Neue Impfung gegen Meningokokken-B

Nina Reese

Weltweit erster Impfschutz gegen Meningokokken der Serogruppe B

03.12.2013

Seit dem 2. Dezember haben Elten die Möglichkeit, ihre Kinder gegen Meningokokken B (Neisseria meningitidis) zu impfen. Dabei handelt es sich um intrazelluläre Bakterien, die bei Kindern und Säuglingen zu den häufigsten Auslösern von Hirnhautentzündung und Blutvergiftung zählen. Bei dem Präparat mit dem Namen „Bexsero“ vom Pharmakonzern Novartis handelt es sich um den weltweit ersten Impfschutz gegen Meningokokken der Serogruppe B – bisher waren nur Impfstoffe gegen Meningokokken der Serogruppen A, C, W, und Y verfügbar.

Meningokokken Typ B häufigste Auslöser einer bakteriellen Hirnhautentzündung
Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin gab es seit 2008 jedes Jahr etwa 400 Meningokokken-Infektionen, wobei vorrangig Kleinkinder und Jugendliche betroffen waren. Damit ist die Anzahl der Fälle zwar relativ niedrig – dennoch ist das Risiko einer Infektion nicht zu unterschätzen, denn nach wie vor verläuft diese bei jedem zehnten Betroffenen tödlich. Der Hintergrund: Meningokokken des Typs B können schwere Hirnhautentzündungen, die so genannte „Meningitis“ auslösen, die häufig von hohem Fieber, Kopfschmerzen, Schwindel, Schüttelfrost und Lichtempfindlichkeit begleitet wird. Besonders gefährlich ist dabei, dass es durch die Bakterien zu einer Blutvergiftung (Sepsis) kommen kann, die in schweren Fällen zu Amputationen von Fingern, Zehen, Armen oder Beinen führt.

Besonders oft Kinder und Säuglinge betroffen
Meningokokken Typ B sind in Deutschland die häufigsten Auslöser einer bakteriellen Hirnhautentzündung. Obwohl die Erkrankung prinzipiell in jeder Altersgruppe auftreten kann, sind insbesondere Babys, Kinder und Jugendliche betroffen, knapp die Hälfte der Patienten ist unter vier Jahre alt. Eine Impfung sei daher laut dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) ein wichtiger Schritt in Hinblick auf den Schutz der Kinder: „Wir Kinder- und Jugendärzte können nun die besonders gefährdeten Säuglinge – aber auch Kinder und Jugendliche vor dieser schweren Erkrankung schützen. […] Bisher hatten wir leider keine Möglichkeit, diese gefährliche Infektion zu verhindern. Und gerade weil die Erkrankung so plötzlich verläuft und innerhalb von einem Tag zum Tod führen kann, sind wir sehr froh, dass wir Eltern und ihren Kindern jetzt diesen Impfschutz anbieten können“, so Dr. Thomas Fischbach, Vorstandsmitglied des Berufsverbandes.

Impfung bereits ab dem 3. Lebensmonat möglich
Die Impfung könne dabei nach Information des BVKJ bereits ab dem dritten Lebensmonat durchgeführt werden. Nach jeweils vier Wochen müsse diese dann jedoch noch zwei Mal wiederholt und nach dem zweiten Geburtstag erneut aufgefrischt werden. Für die Kosten würden laut dem BVKJ einige Krankenkassen aufkommen, hierzu zählen unter anderem die BKK exklusiv, BKK firmus, BKK MERCK und BKK Technoform. Eltern sollten sich jedoch auf Anraten von Dr. Thomas Fischbach im Vorhinein genau bei ihrer Krankenkasse erkundigen, ob die Kosten tatsächlich übernommen würden.

Sächsische Impfkommission empfiehlt Impfstoff ab 1. Januar 2014
Aus Sicht des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte ist die neue Schutzimpfung ein neuer Meilenstein in der Medizin: „Wir Kinder- und Jugendärzte haben lange auf diese Impfung gewartet. Die von der Ständigen Impfkommission empfohlene Impfung gegen Meningokokken C hat bereits zu einer Abnahme der Meningitis-Fälle beigetragen. Etwa zwei Drittel aller durch Meningokokken ausgelösten Erkrankungen in Deutschland werden durch Erreger der Gruppe B verursacht. Insofern erwarten wir durch Einführung dieser Impfung, die ab 1.01.2014 in Sachsen von der dortigen Sächsischen Impfkommission empfohlen wird, einen weiteren deutlichen Rückgang dieser Erkrankungen“, so Dr. Thomas Fischbach, der auch Mitglied der Vertreterversammlung (VV) der Kassenärztlichen Bundesvereinigung ist.

Urteil des Robert-Koch-Instituts steht noch aus
Inwieweit die ständige Impfkommission (STIKO) den neuen Impfstoff empfehlen wird, steht jedoch noch aus. Diese hatte eine Kooperation mit einer Arbeitsgruppe an der Universität Bristol eingerichtet, um die epidemiologischen wie auch gesundheitsökonomischen Effekte in Hinblick auf eine mögliche Impfempfehlung zu überprüfen. Der Hintergrund: Zwar handelt es sich um eine schwere Erkrankung mit hoher Letalität, doch “die Erkrankungszahlen gehen [.] seit 2003 stetig auch ohne Impfung zurück”, so das RKI. Zudem handele es sich um einen völlig neuen Wirkstoff. (nr)

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