Neue App hilft bei Arthritis-Behandlung

Alfred Domke

Smartphone-App für eine bessere Arthritis-Behandlung

27.04.2014

Laut Schätzungen leiden in Deutschland etwa 800.000 Menschen an rheumatoider Arthritis. Ein Mediziner aus Hamburg hat nun mit Freunden eine Smartphone-App entwickelt, die Patienten helfen soll, mit ihrer chronischen Gelenkentzündung umzugehen.


Hilfe für Hunderttausende Patienten
In Deutschland leiden nach Schätzungen etwa 800.000 Menschen an rheumatoider Arthritis. Frauen sind dabei wesentlich häufiger betroffen. Auch wenn an der entzündlichen Gelenkerkrankung Menschen aller Altersgruppen erkranken können, so nimmt die Krankheitshäufigkeit doch mit steigendem Alter zu. Ihnen allen könnte künftig eine neue Smartphone-App helfen, die der Hamburger Rheumatologe Peer M. Aries mit seinen Freunden entwickelt hat. Wie „Die Welt“ berichtete, ermöglicht die App „RheumaTrack RA“, einen unvorteilhaften Verlauf der Erkrankung frühzeitig zu erkennen und bei Bedarf rechtzeitig die Therapie anzupassen – wenn es sein muss, auch mal außerhalb der regulären Vorstellungstermine beim Arzt. Allerdings ersetze die App für Patienten keinen Arztbesuch, wie Aries betonte.

App funktioniert wie ein digitales Tagebuch
Wie ein digitales Tagebuch soll die App funktionieren. So kann der Patient beispielsweise eintragen, ob er noch 100 Meter einem verpassten Bus hinterher sprinten kann oder in der Lage ist, einen schweren Wintermantel allein anzuziehen. „Er kann zudem eintragen, wann und vor allem, wo er Schmerzen heute hat und ob er seine Medikamente eingenommen hat“, so Aries. Außerdem werde auch der Medikamentenbestand erfasst, um so den Patienten daran zu erinnern, frühzeitig neue Medikamente zu bestellen. Des Weiteren können aktuelle sonstige Probleme, wie etwa erhöhte Blutdruckwerte, dokumentiert werden. All diese Informationen können per E-Mail auch dem Arzt gesendet werden, um ihn über den aktuellen Verlauf der Krankheit zu informieren.

Verbesserte Kommunikation zwischen Arzt und Patient
Auch wenn manche Ärzte befürchten würden, dass durch eine solche App neben der normalen Sprechstunde noch eine zusätzliche virtuelle hinzukomme, teilt Aries diese Angstnicht. „Wenn man eine individualisierte Medizin möchte und der Patient damit verantwortungsvoll umgehen kann, entsteht auf dieser Ebene eine neue Qualität der Patienten-Arzt-Beziehung“, so der Rheumatologe laut „Die Welt“. Die Kommunikation zwischen Arzt und Patient könne durch die App positiv verändert werden. „Ohne App würden wir die Patienten zu den Regelterminen sehen, alle sechs Wochen oder drei Monate, je nachdem in welchem Stadium der Krankheit sie sich befinden. An diesem Termin fragen wir dann: ,Wie geht es Ihnen heute?‘ Von der Zeit seit dem letzten Besuch können die meisten Patienten dann oft auch nur noch die letzten fünf, sechs Tage rekapitulieren.“

Geeignet um den genauen Krankheitsverlauf anzuschauen
Wie der Mediziner betonte, sei die App gut, um zu sehen, wie der komplette Krankheitsverlauf seitdem gewesen ist. „Auch wenn die Patienten mir die Daten nicht per E-Mail schicken, sondern nur das Smartphone zur Visite mitbringen, kann ich mir jeden einzelnen Tag und somit den genauen Krankheitsverlauf anschauen. Wir gehen damit weg von dieser Momentaufnahme des Besuches in der Praxis hin zu einer kontinuierlichen Betreuung“, so Aries. Die neue App sei ein wichtiges Werkzeug auf dem Weg zu einer personalisierten Medizin. Der Rheumatologe meint: „Für jemanden, der technikaffin ist, ist die App das Richtige. Haben wir einen Patienten, der sehr besorgt oder ängstlich ist, sehe ich ihn lieber persönlich in meiner Sprechstunde.“

Therapie an Krankheitsaktivität anpassen
Die App helfe zudem dabei, moderne Prinzipien in der Rheumabehandlung in die Praxis umzusetzen. „Es gibt gute Erkenntnisse, dass ein entscheidender Faktor für den Behandlungserfolg ist, den Patienten engmaschig betreuen zu können.“ Da sich die Krankheit nicht in Dreimonatsabständen, sondern auch mal in Wochen- oder Zweiwochenabständen verändert, könne der Patient in der Situation entsprechenden Abständen in die Sprechstunde bestellt werden. Mit der App könne man die medikamentöse Therapie immer an die jeweilige Krankheitsaktivität anpassen. „Erreichen wollen wir bei den Patienten Schmerzfreiheit, dass keine Entzündungszeichen im Blut nachweisbar sind und keine zunehmenden Veränderungen an den Gelenken im Röntgenbild auftreten“, so Aries. Wenn die Schmerzen beim Patienten jedoch mehr geworden sind, dann müsse die Therapie justiert werden, bis die Schmerzfreiheit erreicht ist. „Das ist die Verwirklichung eines Therapiekonzeptes, das sich in den letzten Monaten und Jahren entwickelt hat und in das unsere App sehr gut hineinpasst.“

Apps sind kostenlos erhältlich
Zur Behandlung werden unterschiedliche Medikamente eingesetzt, die alle die Entzündungshemmung als Ziel haben. Neben der raschen Schmerzfreiheit des Patienten soll aber auch eine Zerstörung der Gelenke verhindert werden“, so Aries. Bei Rheuma und Arthritis hilft zudem aktive Bewegung. Zehntausende Patienten nutzen inzwischen regelmäßig Bewegungsangebote der Rheuma-Ligen in ihrer jeweiligen Heimatstadt. Dazu gehören beispielsweise Tanzkurse, Tai-Chi oder Yoga. Zudem finden sich auch Aqua- Cycling oder das Muskelaufbautraining im Rahmen der Medizinischen Trainingstherapie (MTT). Die erste App für die rheumatoide Arthritis hatten Aries und seine Freunde 2012 entwickelt und nun überarbeitet. Neu hinzugekommen ist jetzt eine App für die rheumatischen Erkrankungen an der Wirbelsäule (RheumaTrack SPA). Die Apps können kostenlos heruntergeladen werden und sind in den Sprachen Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch und Türkisch erhältlich. (ad)

Bildnachweis: Bild: Uta Herbert / pixelio.de