Die Nase nimmt eine Billion Gerüche wahr

Astrid Goldmayer

Geruchssinn des Menschen ist viel sensitiver als angenommen

21.03.2014

Die menschliche Nase kann über eine Billion (1.000.000.000.000) Gerüche unterscheiden. Zu diesem Ergebnis kommt eine US-amerikanische Studie der Rockefeller University in New York. Damit übertrifft die Nase Augen und Ohren in der Wahrnehmung bei weitem. Bislang gingen Schätzungen davon aus, dass das menschliche Riechorgan nur zwischen etwa 10.000 unterschiedlichen Gerüchen differenzieren kann.

Nase verfügt über phänomenale Fähigkeiten
Die menschliche Nase kann wesentlich mehr Gerüche wahrnehmen als zuvor angenommen. Zu diesem Ergebnis kommen Leslie Vosshall, Experte für Geruchssinn an der Rockefeller-Universität, und seine Kollegen im Rahmen ihrer Studie .„Die Botschaft ist, dass unsere Geruchssinn viel sensibler ist, als wir denken“, so Vosshall. „Wir beachten das nur nicht und setzten ihn wenig im Alltag an.“ Mehr als eine Billion Gerüche könne unsere Nase wahrnehmen, schreiben die Forscher im Fachmagazin „Science“.

In den 1920er Jahren kam eine Untersuchung zu dem Ergebnis, dass der menschliche Geruchssinn rund 10.000 Gerüche unterscheiden kann. „Jeder in dieser Branche hatte den Verdacht, dass diese Zahl lächerlich klein ist“, erläutert Vosshall. Aber erst sein Kollege Andreas Keller habe die Zahl in wissenschaftlichen Tests überprüft.

Gerüche setzen sich "aus vielen Molekülen zusammen und sind sehr komplex". So besteht laut Wissenschaftler "der Duft der Rose allein aus 275 verschiedenen Komponenten, von denen jedoch nur ein geringer Prozentsatz bewusst wahrgenommen wird". Diese Komplexität führt dazu, dass die Erforschung des Geruchssinn viel schwieriger ist als das Seh- oder Hörvermögen zu untersuchen. Im Vergleich zur Nase nehmen Augen und Ohren deutlich weniger wahr. So gehen Schätzungen davon aus, dass das Auge etwa zwischen 2,3 Millionen bis 7,5 Millionen Farben sehen kann und das Gehör rund 340.000 hörbare Töne registrieren kann.

Geruchssinn spielt heute eine untergeordnete Rolle im Alltag
Für ihre Studie gaben die Forscher den Testpersonen jeweils drei Ampullen mit Duftmischungen. Zwei waren identisch, eine unterschied sich in wenigen Duftkomponenten. „Unser Trick bestand darin, eine Mixtur aus Geruchsmolekülen zu verwenden und wir nutzen den Anteil der Überschneidung von zwei Mixturen, um das Ausmaß der Sensitivität des Geruchssinns zu erfassen“, berichtet Andreas Keller. Die Studienteilnehmer sollten bei den Tests jeweils die Probe herausfinden, deren Geruch leicht von den anderen abwich. Der Test wurde mit jedem Probanden 264 Mal wiederholt, um repräsentative Ergebnisse zu erzielen. Eine Hochrechnung ergab schließlich, dass "die menschliche Nase rund 1.000.000.000.000 Gerüche unterscheiden kann".

Die Forscher vermuten, dass die heute verhältnismäßig geringe Bedeutung des Geruchssinns in Verbindung mit dem aufrechten Gang stehen könnte. Denn der Urmensch war aufgrund seiner gebückten Halten mit seiner Nase viel näher am Boden, der Quelle der meisten Gerüche. Hinzu kommen die Gewohnheiten und Annehmlichkeiten der modernen Welt, durch die viele Gerüche gar nicht mehr entstehen, weil sie bereits im Vorfeld verhindert werden, beispielsweise durch Kühlschränke und tägliches Duschen. „Dies könnte unsere Einstellung erklären, dass das Riechen – im Vergleich zum Hören und Sehen – unbedeutend ist", erklärte Keller. Die Ergebnisse der Studie seien ein Schritt in Richtung der Erforschung der schwer zu erfassenden Quantität der Wahrnehmung des Geruchssinns, so dass der Weg für tiefer gehende Untersuchungen ebnen würden, so der Wissenschaftler. (ag)

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