Nahrungsmittelallergie: Allergietests aus dem Internet nicht empfehlenswert

Alfred Domke

Untersuchung: Allergietests aus dem Internet sind nicht empfehlenswert

Immer mehr Menschen reagieren auf bestimmte Lebensmittel allergisch oder denken zumindest, dass sie an einer Nahrungsmittelallergie leiden. Manche wenden sich dann nicht an einen Arzt, um Gewissheit zu erlangen, sondern greifen zu frei verkäuflichen Allergietests. Verbraucherschützer haben nun mehrere solcher Tests aus dem Internet genauer unter die Lupe genommen. Ihr Fazit: Keiner davon ist empfehlenswert.

Lebensmittelallergien nicht unterschätzen

Gesundheitsexperten zufolge nehmen Lebensmittelallergien seit vielen Jahren zu. Man sollte sie zwar nicht unterschätzen, doch längst nicht alle Menschen, die sich nach dem Verzehr bestimmter Speisen unwohl fühlen, leiden tatsächlich an einer Nahrungsmittelallergie. Um festzustellen, ob eine Allergie hinter den Beschwerden steckt, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Doch manche Verbraucher testen sich lieber selber. Solche Allergietests sind laut Verbraucherschützern allerdings „keine gute Idee“.

Manche Menschen, die denken, sie leiden an einer Nahrungsmittelallergie, greifen auf Allergietests zurück, um ihren Verdacht zu klären. Doch solche Produkte aus dem Internet sind laut Verbraucherschützern „keine gute Idee“. (Bild: airborne77/fotolia.com)

Zehn Allergietests genauer unter die Lupe genommen

„Viele Menschen glauben, dass sie von einer Nahrungsmittelallergie betroffen sind. Einer Umfrage der Berliner Charité zufolge gaben dies mehr als ein Drittel aller Befragten an“, berichtet das österreichische Testmagazin „Konsument“.

Um darüber Gewissheit zu erlangen, sollte die Situation von einem Arzt abgeklärt werden. Doch manche Verbraucher vertrauen auf eine schnellere Variante. Sie testen sich lieber selber.

Mit einem Set aus dem Internet überprüfen sie, ob sie unter einer Nahrungsmittelallergie oder -unverträglichkeit leiden. Das ist aber keine gute Idee.

Denn der österreichische Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat zehn Produkte untersucht, kann jedoch kein einziges davon empfehlen.

Allergische Reaktion kann im Extremfall lebensbedrohlich werden

Die großen Supermarktketten und Discounter haben das Geschäft mit laktose- oder glutenfreien Lebensmitteln längst entdeckt. In den Supermärkten füllen diese Produkte ganze Regalreihen.

Viele geben ihr Geld allerdings unnötigerweise für die teuren Spezialprodukte aus. Gerade einmal drei Prozent der Bevölkerung sind laut VKI von einer Nahrungsmittelallergie betroffen.

„Deutlich höher ist allerdings der Anteil bei Fruktoseunverträglichkeit (Fruktosemalabsorption) und Laktoseintoleranz. Von den Erwachsenen sind jeweils 10 bis 15 Prozent davon betroffen. Unter einer echten Zöliakie (glutensensitive Enteropathie) leiden dagegen nur 0,1 Prozent“, heißt es in der Zeitschrift „Konsument“.

Bei einer Allergie richtet sich das Immunsystem gegen harmlose Eiweißmoleküle aus Lebensmitteln und bildet dann Abwehrstoffe dagegen.

Bei Betroffenen führt dies zu Symptomen wie Hautauschlägen, Atemnot, Übelkeit oder Durchfällen.

Im Extremfall kann eine allergische Reaktion auch einen lebensbedrohlichen Kollaps verursachen.

Für keinen Test kann eine Empfehlung ausgesprochen werden

Für Menschen, die bestimmte Lebensmittel nicht vertragen, ist es deshalb wesentlich zu wissen, ob sie an einer Allergie leiden oder nicht. Ein Arztbesuch könnte hier Klarheit verschaffen. Viele aber suchen Zuflucht bei im Internet angebotenen Selbsttests.

Doch lassen sich Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten überhaupt mit diesen Tests bestimmen?

Um das herauszufinden, hat der VKI in Kooperation mit dem Floridsdorfer Allergiezentrum (FAZ) in Wien zehn verschiedene Produkte unter die Lupe genommen, die im Internet angeboten werden. Die Tests wurden von jeweils zehn Testpersonen angewendet.

Das Ergebnis der Untersuchung fiel ernüchternd aus. Für keinen einzigen der zehn Tests kann eine Empfehlung ausgesprochen werden.

Sechs Produkte lieferten sogar derart haarsträubende Ergebnisse, dass der VKI empfiehlt, die Finger davon zu lassen. Wer diesen Testergebnissen folgt, riskiert unter Umständen massive gesundheitliche Probleme.

Die Ergebnisse der Untersuchung können auf der Webseite des Magazins „Konsument“ kostenpflichtig abgerufen werden. (ad)