Neue Geschlechtsspezifische Gesundheitsversorgung

Fabian Peters

NRW fördert geschlechtsspezifische Gesundheitsversorgung

20.08.2011

Männer und Frauen unterliegen häufig sehr unterschiedlichen gesundheitlichen Problemen. Diese Unterschiede finden in der medizinischen Versorgung jedoch nur am Rande Berücksichtigung. Daher will die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen sechs Millionen Euro investieren, die in Projekte zur geschlechtsspezifischen Gesundheitsversorgung fließen sollen.

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Wie das Gesundheitsministerium Nordrhein-Westfalen am Freitag in Düsseldorf mitteilte, werden bei der medizinischen Behandlung von Frauen und Männern bis heute oftmals keine Unterschiede gemacht. Die gesundheitlichen Beschwerden, die Krankheitssymptome und der Krankheitsverlauf sind jedoch geschlechtsspezifisch häufig äußerst unterschiedlich, was in der Gesundheitsversorgung Berücksichtigung finden sollte, erklärte die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Bündnis 90/Die Grünen). Sechs Millionen Euro will die Landesregierung aus diesem Grund in Projekte zur geschlechtsspezifischen Gesundheitsversorgung investieren.

Geschlechtsspezifische Unterschiede bei Krankheitsverläufen
Laut Aussage des Gesundheitsministeriums Nordrhein-Westfalen besteht insbesondere bei Herzinfarkten, Depressionen und Übergewicht die Notwendigkeit einer geschlechtsspezifischen Behandlung. So bekommen dem Ministerium zufolge Frauen durchschnittlich rund zehn Jahre später einen Herzinfarkt als Männer, diese enden jedoch deutlich häufiger tödlich, was bei der medizinischen Versorgung dringend zu berücksichtigen sei. Beim Übergewicht seien indes insgesamt deutlich mehr Männer als Frauen betroffen. Während hierzulande die Hälfte der volljährigen Männer mit Gewichtsproblemen zu kämpfen hat, betrifft dies lediglich ein Drittel der Frauen. Auch dieser Aspekt finde „in der Prävention und Rehabilitation viel zu wenig“ Beachtung, betonte Barbara Steffens. Bei Depressionen sind die geschlechtsspezifischen Unterschiede der Landesgesundheitsministerin zufolge ebenfalls äußerst ausgeprägt. Zwei- bis dreimal mehr Frauen als Männer befinden sich wegen der psychischen Erkrankung in Behandlung, allerdings liegt die Suizidrate bei den depressiven Männern deutlich höher.

Unterschiede zwischen Männer und Frauen bei Depressionserkrankungen
Aktuelle Studien begründen diese geschlechtsspezifischen Unterschiede bei den Depressionserkrankungen zumindest teilweise mit der deutlich höheren Bereitschaft der weiblichen Betroffenen, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. So werde die Krankheit bei Frauen häufiger als solche erkannt und der Diagnosezeitpunkt liegt meist in einem deutlich früheren Krankheitsstadium, wodurch eine erfolgreiche therapeutische Behandlung begünstigt wird, erläuterten Experten der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit (DGMG) in einem aktuellen Interview mit der Nachrichtenagentur „dpa“. Männer hingegen verdrängen laut Aussage der DGMG oftmals ihre psychischen Probleme, mit fatalen Folgen, wie die erhöhte Selbstmordrate depressiver Männer bestätigt. In der niedersächsischen Kleinstadt Sehnde bei Hannover hat Anfang des Jahres eine Tagesklinik für depressive Männer eröffnet, die den geschlechtsspezifischen Unterschieden bei Depressionen Rechnung tragen soll. Ähnliche Projekte können nun auch in Nordrhein-Westfalen mit den zur Verfügung stehenden sechs Millionen Euro gefördert werden.

Spezielle Gesundheitsversorgung für Frau und Mann
Die Opposition im nordrhein-westfälischen Landtag warf der Landesregierung indes vor, sich bei den aktuellen Plänen zu sehr auf die Unterstützung von Frauen zu konzentrieren, während die Gesundheitsversorgung der Männer eher im Hintergrund stehe. Das jedoch ausdrücklich bei den Männern erheblicher Handlungsbedarf besteht, geht nach Ansicht des gesundheitspolitischen Sprechers der FDP-Landtagsfraktion, Stefan Romberg, auch aus der „um mehr als fünf Jahre kürzeren Lebenserwartung von Männern gegenüber Frauen“ hervor. Seiner Ansicht nach kommt die geschlechtsspezifische Gesundheitsversorgung bei den Männern deutlich zu kurz. Allerdings hat die Landesregierung durchaus die Option auch Projekte wie die oben genannte Tagesklinik für depressive Männer mit dem zur Verfügung gestellten Geld zu fördern. Der Ansatz eine geschlechtsspezifische Gesundheitsversorgung mit Hilfe öffentlicher Gelder zu fördern, ist daher insgesamt durchaus zu begrüßen. (fp)