Nesselsucht: Juckende Schwellungen der Haut richtig deuten und behandeln

Alfred Domke

Urtikaria: Symptome der Nesselsucht lassen sich gut in Griff bekommen

Etwa jeder fünfte Deutsche erkrankt irgendwann in seinem Leben an Nesselsucht (Urtikaria). Bei der Erkrankung kommt es zu stark juckenden Quaddeln und Schwellungen der Haut. Dank einer modernen Antikörpertherapie haben sich die Aussichten deutlich verbessert, die Nesselsucht erfolgreich zu bekämpfen.

Eine der häufigsten Hauterkrankungen

Die Nesselsucht (Urtikaria bzw. Nesselfieber) bezeichnet eine der am häufigsten auftretenden Hauterkrankungen. Ungefähr jeder fünfte Mensch erkrankt irgendwann in seinem Leben mindestens einmal daran. Die Ursachen für die Nesselsucht können viele verschiedene Gründe haben: Unverträglichkeiten, Infektionen oder auch physikalische Reize wie Druck, Kälte und Licht. In manchen Fällen sind auch Medikamente für das Entstehen der Nesselsucht verantwortlich. Dank einer modernen Behandlungsmethode kann die Erkrankung heute meist gut in den Griff bekommen werden.

Bei Nesselsucht bilden sich oft großflächige, stark juckende Quaddeln und Schwellungen der Haut. Dank einer modernen Behandlungsmethode haben sich die Aussichten deutlich verbessert, die Hauterkrankung erfolgreich zu bekämpfen. (Bild: kanachaifoto/fotolia.com)

Symptome ähneln denen einer Allergie

Trotz der unterschiedlichen Auslöser ähneln die Symptome der auch als Nesselsucht bezeichneten Urtikaria einer Allergie. Dies sind oft großflächige, stark juckende Quaddeln und Schwellungen der Haut, berichtet das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden in einer Mitteilung.

Das erschwert die Diagnose und führt häufig dazu, dass die Urtikaria häufig erst nach einem langen Leidensweg erkannt und gezielt behandelt wird.

Wie Wissenschaftler der Charité–Universitätsmedizin Berlin herausgefunden haben, ist die Nesselsucht unter anderem durch ein Asthma-Medikament therapierbar.

Und auch dank einer modernen Antikörpertherapie haben sich die Aussichten deutlich verbessert, die Nesselsucht erfolgreich zu bekämpfen.

Rund 20 Prozent der Deutschen leiden im Laufe ihres Lebens an Nesselsucht

Laut dem Dresdner Uniklinikum erleiden rund 20 Prozent aller Deutschen im Laufe ihres Lebens eine akute Urtikaria.

Dabei bilden sich auf der Haut unvermittelt Quaddeln – oft erst wenige mit einem kleinen Umfang, die sich stark ausbreiten und so einen großen Teil der Körperoberfläche einnehmen können.

Selbst Schleimhäute, zum Beispiel im Rachenraum, sind mögliche Ausbreitungsgebiete der Nesselsucht.

Wenn die Symptome länger als sechs Wochen anhalten, sprechen Ärzte von einer chronischen Urtikaria. Diese Patienten sind einem anhaltend hohen Leidensdruck ausgesetzt.

Verschiedene Ursachen möglich

Die chronisch spontane Urtikaria tritt häufig in Folge von infektiösen Prozessen als Fehlsteuerung des Immunsystems bei der Infektabwehr auf.

Vor allem bakterielle Infektionen im Magen-Darmbereich und im Bereich von Hals, Nase und Ohren, aber auch an den Zahnwurzeln sind Ursache der Infekturtikaria.

Eine weitere große Gruppe von Patienten leidet unter einer autoreaktiven Urtikaria, bei der durch körpereigene Stoffe die für die Quaddelbildung zuständigen Mastzellen aktiviert werden.

Aber auch Intoleranzreaktionen gegen Pseudoallergene wie Aroma,- Konservierungs- und Farbstoffe oder auch gegen natürliche Nahrungsmittelbstandteile können für die Nesselsucht verantwortlich sein.

„Wenn die chronische Urtikaria nicht schnell erkannt und durch Spezialisten behandelt wird, sind Patienten unnötigem Leid ausgesetzt“, sagte Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden.

Antikörpertherapie bringt schnellen Erfolg

Mediziner müssen daher systematisch alle Möglichkeiten abklären, um herauszufinden, ob hinter dem Hautausschlag eine Nesselsucht oder doch eine Allergie oder eine Unverträglichkeit steckt.

Im Falle einer Urtikaria-Diagnose kann mit einer innovativen Antikörpertherapie begonnen werden. „Die meisten Urtikaria-Patienten sind bereits nach zwei bis drei Tagen nach Beginn der Therapie nahezu symptomfrei“, sagte Prof. Andrea Bauer von der Klinik für Dermatologie des Uniklinikums.

Das Team um Prof. Andrea Bauer sieht in der Urtikaria-Spezialambulanz der Klinik für Dermatologie jedes Jahr 600 bis 700 Patienten.

Nicht wenige davon leiden mehrere Jahre, bevor bei ihnen die richtige Diagnose gestellt wird und sie eine Therapie erhalten, die den starken Symptomen Einhalt gebieten.

In manchen Fällen sind diese sogar lebensbedrohlich: Der Rachen kann beispielsweise zuschwellen, so dass Patienten ersticken. Bei einigen Patienten sind es die Lippen oder die Zunge, die stark anschwellen, was das Sprechen und Essen erheblich einschränkt. (ad)