Nestlé: Krankheiten mit Lebensmitteln vorbeugen?

Sebastian

Nestlé Konzern will Krankheiten mit Lebensmitteln vorbeugen und gründet neue Forschungsabteilung.

Der Schweizer Nahrungsmittelhersteller Nestlé will zukünftig sich stärker im Gesundheitsbereich engagieren. Dazu soll eine Vernetzung zu Pharmaherstellern geschaffen werden. Die neuen Lebensmittel sollen Krankheiten wie krankhaftes Übergewicht (Adipositas), Diabetes, Herz-Kreislauf-Probleme sowie Alzheimer vorbeugen. Damit will der Konzern in das finanziell interessante Gesundheitsgeschäft vorstoßen.

Am Montag erklärte der Nestle Chef Peter Brabeck: "Bei der auf Wissenschaft basierenden personalisierten Gesundheitsernährung geht es darum, effiziente und kostengünstige Wege zu finden, um akuten und chronischen Krankheiten des 21. Jahrhunderts vorzubeugen und sie zu behandeln". Eigens dafür gründete der Nahrungsmittelproduzent eine neue Tochtergesellschaft namens „Nestle Health Science“. Leiter der neuen Tochtergesellschaft soll Luis Cantarell werden, der zuvor den amerikanischen Geschäftsbereich führte. Der bislang tätige Nutrition-Chef Richard Laube war im Sommer diesen Jahres überraschend zurückgetreten.

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Für die Herstellung und Entwicklung der neuen Produkte soll ein neu geschaffenes wissenschaftliches Institut gegründet werden, das vom ehemaligen Forschungschef des US-Amerikanischen Biotechnologieunternehmens ViaCyte, Emmanuel Baetge geleitet werden soll.

Das Geschäftsmodell von Nestle, auch im Gesundheitssektor aktiv zu sein, ist allerdings nicht neu. Bereits seit den 80er Jahren betreibt das Unternehmen seine Bemühungen im Gesundheitsbereich. Im Jahre 2007 übernahm der Konzern das Nutrition-Geschäft des Schweizer Pharmakonzerns und zahlte dafür satte 2,5 Milliarden Dollar. Novartis den Der neu geschaffene Bereich wird aus der bereits bestehenden HealthCare Nutrition Sparte hervor gehen. Dieser Bereich erreichte im letzten Jahr 2009 einen Umsatz von rund 1,6 Milliarden Schweizer Franken.

Dem neuen Institute of Health Science, das im Umfeld der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne angesiedelt ist, will der Konzern in den kommenden 10 Jahren „Hunderte Millionen“ Schweizer Franken zur Verfügung stellen, wie es hieß. Nach Meinung des Kepler-Analysten Jon Cox könnte die neu geschaffene Forschungseinrichtung die zunehmenden Zweifel an solchen gesundheitsfördernden Lebensmittelprodukten zerstreuen. Die neuen Erkenntnisse über das Alten, den Einfluss von Genen und der Umwelt sollen mit in die weiteren Strategien mit einfließen. Dadurch sollen die neuen Produkte dazu beitragen, eine "gute Gesundheit und ein langes Leben" zu fördern, wie das Unternehme mitteilte.

Funktionelle Lebensmittel, wie die Fachwelt konzipierte Lebensmittel nennt, die die Gesundheit schützen sollen, standen in letzter immer wieder in der Kritik. So rieten unlängst Wissenschaftler der Leipziger Universitätsklinik zur Vorsicht bei Lebensmitteln, die pflanzliche Ersatzstoffe wie "Phytoseterole" enthalten. Diese Stoffe werden als Ersatz für tierische Fette eingesetzt und sollen wenig Kalorien enthalten und besonders Cholesterin senkend sein. Durch solche funktionalen Lebensmitteln soll u.a. das Herz-Kreislauf-System geschützt werden. Doch einige Menschen mit bestimmten genetischen Veranlagungen können pflanzliche Fettstoffe schlechter ausscheiden. Hierdurch erhöht sich der Sterolspiegel im Körper und das Herzinfarkt Risiko steigt an. Laut Studienergebnisse sind besonders Menschen mit den Blutgruppen Menschen A, B und AB betroffen. Aus diesem Grund rieten die Leipziger Forscher bei Produkten mit Phytosterolzusätzen "zurückhaltend zu sein". Auch aus der Naturheilkunde bekommt diese Art von konzipierten Lebensmitteln viel Kritik, da hier mehr für naturbelassene Ernährung und Nahrungsmittel plädiert wird. (sb)