Neu eingeschleppte Zecken ein potenzieller Hirnhautentzündungsübertrager

Alexander Stindt

Wissenschaftler identifizieren eine neue Zeckenart in Deutschland

Zecken sind in Deutschland und anderen Ländern Europas mittlerweile fast das ganze Jahr aktiv. Die milden Temperaturen während der Wintermonate sind der Grund für die gesteigerte Aktivität der blutsaugenden Parasiten. Forscher haben jetzt festgestellt, dass die Zeckenart mit der Bezeichnung Ixodes inopinatus auch hierzulande ein möglicher neuer Überträger der Hirnhautentzündung zu sein scheint.

Die Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung haben einen neuen möglichen Überträger der Hirnhautentzündung identifiziert: Es handelt sich dabei um die Zeckenart Ixodes inopinatus. Die Experten veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Untersuchung in der englischsprachigen Fachzeitschrift „ScienceDirekt“.

Wissenschaftler stellten fest, dass es eine neue Art von Zecken in Deutschland gibt. Es ist bisher allerdings noch unklar, ob die Zeckenart Ixodes inopinatus das gefährliche FSME-Virus überträgt. (Bild: Smileus/fotolia.com)

Parasiten mittlerweile in Deutschland fast das ganze Jahr aktiv

Zecken sind bekannte Überträger der Hirnhautentzündung. Früher war es in Deutschland normal, dass Zecken zumindest in der Winterzeit wegen mangelnder Aktivität keine Bedrohung für die Menschen darstellten. Aber mittlerweile sind auch im Herbst viele Zecken aktiv. Dank der milden Temperaturen in den Wintermonaten stellen Zecken fast das ganze Jahr eine Bedrohung dar. Zusätzlich verbreiten sich die Zecken leider immer weiter in Europa.

Warum breite sich die Zeckenart Ixodes inopinatus in Europa aus?

Bereits im Jahr 2016 wurden erstmals Infektionsfälle durch die Zeckenart Ixodes inopinatus in den Niederlanden nachgewiesen. Natürlich stellten sich Experten die Frage, welche Ursache hinter der zunehmenden Verbreitung dieser Zecken steckt. Wissenschaftler vermuteten, dass Vögel zur großflächigen Ausbreitung der Zecken beitragen.

Ixodes inopinatus in Süddeutschland entdeckt

Molekularbiologische Untersuchungen von FSME-Viren aus unterschiedlichen Regionen Europas zeigten, dass die Viren besonders auf den bekannten Vogelzug-Linien verbreitet werden. Also sammelten Wissenschaftler für ihre Studie Zecken an diesen sogenannten Vogelrastplätzen. Die Forscher des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung stellten dabei fest, dass es mittlerweile eine Zeckenart in Süddeutschland gibt, welche bisher normalerweise nur im Mittelmeer-Gebiet aufgetreten ist.

Überträgt Ixodes inopinatus das FSME-Virus?

Es ist bisher noch unklar, ob die entdeckte Zeckenart Ixodes inopinatus auch in Deutschland das FSME-Virus überträgt. Diese Zeckenart ist hierzulande bisher noch weitgehend unbekannt. Die Wissenschaftler möchten daher auch herausfinden, ob durch die Zecken vielleicht komplett neue Erreger übertragen werden, welche bisher in Deutschland nicht vorkommen.

Auch andere neue Zeckenarten vereinzelt nachgewiesen

Neben der hier erwähnten Zeckenart Ixodes inopinatus haben die Forscher bei ihrer Untersuchung auch noch weitere Zeckenarten identifiziert, welche bisher allerdings nur vereinzelt nachgewiesen wurden. Die Zeckenfauna ist viel vielfältiger als bisher angenommen wurde, erläutert der Autor Gerhard Dobler vom Institut für Mikrobiologie in München.

Die Verschleppung von Zecken könnte große Auswirkungen haben

Die Bedeutung der Verschleppungen von Zecken über ganze Kontinente hinweg wurde bislang unterschätzt und nicht ausreichend erforscht. Ein solcher Vorgang könnte ein möglicher Grund für das Auftreten von neu eingeschleppten Erkrankungen sein, welche durch den Kontakt mit Zecken übertragen werden. Ein solcher Ausbreitungsweg könnte mit anderen Worten von viel größerer Bedeutung sein, als bisher angenommen wurde, fügt der Dobler hinzu. (as)