsüber schlafen muss und es ist wichtig, dass Eltern und Betreuerinnen zusammenarbeiten, um Kinder beim Schlafen in dieser Zeit zu unterstützen“, so Dr. Staton weiter. Sollten Kinder abends Schwierigkeiten beim Einschlafen haben, empfehle sich eine Untersuchung ihres Schlafmusters. Im Zweifelsfall kann jedoch bereits die Nachfrage bei den Erzieherinnen in der Kindertagesstätte Aufschluss bringen. Denn nach einem ausgeprägten Mittagsschlaf sind Einschlafstörungen am Abend nicht verwunderlich. (fp)

Bild: Helene Souza / pixelio.de