Nägelkauer: So lässt sich Fingernägelkauen abgewöhnen

Bis zu 40 Prozent der Kinder und rund zehn Prozent der Erwachsenen kauen Nägel. Ursache dafür ist oft Stress. Man kann aber gegensteuern. (Bild: Scott Griessel/fotolia.com)
Alfred Domke
Nägelkauer müssen sich anderes Stressventil suchen
Fingernägelkauen ist weit verbreitet. Laut Schätzungen knabbern bis zu 40 Prozent der Kinder und rund zehn Prozent der Erwachsenen immer wieder an den Nägeln. Zwar ist das Kauen meist harmlos, es kann jedoch auch ein ernsthaftes Problem dahinter stecken. Betroffene können aber gegensteuern.

Stress ist eine Ursache für Fingernägelkauen
Zwar kauen auch Erwachsene an ihren Fingernägeln, doch unter Kindern ist das Phänomen deutlich häufiger zu beobachten. Meist ist Stress der Grund dafür, dass die Finger automatisch zum Mund wandern und daran geknabbert wird. Manchmal sind es aber auch banale Ursachen wie „Langweile“, wie die Sozialpädagogin Gritli Bertram gegenüber „Heilpraxisnet“ berichtete. Eltern sollten aber auf das Herumkauen der Nägel nicht mit Strafen und Sanktionen reagieren. „Vielmehr ist es wichtig nach den Ursachen zu forschen und den Kindern Verständnis entgegen zubringen“, so Bertram.

Bis zu 40 Prozent der Kinder und rund zehn Prozent der Erwachsenen kauen Nägel. Ursache dafür ist oft Stress. Man kann aber gegensteuern. (Bild: Scott Griessel/fotolia.com)
Bis zu 40 Prozent der Kinder und rund zehn Prozent der Erwachsenen kauen Nägel. Ursache dafür ist oft Stress. Man kann aber gegensteuern. (Bild: Scott Griessel/fotolia.com)

Zwanghaftes Verhalten – aber meist harmlos
Die Ergebnisse des Nägelkauens sehen nicht nur unschön aus, sondern sorgen auch dafür, dass Krankheitserreger leichteres Spiel haben. In einer Mitteilung der Nachrichtenagentur dpa berichten Experten über Wissenswertes zum Thema.

So erklärt Prof. Peter Falkai von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), dass Nägelkauen zwar ein zwanghaftes Verhalten oder auch eine Störung der Impulskontrolle, aber meist harmlos ist.

Wenn das Nägelkauen allerdings stärker oder häufiger wird, werde es kritisch. „Oder wenn Leute so intensiv und so verbissen Nägel kauen, dass Verletzungen entstehen, zum Beispiel der Haut“, so Falkai, der auch Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum München ist. „Dann ist es oft Symptom einer Erkrankung.“

Bis zu 40 Prozent der Kinder kauen an den Nägeln
Wie der Arzt und Diplom-Psychologe Harald Tegtmeyer aus Lindau in der dpa-Meldung erläutert, ist die Unterscheidung zwischen schlechter, aber harmloser Angewohnheit und Ausdruck einer psychischen Störung nicht leicht.

Laut dem Sprecher des Ausschusses für Psychosomatik und Psychotherapie beim Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) sind Nägelkauer in zahlreicher Gesellschaft, insbesondere in jüngeren Jahren: „Geschätzt sind 30 bis 40 Prozent der Kinder und 10 Prozent der Erwachsenen betroffen.“

Kinder nicht unter Druck setzen
Kinder gewöhnen sich das Nägelkauen häufig nach ein paar Monaten oder wenigen Jahren wieder ab: „In der Pubertät achtet man mehr auf sich, nimmt das Nägelkauen anders wahr. Es wird peinlich, auch von der Optik her“, so Tegtmeyer.

Eltern können ihren Nachwuchs bei der Entwöhnung unterstützen, beispielsweise indem sie sie in der entsprechenden Situation dezent auf das Nägelkauen hinweisen.

Laut Gritli Bertram sollten Kinder dabei nicht unter Druck gesetzt werden. Hausarrest oder Fernsehverbot sind völlig falsche Ansätze und versetzen Kinder wieder in weitere Stresssituationen. Besser ist ein Belohnungssystem: „Für jede Woche ohne Fingernagelkauen gibt es eine kleine Aufmerksamkeit. Das kann ein Eis oder ein gemeinsamer Kinobesuch sein“, so die Sozialpädagogin gegenüber „Heilpraxisnet“.

Eintrittspforte für Pilze und Bakterien
Abgeknabberte Nägel und kaputte Nagelhaut sind aber nicht nur ein kosmetisches Problem. „Sie dienen auch als Eintrittspforte für Pilze und Bakterien und begünstigen somit Entzündungen“, erläutert die Hautärztin Marion Moers-Carpi vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen in der dpa-Meldung.

Die nagelbildenden Zellen können auf Dauer unumkehrbar geschädigt werden, so dass der Nagel nur noch deformiert nachwächst – typisch sind etwa ausgeprägte Längsrillen.

Kleine Veränderungen können helfen
Das Kauen sollte also am besten unterlassen werden. Um das zu schaffen, ist es wichtig, zunächst herauszufinden, in welchen Situationen die Finger überhaupt in den Mund wandern. Laut Falkai nämlich meist dann, wenn das Stresslevel ansteigt.

Dann ist die Frage zu klären: „Was kann ich tun, um den Stress nicht aufkommen zu lassen?“ In manchen Fällen reichen schon kleine Veränderungen; zum Beispiel die Uhr vorzustellen, wenn man immer auf den letzten Drücker kommt.

Manche setzen bei der Entwöhnung auf bittere Lacke oder auch Pflaster um die Fingerkuppen. Falkai hält dies als alleinige Methode für nicht sinnvoll. Laut dem Experten sei es wichtiger, den Ursachen des Nägelkauens auf den Grund zu gehen und gezielt gegenzusteuern.

Falkai zufolge fällt es manchmal leichter, sich das Nägelkauen nicht von Hundert auf Null abzugewöhnen, sondern zunächst zu versuchen, die Häufigkeit zu reduzieren. (ad)

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