Neue Behandlungsleitlinien für Asthma und COPD

Fabian Peters

Therapie-Empfehlungen für Asthma und COPD aktualisiert

Die Deutsche Atemwegsliga und die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie (DGP) haben neue Leitlinien für die Behandlung von Asthma und chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (COPD) vorgelegt. Zum Beispiel wurden bei Asthma eine Vielzahl Evidenz-basierter Empfehlungen zur nichtmedikamentösen Behandlung (u.a. Patientenschulung, Physiotherapie, Rehabilitation), zum Umgang mit typischen Asthma-Begleiterkrankungen und zur Asthma-Prävention neu aufgenommen.


Asthma und COPD sind weit verbreitete Beschwerdebilder, bei denen eine Heilung auf Basis der bisherigen Therapiemöglichkeiten nicht erreichbar ist. Allerdings lassen sich mit der richtigen Therapie die Symptome lindern. Mit der Anpassungen der jeweiligen Behandlungsleitlinien, soll nun den Evidenz-basierten Neuentwicklungen in Diagnostik und Therapie, welche seit Veröffentlichung der letzten Leitlinien erreicht wurden, Rechnung getragen werden, berichtet die Deutsche Atemwegsliga.

Neue Behandlungsleitlinien für Asthma und COPD vorgestellt. (Bild: WavebreakmediaMicro/fotolia.com)

Neue Erkenntnisse in der Diagnostik und Therapie

Asthma gehört mit mehr als fünf Millionen Patienten zu den häufigsten chronischen Erkrankungen in Deutschland“ und „mehr als zehn Prozent aller Kinder und Jugendlichen und ca. fünf Prozent aller Erwachsenen leiden an Asthma“, so die Mitteilung der Atemwegsliga zu der Anpassung der Behandlungsleitlinien. Nicht nur die neuen Erkenntnisse in der Diagnostik und Therapie des Asthmas einschließlich der Entwicklung neuer Medikamente und Therapieoptionen machten laut Angaben der DGP eine Neufassung notwendig. „Auch die Neuorientierung und das Umdenken durch die Charakterisierung von Phänotypen des Asthmas, die neue Einteilung der Schweregrade des Asthmas und den Aufbau der Stufenpläne“ seien Gründe für die Überarbeitung.

Asthma eine der häufigsten chronischen Lungenerkrankungen

Zwar sei die Prävalenz von Asthma in den letzten Jahren in westlichen Ländern nicht weiter gestiegen, doch habe die sie zuvor über Jahrzehnte in vielen Ländern zugenommen (insbesondere bei Kindern und Jugendlichen), berichtet die DGP. Asthma bleibe eine der häufigsten chronischen Erkrankungen in Deutschland und die volkswirtschaftliche Bedeutung von Asthma sei sehr groß. Die vorliegende Leitlinie bilde ein Update der Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit Asthma und löse die bisher für den deutschen Sprachraum gültige Version ab.

Neue Asthma-Behandlungsleitlinie

In der neuen Asthma-Leitlinie wird die Erkrankung als „eine heterogene, multifaktorielle, meist chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege“ definiert, welche meist durch eine Überempfindlichkeit der Bronchien und/oder eine variable und partiell reversible Verengung der Atemwege charakterisiert ist, berichtet die Deutsche Atemwegsliga.Typische Asthma-Beschwerden seien vor allem:

  • Luftnot,
  • Brustenge,
  • Atemnebengeräusche
  • und Husten mit wechselnder Intensität.

Asthma häufig allergisch bedingt

Ein Großteil der Betroffenen leidet laut Aussage der Experten infolge einer Allergie gegen Aeroallergene (v.a. Pflanzenpollen, Milben, Tierhaare) an Asthma. Aber insbesondere bei Erwachsenen könne Asthma auch durch nicht-allergische Trigger ausgelöst werden. Die Asthma-Diagnose erfolge nach Feststellung der typischen Beschwerden auf Basis des Nachweises einer Verengung der Bronchien mittels Messung der Lungenfunktion.

Verlaufsbeurteilung mitunter zur Diagnose erforderlich

Ist eine solche Verengung durch Inhalation eines antiasthmatischen Medikamentes vollständig reversibel, besteht laut Angaben der Fachgesellschaften an der Asthma-Diagnose kein Zweifel. Wenn hingegen keine Verengung und auch keine messbare Überempfindlichkeit der Bronchien vorliegen, sei ein Asthma sehr unwahrscheinlich. Mitunter lasse sich jedoch erst durch eine Verlaufsbeurteilung eine endgültige Diagnose stellen.

Inhalative Glukokortikoide Basis der Asthma-Therapie

Die Basis der Asthma-Therapie bilden in der Behandlungsleitlinie inhalative Glukokortikoide (ICS), die dem Asthma zugrundeliegende Entzündungsprozesse wirksam unterbinden sollen. „Ist dadurch keine Asthma-Kontrolle möglich, wird die Behandlung um ein inhalatives langwirksames Beta2-Mimetikum (LABA) ergänzt, ein die Bronchien für bis zu 24 Stunden erweiterndes Medikament“, berichtet die Deutsche Atemwegsliga. Relevante Nebenwirkungen seien durch die inhalative Anwendung der genannten Medikamente kaum zu befürchten.

