Neue Erkenntnisse: Diese Darmkeime können Übergewicht auslösen

Beeinflussen die Bakterien in unserem Darm unsere Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Fettleibigkeit? Mediziner fanden heraus, dass spezielle Bakterienarten nur in fettleibigen Probanden gefunden werden konnten. (Bild: kwanchaichaiudom/fotolia.com)
Alexander Stindt
Unser Gewicht hat Einfluss auf die vorhandenen Bakterienarten im Darm
In der heutigen Zeit leiden immer mehr Kinder unter Übergewicht oder Fettleibigkeit. Hier stellt sich die Frage, welche Unterschiede es im Körper von übergewichtigen und normalgewichtigen Altersgenossen gibt. Forscher fanden jetzt heraus, dass im Verdauungstrakt von übergewichtigen Kindern und Jugendlichen verschiedene Arten von Bakterien leben. Also scheinen spezielle Darmbakterien mit der Menge an Fett im menschlichen Körper zusammenzuhängen.

Die Wissenschaftler des international anerkannten Yale University’s Department of Pediatrics stellten bei einer Studie fest, dass fettleibige Jugendliche und normalgewichtige Heranwachsende verschiedene Bakterien im Verdauungstrakt haben. Diese Erkenntnis neue Wege eröffnen, bestimmte Arten von Bakterien gezielt zu behandeln So könnte eine früh einsetzende Fettleibigkeit vielleicht verhindert werden. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism“.

Beeinflussen die Bakterien in unserem Darm unsere Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Fettleibigkeit? Mediziner fanden heraus, dass spezielle Bakterienarten nur in fettleibigen Probanden gefunden werden können. (Bild: kwanchaichaiudom/fotolia.com)
Beeinflussen die Bakterien in unserem Darm unsere Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Fettleibigkeit? Mediziner fanden heraus, dass spezielle Bakterienarten nur in fettleibigen Probanden gefunden werden können. (Bild: kwanchaichaiudom/fotolia.com)

Untersuchung analysiert die Körperfettverteilung der Probanden
Für ihre Studie untersuchten die Forscher die Darmbakterien und das Gewicht von 84 jungen Menschen. Die Probanden waren dabei im Alter zwischen sieben und zwanzig Jahren. 27 Teilnehmer waren fettleibig, 35 waren stark übergewichtig, sieben waren übergewichtig und 15 Probanden hatten ein normales Gewicht. Generell leiden immer mehr Menschen weltweit an Übergewicht und Fettleibigkeit. Die Kinder und Jugendlichen unterzogen sich einer sogenannten MRI, um ihre Körperfettverteilung zu beurteilen, sagen die Forscher. Dafür mussten sie Blutproben abgeben und ihre Ernährung in einem Tagebuch festhalten.

Fettleibige haben andere Bakterien in ihrem Darm
Die Autoren der Studie konnten acht Gruppen von Darmbakterien finden, die mit der Menge an Körperfett im Körper zusammenhängen. Vier dieser Darmbakteriengruppen gediehen überwiegend in fettleibigen Probanden, erläutern die Autoren. Die sogenannte Fettleibigkeit ist weiter verbreitet, als viele Menschen annehmen. Etwa 7 Millionen sind hierzulande wegen Fettleibigkeit in Therapie. Allerdings wurden in den fettleibigen Probanden die vier anderen Bakteriengruppen seltener gefunden, als bei Probanden mit normalem Gewicht. Die Forscher stellten fest, dass die Darmbakterien von fettleibigen Kindern effizienter bei der Verdauung von Kohlenhydraten waren.

Kurzkettige Fettsäuren können öfter in übergewichtigen Kindern festgestellt werden
Zusätzlich ergab die Untersuchung, dass übergewichtige Kinder häufiger kurzkettige Fettsäuren in ihrem Blut aufweisen, als normalgewichtige Kinder. Diese kurzkettigen Fettsäuren werden durch bestimmte Arten von Darmbakterien produziert und sind mit der Produktion von Fett in der Leber verbunden, erklären die Wissenschaftler.

Kurzkettige Fettsäuren werden in Fett umgewandelt und reichern unser Fettgewebe an
Unsere Forschung legt nahe, dass kurzkettige Fettsäuren in der Leber in Fett umgewandelt werden. Dadurch reichert sich dann das Fettgewebe an, erläutert der Autor Dr. Nicola Santoro vom Yale University Department of Pediatrics in Connecticut. Die Ergebnisse der Studie signalisieren, dass Kinder mit bestimmten Darmbakterien ein langfristig deutlich erhöhtes Risiko der Fettleibigkeit aufweisen. (as)

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