Nanopartikel beeinflussen Eisenaufnahme im Darm

Astrid Goldmayer

Nanopartikel beeinflussen Eisenaufnahme im Darm

13.02.2012

Nanopartikel sind heute in vielen Kunststoffen enthalten. Augrund ihrer geringen Größte überwinden sie viele natürliche Barrieren, wie beispielsweise im menschlichen Körper. Über ihre mögliche gesundheitsgefährdende Wirkung streiten sich die Wissenschaftler. Jetzt haben Forscher der Universität Ithaca herausgefunden, dass Nanopartikel die Eisenaufnahmefähigkeit im Darm verändern.

Mehr zum Thema:

Nanopartikel sind in vielen Kunststoffen enthalten
Nanopartikel sind heute Bestandteil von Pflegeprodukte, Kleidung und Kunststoffe, wie zum Beispiel in Lebensmittelverpackungen. Sie sind bis zu 100 Nanometer, also bis 100 Millionstel Millimeter groß und können von unterschiedlichen Materialen stammen. Sie sind in der Lage, die Eigenschaften eines Stoffes zu verändern.

Ein Wissenschaftlerteam um Michael L. Shuler hat nun aufgedeckt, dass Nanopartikel eines bestimmten Kunststoffs die Aufnahmefähigkeit von Eisen im Verdauungssystem stören, wenn sie oral aufgenommen werden. Für die Untersuchung wurden 50 Nanopartikel aus Polystyrol verwendet. Der Stoff soll ungiftig für den Körper sein.

Anhand von menschlichen Darmzellkulturen konnten die Wissenschaftler feststellen, dass eine hohe Dosis der Nanopartikel zu einem erhöhten Eisentransport führt, denn die Zellmembran wurde dabei beeinflusst. Bei Hühnern hatte eine hohe Einmaldosis, die direkt in den Dünndarm verabreicht wurde, eine geringere Eisenaufnahmefähigkeit im Darm zu Folge als bei Hühnern, die keine oder Nanopartikel in geringerer Dosis über einen längeren Zeitraum erhielten. Im Fachblatt „Nature Nanotechnology“ berichten die Forscher, dass Hühner, die längere Zeit Polystyrol-Nanopartikel erhielten, Veränderungen an der Darmschleimhaut zeigten. Sie weisen darüber hinaus aber darauf hin, dass weitere Untersuchungen nötig sind.

Gesundheitliche Risiken von Nanopartiken sind umstritten
Obwohl Nanopartikel inzwischen fast flächendeckend in Industrie und Lebensmittelverarbeitung Verwendung finden, sind ihre möglichen gesundheitlichen Risiken umstritten. Nanopartikel in Cappuccino-Pulver sind beispielsweise für den Milchschaum verantwortlich, der entsteht, ohne dass Milch aufgeschäumt werden muss.

Im August 2009 deckten chinesische Forscher auf, dass Nanopartikel in Farbstoffen schwere Lungenkrankheiten verursachen können. Eine japanische Studie zeigte, dass Nanoteilchen die Gehirnentwicklung von Föten negativ verändern können. Darüber hinaus fanden Mediziner Indizien dafür, dass Arbeitskräfte einem potenzielles Risiko ausgesetzt sind, wenn sie im Berufsalltag mit Nanobeschichtungen arbeiten. Medizinforscher Thomas Kraus bestätigte gegenüber dem Nachrichtenmagazin „Focus“, dass die Partikel eine Asbest-ähnliche Wirkungsweise entfalten könnten. Dennoch müssen Hersteller erst ab 2013 ihre Produkte mit einem Hinweis auf Nanopartikel versehen. Umwelt- und Verbraucherschützer fordern jedoch eine sofortige Kennzeichnung, augrund der potentiellen Gesundheitsgefährdung. (ag)