Kombinationspräparate mit Vorteilen für Betroffene

Die Dauerbehandlung mit den genannten Arzneien wird durch die Gabe von rasch wirksamen Bronchodilatatoren ergänzt, die nur bei Bedarf inhaliert werden, erläutern die Experten. Eine für viele Patienten besonders einfache Asthma-Behandlung bestehe hier in Kombinationspräparaten aus einem inhalativen Glukokortikoid und einem langwirksamen Beta2-Mimetikum. Bei schwerem Asthma müsse die inhalative Therapie jedoch durch monoklonale Antikörper ergänzt werden, die sich gegen die zugrundeliegenden Entzündungsmechanismen richten und diese unterbinden.

Neue Empfehlungen zur nichtmedikamentösen Therapie

Neu aufgenommen in die Asthma-Leitlinie wurde außerdem eine Vielzahl von Evidenz-basierten Empfehlungen zur nichtmedikamentösen Asthma-Therapie, zum Umgang mit typischen Asthma-Begleiterkrankungen (z.B. Allergie, Schlafstörungen, Raucherlunge) und zur Asthma-Prävention (z.B. Allergenvermeidung). Darüber hinaus wurden neue Empfehlungen zur Diagnose und Behandlung des beruflich bedingten Asthmas und zum Management der Asthmaerkrankung in der Schwangerschaft eingearbeitet.

Die chronisch-obstruktive Lungenkrankheiten ist auch als Raucherhusten bekannt, betrifft jedoch nicht nur Raucher. (Bild: bilderzwerg/fotolia.com)

Neue COPD-Behandlungsleitlinien

Zwar liegen zur Epidemiologie der COPD bislang nur wenige Daten vor, doch schätzen Experten die Prävalenz in der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland und Österreich auf fünf bis zehn Prozent, so die Mitteilung der Deutschen Atemwegsliga. Mit der neuen COPD-Leitlinie werde die vorherige Version aus dem Jahr 2007 abgelöst und sie soll dazu beitragen, „dass COPD-Patienten wissenschaftlich begründete, angemessene, wirtschaftliche und qualitätsgesicherte Verfahren der Diagnostik, Prävention und Behandlung zugute kommen“, berichtet die DGP. Die Leitlinie richte sich an die pneumologisch ausgerichteten Fachärzte, die Patienten mit COPD im niedergelassenen Bereich und im Krankenhaus betreuen.

Atemnot und Husten sind Warnhinweise

Durch die Anpassung der COPD-Behandlungsleitlinie sollen Fachärzte bei der Diagnostik, Verlaufskontrolle und adäquate Therapie ihrer Patienten unterstützt werden, erläutern die Fachgesellschaften. Grundsätzlich sei die Diagnose bei allen Patienten zu erwägen, die Symptome wie Atemnot, Husten und/oder Auswurf zeigen. Durch den Nachweis einer nicht vollständig reversiblen Obstruktion in der Lungenfunktion werde die Diagnose gesichert.

Neue Nachweismethoden in die Leitlinien aufgenommen

Während die internationale GOLD-Guideline zur COPD-Diagnose ausschließlich die Spirometrie und die Forcierte Expiratorische Einsekundenkapazität (FEV1) fokussiert, empfehlen die deutschen Leitlinien zudem eine Berücksichtigung der Bodyplethysmographie und der Diffusionskapazität. Auch werden einfache Kriterien vorgestellt, die im Sinne einer Mustererkennung eine Unterscheidung zwischen Asthma und COPD ermöglichen.

Anpassung der medikamentösen COPD-Behandlung

Des Weiteren sieht die neue Leitlinie eine Einordnung der COPD-Patienten in ein ABCD-Schema vor. Die Einstufung erfolgt dabei anhand der Symptomatik und der Exazerbationshistorie und sollte als Basis für die medikamentöse Therapie dienen. Für die medikamentöse Behandlung wurden ebenfalls geänderte Empfehlungen ausgesprochen, die jetzt im Wesentlichen der internationalen GOLD-Guideline entsprechen. Von besonderer Bedeutung ist dabei zum Beispiel die deutliche Herabsetzung des Stellenwerts inhalativer Glukokortikoide (ICS).

Zu viele COPD-Patienten erhalten Antibiotika

ICS sind in der Initialtherapie fortan nicht mehr indiziert und sollten erst Anwendung finden, wenn der Verdacht besteht, dass eine asthmatische Komponente vorliegt, berichtet die Deutsche Atemwegsliga. Bei Patienten mit reiner COPD seien ICS frühestens dann vorgesehen, wenn die bronchialerweiternde Therapie ausgeschöpft ist. Außerdem sind die Autoren der deutschen Leitlinie der Auffassung, dass in Bezug auf die Behandlung von COPD-Exazerbationen derzeit zu viele Patienten mit Antibiotika behandelt werden. Daher seien konkrete Empfehlungen für die Indikationen zur antibiotischen Therapie in den Leitlinien enthalten. (fp)