Neue Hoffnung für Herzinfarkt-Patienten

Sebastian

Neue Hoffnung für Herzinfarkt-Patienten

15.11.2011

Herzinfarkt-Patienten können dank einer Forschergruppe aus den USA neue Hoffnung schöpfen. Die Wissenschaftler um Roberto Bolli von der Universität Louisville, Kentucky, und Piero Anversa von der Harvard Medical School Boston, Massachusetts, erzielten beachtliche Ergebnisse bei der Behandlung von Herzinfarkt-Patienten durch den Einsatz von herzeigenen Stammzellen.

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Das Behandlungsverfahren
In die kürzlich im Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlichen Studie wurden 23 Patienten mit akutem Herzinfarkt einbezogen, wovon 16 mit der neuartigen Stammzellentherapie und sieben konventionell behandelt wurde. Bei dieser neuen Behandlungsmethode werden dem Patienten etwa eine Million herzeigener Stammzellen mit Hilfe eines Ballon-Katheders zugeführt. Die Stammzellen wurden zuvor aus Herzkranzarterien gewonnen, während sich die Patienten einer Bypass-Operation unterzogen.

Was sind Stammzellen?
Als Stammzellen werden Zellen des Körpers bezeichnet, die sich zu verschiedenen Zelltypen und Gewebearten entwickeln können. Embryonale Stammzellen sind beispielsweise in der Lage, sich in jedes Gewebe auszudifferenzieren. Sie treten jedoch nur im frühen Stadium des Embryos auf. Adulte Stammzellen entwickeln sich dagegen immer in festgelegte Gewebetypen, wie z.B. die herzeigenen Stammzellen.

Wie können Stammzellen bei Herzinfarkten helfen?
Bei einem Herzinfarkt (Myokardininfarkt) entsteht in der Regel ein Blutgerinnsel in einer verengten Stelle eines Herzkranzgefäßes. Dadurch wird eine Durchblutungsstörung verursacht und es kommt zum Absterben von Teilen des Herzmuskels. Diese Erkrankung ist lebensbedrohlich und gehört zu den häufigsten Ursachen von Herzversagen in der westlichen Welt. Gemeinhin gilt das abgestorbene Gewebe des Herzmuskels als dauerhaft tot. Durch die Injektion mit den herzeigenen Stammzellen konnten die Forscher eine Verringerung des abgestorbenen, vernarbten Gewebes des Herzmuskels beobachten.

Bereits nach vier Monaten war bei 14 von 16 Patienten eine deutliche Steigerung der Pumpleistung des Herzens zu verzeichnen. Ihr Herzindex, der als Maß für die Pumpstärke der linken Herzkammer fungiert, stieg um 8,9 Prozent. Nach einen Jahr verbesserte sich die Pumpleistung des Herzens sogar bis zu einen Herzindex von 12%. Neben diesem herausragenden Ergebnis berichteten die Patienten von einer deutlichen Steigerung ihrer Lebensqualität. Müdigkeit und Kurzatmigkeit sind häufige Symptome dieser Herzerkrankung und bedeuten für viele Patienten eine wesentliche Einschränkung in ihrem Alltag. Bei den sieben konventionell behandelten Patienten konnte weder ein physische Verbesserung der Pumpleistung ihres Herzen noch ihrer Lebensqualität beobachtet werden.

Trotz erfolgreicher Therapie kritische Stimmen
Der Leiter der Studie, Roberto Bolli, spricht von einem beachtlichen Erfolg. Dennoch muss die Behandlungsmethode noch an weitaus mehr Patienten getestet werden, um verlässliche Aussagen machen zu können. Bisher erfolgte lediglich die Phase I-Studie. Für die mögliche Zulassung neuer Behandlungsmethoden müssen jedoch Phase I- III erfolgreich verlaufen, so dass im Fall der Therapie mit herzeigenen Stammzellen nur von einem vorläufigen Erfolg gesprochen werden kann. Gerd Heusch, Universitätsklinkum Essen, hat dazu einen Kommentar in „The Lancet“ veröffentlicht, in dem er sich u.a. kritisch über die noch mangelnde strenge Kontrolle äußert. (sb)