Neuartige virtuelle Behandlung mindert Depressionen

Gegen Depressionen kann eine virtuelle Therapie helfen. (Bild: romanruzicka/fotolia.com)
Alexander Stindt
Neue Behandlung wirkt schnell und effektiv
Depressionen haben oft schwerwiegende Auswirkungen auf unsere Gesundheit und unser soziales Umfeld. Die Folgen der Erkrankung können ein normales Leben nahezu unmöglich machen. Viele Betroffene versuchen deshalb, durch Therapien und Medikamente die Erkrankung zu besiegen. Eine neue virtuelle Therapie könnte künftig helfen, Depressionen schnell und erfolgreich zu bekämpfen.

Schon lange suchen Forscher nach neuen effektiven Wegen, um Depressionen zu behandeln. Wissenschaftler vom „University College London“ stellten jetzt in einer fortlaufenden Studie fest, dass eine virtuelle Therapie helfen kann, die psychische Erkrankung zu behandeln. Die Experten veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „British Journal of Psychiatry Open“.

Gegen Depressionen kann eine virtuelle Therapie helfen. (Bild: romanruzicka/fotolia.com)
Gegen Depressionen kann eine virtuelle Therapie helfen. (Bild: romanruzicka/fotolia.com)

Erste virtuelle Therapie bei Menschen mit psychischen Problemen zeigt gute Ergebnisse
Eine neue Therapie könnte Menschen mit Depressionen helfen, ihre Krankheit zu besiegen. Es ist das erste Mal, dass eine virtuelle Therapie eingesetzt wird, um Patienten mit einer psychischen Erkrankung zu behandeln, erläutern die Experten. Wissenschaftler vom „University College London“ vermuteten bereits seit einigen Jahren, dass eine virtuelle Therapie bei solchen Erkrankungen helfen könnte. Die Mediziner führten in Zusammenarbeit mit der „ICREA-University of Barcelona“ eine Studie durch, welche die Auswirkungen der virtuellen Therapie auf Depressionen untersucht. An der Untersuchung nahmen fünfzehn Personen teil, die alle unter Depressionen litten und deswegen auch in Behandlung waren, sagen die Forscher. Die Probanden setzten sich aus zehn Frauen und fünf Männern zusammen, alle im Alter zwischen 23 und 61 Jahren.

Erwachsener und kindlicher Avatar
In der neuen Therapie wurde der Patient gebeten, sich mit einem virtuellen erwachsenen Avatar zu identifizieren. Dieser befand sich zusammen mit einem zweiten Avatar in der Simulation. Der zweite Avatar war ein kleines, weinendes Kind. Der Patient konnte über ein Headset mit dem Kind kommunizieren und seine Bewegungen wurden auf den erwachsenen Avatar übertragen, erklären die Wissenschaftler. Dieser Prozess wird als „Verkörperung“ bezeichnet. Den Probanden wurde mitgeteilt, dass mitfühlende Sätze das Kind trösten können. Die Patienten sollten das Kind dazu bringen, an einen Moment zu denken, in dem es glücklich war. Außerdem sollte es an einen Menschen denken, der das kleine Kind liebt, erläutern die Forscher. Danach änderte sich der Versuch. Der Patient verkörperte jetzt das Kind, der Avatar des Kindes reagierte auf Bewegungen des Probanden. Auch das Headset wurde umgestellt, so das der Patient jetzt die mitfühlenden Worte hörte, die er zuvor zu dem kleinen Kind gesagt hatte. Diese sprach der Erwachsene Avatar mit der zuvor aufgezeichneten Stimme des Probanden, erklären die Mediziner.

Behandlung dauert 45 Minuten und benötigt drei Sitzungen im Monat
Die Ergebnisse waren vielversprechend und Patienten beschrieben die erlebte Situation als sehr starke Erfahrung. Von den 15 Patienten erklärten neun Probanden, dass sich ihre Depression innerhalb eines Monats nach dem Versuch reduziert habe, berichten die Forscher. Und vier von diesen neun Probanden erklärten, dass sie einen klinisch signifikanten Rückgang der Depression bemerkten. Der Rest der Teilnehmer stellte keine Verbesserung fest. Die Behandlungen durch den Avatar dauerten 45 Minuten und die Patienten mussten an drei Sitzungen teilnehmen. Die positiven Auswirkungen der Therapie könnten für bis zu einem Monat andauern, vermutet der Hauptautor Professor Brewin. Menschen die mit Angst und Depressionen zu kämpfen haben, sind meist übermäßig selbstkritisch, wenn die Dinge in ihrem Leben schief gehen. In der Studie trösten die Patienten erst das Kind und hören dann ihre eigenen Worte. So geben sich die Betroffenen indirekt selber Mitgefühl. Das Ziel der virtuellen Therapie war es, die Patienten zu lehren mehr Mitgefühl gegenüber sich selber zu empfinden und weniger selbstkritisch zu sein, fügt Prof. Brewin hinzu. Wir hoffen jetzt die Technik weiter zu entwickeln, umso eine größere kontrollierte Studie durchführen zu können, so dass wir den klinischen Nutzen von virtueller Therapie sicher bestimmen können, sagt der Co-Autor Professor Mel Slater. (as)

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