Nanopartikel in Neurodermitis-Creme

Fabian Peters

Gesundheitsrisiko durch Nanosilber in Neurodermitis-Cremes?

02.09.2011

Neurodermitis ist in Deutschland vor allem bei Kindern relativ weit verbreitet. Unzählige Präparate sind für die Behandlung zugelassen, doch manchen bringen möglicherweise deutliche gesundheitliche Risiken mit sich. So warnen die Experten aktuell vor Neurodermitis-Cremes, die sogenanntes Nanosilber enthalten.

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Generell ist gegen die Silberzusätze in den Neurodermitis-Salben wenig einzuwenden, doch Nanopartikel weisen andere physikalische Eigenschaften auf als normales Silber, so dass ein Gesundheitsrisiko nicht auszuschließen ist, warnte das Bundesinstitut für Risikobewertung bereits im April. Der Apotheker Prof. Rolf Daniels von der Universität Tübingen ergänzte gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“, dass Cremes und Salben zwar generell „das Hautbild schnell bessern“ können, allerdings „nur, wenn die Grundlagen der Arznei- und Pflegemittel zum Hautzustand passen.“

Zusammensetzung der Neurodermitis-Cremes beachten
Da vor allem Kinder häufig unter Neurodermitis leiden, sind hier die Eltern dazu aufgefordert, besonders auf die Zusammensetzung der Neurodermitis-Salben zu achten, mahnte Prof. Daniels. So sind laut Aussage des Apothekers zum Beispiel bei akuten Entzündungen eher wässrige Cremes zu empfehlen, wohingegen bei einer chronischen Neurodermitis fettreiche Salben besser geeignet seien. Anstatt selbstständig verschiedenen Präparate zur Behandlung der Hautkrankheit zu testen, sollten sich Betroffene beziehungsweise die Eltern der Betroffenen besser ärztlich beraten lassen und sich anschließend eine extra hergestellte Neurodermitis-Salbe in der Apotheke besorgen, rät der Experte. In Rücksprache mit dem Arzt können die Apotheker eine Creme anfertigen, die optimal auf das Hautbild der Patienten angepasst ist, erklärte Prof. Daniels. Vom Ausprobieren verschiedener Neurodermitis-Cremes in Eigenregie rät der Experte hingegen dringend ab, da „im ungünstigsten Fall das Herumprobieren der Haut sogar mehr schaden als nützen“ kann.

Warnung vor unkontrolliert Anwendung wirkstoffhaltiger Cremes
Relativ häufig verordnen Dermatologen zur Behandlung der Neurodermitis kortisonhaltige Salben und Cremes, um die Symptome der Erkrankung zu lindern. Allerdings sollten wirkstoffhaltige Präparate keinesfalls unkontrolliert angewendet werden, betonte der Apotheker Prof. Rolf Daniels. So gelte zum Beispiel bei der Verordnung von kortisonhaltigen Cremes für Kinder in der Regel die eindeutige ärztliche Vorgabe, diese lediglich einmal täglich anzuwenden. Ein Linderung der Symptome ist laut Aussage des Experten bei Verwendung der kortisonhaltigen Präparate meist relativ schnell zu verzeichnen, doch aufgrund der drohenden Nebenwirkungen des Kortisons kann dieses ohnehin nur zeitlich begrenzt verwendet werden. Auch sollte Kortison bei Kindern keinesfalls im Gesicht oder im Windelbereich eingesetzt werden, warnte Prof. Daniels. Allerdings ist laut Aussage des Apothekers, „die Kortison-Angst vieler Eltern bei richtiger Anwendung unbegründet.“ So werde das Kortison nach etwa einer Woche wieder stufenweise abgesetzt und anschließend oftmals durch eine Intervallbehandlung ersetzt, wobei die betroffenen Hautpartien zweimal pro Woche mit den kortisonhaltigen Präparaten eingerieben werden und an den übrigen Tagen die belastetet Haut mit Pflegeprodukten gestärkt wird.

Mögliche Gesundheitsrisiken durch Nano-Silberpartikel
In der Pflegekosmetik setzten die Hersteller laut Aussage des Tübinger Apothekers seit einiger Zeit verstärkt auf den Einsatz von Silber, um das Wachstum von Bakterien auf der Haut zu minimieren und so positive gesundheitliche Effekte zu erzielen. Dabei werden sowohl Mikro- als auch Nanopartikel in die Neurodermitis-Cremes eingearbeitet, erklärte Prof. Daniels. Diese unterscheiden sich laut Aussage des Bundesinstituts für Risikobewertung jedoch grundsätzlich in ihren physikalische Eigenschaften. So könne das Mikrosilber nur über Wunden in die Blutbahn eintreten, während die Nano-Silberpartikel mit einem Durchmesser von weniger als 100 Nanometern aufgrund ihrer winzigen Ausmaße unter Umständen auch direkt in die Blutbahn gelangen können. Demnach könnten Kosmetika mit Mikrosilber nach Einschätzung von Prof. Daniels bei Neurodermitis durchaus sinnvoll sein, dies hänge „aber vom individuellen Hautbild und der Grundlage ab.“ Neurodermitis-Cremes mit Nanosilber seien hingegen nicht zuletzt aufgrund der Warnung des Bundesinstituts für Risikobewertung am besten gänzlich zu meiden.

Naturheilkunde ohne Kortison und Nanosilber
Im Gegensatz zu der medikamentösen Behandlung, die meist nur der Linderung von Krankheitssymptome dient, die Ursachen der Neurodermitis jedoch unberührt lässt, steht am Anfang der naturheilkundlichen Behandlung von Neurodermitis eine gründliche Amnese, um den Auslösern der Hautkrankheit auf die Spur zu kommen. Anschließend werden abhängig von den Krankheitsursachen verschiedene Behandlungsmethoden wie zum Beispiel die Verfahren der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), Psychotherapie oder der Homöopathie eingesetzt. Insbesondere mit Hilfe der TCM konnten dabei in der Vergangenheit bereits deutliche Behandlungserfolge erzielt werden. Vereinfacht dargestellt verfolgt die TCM den Ansatz, dass Neurodermitis ein Entgiftungsversuch des Körpers ist, bei dem in Blut und Lymphen vorhandene Entzündungsprodukte, die sogenannte „trübe Hitze“ , über die Haut ausgeschieden werden sollen. Da die Ausscheidungsmöglichkeiten der Haut jedoch sehr begrenzt sind, tritt bei den Neurodermitis-Patienten ein Stau von Stoffwechsel-Endprodukten auf, der wiederum Entzündungen mit sich bringt und das typische Krankheitsbild der Neurodermitis verursacht. Mit Hilfe der Verabreichung traditioneller chinesischer Heilkräuter unterstützt durch Akupunktur und Moxibustion (Wärmebehandlungen von Akupunkturpunkten), soll die „trüben Hitze“ reduziert und die Ausscheidung der Haut verbessert werden. So lässt sich die Neurodermitis unter Umständen gänzlich ohne kortisonhaltige Salben oder gar Nano-Silberpartikel erfolgreich therapieren. (fp)