Neue Krebstherapie: Mit Viren gegen Tumore?

Fabian Peters

Neue Krebstherapie: Mit Viren gegen Tumore

14.02.2011

Viren könnten in Zukunft einen wesentlichen Beitrag zur Krebstherapie leisten. Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg arbeiten an einer Methode, um Viren zur Bekämpfung von Tumorzellen einzusetzen.

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Die Wissenschaftler des DKFZ hoffen mit Hilfe von Viren einen neuen Ansatz in der Krebstherapie zu entwickeln. „Die Grundidee der Virotherapie ist folgende: Man lässt Viren das machen, worin sie Profis sind, nämlich menschliche Zellen zu zerstören,“ erklärte der Heidelberger Molekularbiologe Dirk Nettelbeck gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. Sollte es gelingen die Viren so zu verändern, dass sie Krebszellen zerstören, die gesunden Zellen hingegen nicht angreifen, könnte die neue Methode die Krebstherapie revolutionieren.

Viren helfen im Kampf gegen Krebs
Bereits seit längerem arbeitet das DKFZ an der Entwicklung sogenannter onkolytischer Viren zur Behandlung von Krebs. Schon 2004 berichteten Experten des DKFZ, dass mit Hilfe Onkolytischer Herpes-Simplex-Viren erfolgversprechende Resultat bei der Eliminierung chemotherapieresistenter Tumore in präklinischen Studien erzielt wurden. Der Behandlungsansatz der Virotherapie ist dabei nach Aussage der DKFZ-Forscher auf Beobachtungen von Ärzten zurückzuführen, die bei Krebspatienten, welche zeitgleich an einer Viruserkrankungen litten, eine Rückbildung der Tumore feststellten. Die Zerstörung der Tumorzellen „wurde zwar nur in Einzelfällen beobachtet“, verdeutlichte jedoch, dass „Viren prinzipiell eine sehr gute Aktivität gegen Tumoren haben können,“ betonte der Molekularbiologe Nettelbeck. „Wir Molekularbiologen müssen diese Viren jetzt so verändern, dass sie nur Krebszellen zerstören, die gesunden Zellen aber in Ruhe lassen“, umschrieb Nettelbeck den aktuellen gemeinsamen Forschungsansatz der Hautklinik Heidelberg und des Deutschen Krebsforschungszentrums.

Virotherapie als neue Behandlungsmethode gegen Krebs
Die Krebszellen sollen mit Hilfe der Virotherapie direkt angegriffen und zerstört werden, wobei die Viren entweder direkt in den Tumor oder aber in die Blutbahn injiziert werden können, erläuterte Nettelbeck die Ansätze der neuen Behandlungsmethode. Im Körper der Krebspatienten beziehungsweise in den Tumoren sollen sich die Viren nach der Injektion vermehren und nur die Krebszellen abtöten. Dabei stehen die Wissenschaftler des DKFZ bei ihrer Forschungsarbeit gleich vor mehreren Herausforderungen. Einerseits müssten die Viren so umgestaltet werden, dass sie gesunde Zellen nicht befallen, anderseits sollte auch eine Abwehrreaktion des Organismus vermieden werden. Dabei prüfen die Wissenschaftler mehrere Alternativen wie beispielsweise die vorübergehende Blockierung des Immunsystems oder eine Umgestaltung der Viren, damit sie vom Immunsystem nicht erkannt werden. „Wenn man die Virushülle abändert, bekommen die Viren eine neue Struktur“ und mit dem neuen „Kleid“ ließe sich die natürliche Abwehrreaktion des Organismus vermeiden. „Das ist allerdings eine komplexe Angelegenheit“, betonte der Molekularbiologe Nettelbeck.

Abtötung der Krebszellen unmittelbar nach der Injektion?
Bei den neuen Ansätzen der Virotherapie könnten bereits geringe Virenmengen je Krebszelle ausreichen, um diese effizient zu zerstören, so die Experten des DKFZ. Eine Abtötung der Krebszellen sei dabei schon wenige Stunden nach der Injektion zu erwarten. Sollte es Probleme im Zuge der Virotherapie geben, ist mit Hilfe der zur Verfügung stehenden Medikamente, jederzeit kurzfristig ein Abbruch der Virusreplikation möglich, so die Einschätzung am DKFZ. Bei erfolgreicher Entwicklung eines entsprechenden Virus-Impfstoffes, erhoffen sich die Forscher – neben der direkten Wirkung der Viren gegen die Krebszellen – auch eine Art Impfung des Körpers, welche das körpereigene Immunsystem dazu veranlassen könnte, den Krebs zu bekämpfen. Insgesamt würde die Krebsbehandlung mit Viren eine gute therapeutische Alternative bei Tumoren bieten, welche nicht operativ entfernt werden können oder eine Resistenz gegenüber der Chemo- oder Strahlentherapie entwickelt haben, bewerteten die DKFZ-Experten ihren Forschungsansatz. Darüber hinaus seien Synergien durch die kombinierte Therapie mit Viren und Standardbehandlungen wie der Chemotherapie denkbar. Ob die Virotherapie indes als alleinige Behandlungsmethode ausreichen kann, um Krebs erfolgreich zu bekämpfen, lässt sich nach Einschätzung der Experten bislang kaum beurteilen. (fp)

Bild: Viktor Mildenberger / pixelio.de