Neue Medikamente gegen Hautkrebs vorgestellt

Fabian Peters

US-Forscher präsentieren zwei neue Hautkrebs-Medikamente

15.07.2011

US-Wissenschaftler haben zwei neue erfolgversprechende Behandlungsmethoden gegen Hautkrebs vorgestellt. Auf der Jahrestagung des amerikanischen Verbands für Klinische Onkologie in Chicago haben US-Forscher neueste Studienergebnisse präsentiert, nach denen beachtliche Heilungserfolge bei der Behandlung des schwarzen Hautkrebses (malignes Melanom) durch den kombinierten Einsatz der Wirkstoffe Vemurafenib und Ipilimumab (Vermarktungsname „Yervoy“) erzielt werden konnten. Die genannten Studien wurden jedoch von den herstellenden Pharmakonzernen bezahlt, so dass Zweifel durchaus angebracht scheinen.

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Die vorgestellten Studien untersuchen die Behandlungsmöglichkeiten des malignen Melanoms durch die zwei neu entwickelten Wirkstoffe Vemurafenib und Ipilimumab. Dabei seien deutliche Erfolge durch den Einsatz der neuen Präparate zu verzeichnen gewesen, berichteten die Forscher auf der Jahrestagung des amerikanischen Verbands für Klinische Onkologie. Der besonders aggressive schwarze Hautkrebs habe sich zurückgebildet und die Lebenserwartung der Patienten sei deutlich gestiegen. Weniger als zehn Prozent der Testpersonen hätten bei Verwendung von Vemurafenib unter gravierenden Nebenwirkungen wie Durchfall, Gelenkschmerzen oder Haarausfall gelitten, so die US-Wissenschaftler weiter.

Rückbildung der Tumore und erhöhte Lebenserwartung
Im Rahmen einer der präsentierten Studien wurden freiwillige Patienten, die an einem malignen Melanom im fortgeschrittenen Stadium litten, mit Vemurafenib behandelt, wobei laut Aussage der US-Wissenschaftler relativ schnell positive Effekte wie eine Rückbildung der Tumore festzustellen waren. Die Experten bezogen sich bei ihren Aussagen auf eine aktuelle Studie in New York des Abramson-Krebszentrums, Pennsylvania. Diese galt als Bewährungsprobe für die Wirksamkeit und Gefahrlosigkeit des neuen Wirkstoffs Vemurafenib. 675 freiwillige Patienten mit nicht zu operierenden, fortgeschrittenen Melanomen und einer Genmutation wurden zweimal täglich mit Vemurafenib-Tabletten behandelt. Die Kontrollgruppe unterzog sich im Rahmen der Studie stattdessen alle drei Wochen einer Chemotherapie mit Dacarbazin. Nach sechs Monaten Studienlaufzeit lag die Überlebensrate bei den Vemurafenib-Patienten deutlich höher als bei den Studienteilnehmern, die eine herkömmliche Chemotherapie erhalten hatten, so das Ergebnis der New Yorker Studie. 84 Prozent der mit Vemurafenib behandelten Hautkrebspatienten überlebten, bei den Chemotherapie-Patienten waren es hingegen lediglich 64 Prozent, berichteten die Experten auf der Jahrestagung des amerikanischen Verbands für Klinische Onkologie.

Nebenwirkungen bei neuen Hautkrebs-Medikamenten
Nach Einschätzung der Expertin des Abramson-Krebszentrums in Pennsylvania, Lynn Schuchter, waren die Studienergebnisse aufgrund des nachweislichen Behandlungserfolges besonders erfreulich. Zwar seien „die Medikamente selbst noch kein absolutes Heilmittel. Doch die Kombination mit anderen Therapieformen sowie die fortlaufende Weiterentwicklung der neuen Arzneien werden ganz sicher zu bedeutenden Erfolgen führen“, so die Überzeugung US-Wissenschaftlerin. Die Studienautoren beschrieben zudem die Nebenwirkungen beim Einsatz von Vemurafenib als relativ überschaubar, da weniger als zehn Prozent der Studienteilnehmer nach der Einnahme unter gravierenden Nebenwirkungen wie Haarausfall, Hautausschlag, Gelenkschmerzen, Müdigkeit oder Durchfall litten. Bei rund 20 Prozent der Hautkrebspatienten hätten sich im Rahmen der Studie außerdem weniger gefährliche Melanome entwickelt, berichteten die US-Forscher. Aufgrund der Nebenwirkungen musste die Dosierung des Wirkstoffs bei einem Drittel der Patienten verändert werden, so Studienautoren weiter. Insgesamt scheinen die Nebenwirkungen bei der Einnahme des neuen Wirkstoffs trotz gegensätzlicher Aussagen der US-Forscher daher immer noch nicht endgültig abzusehen, so dass weitere Studien dringend erforderlich sind, bevor die Behandlung von Hautkrebs mit Vemurafenib auf eine größere Anzahl von Patienten ausgeweitet wird.

Neues Hautkrebs-Medikament verbessert die Überlebenschancen
Der zweite neuartige Wirkstoff zur Behandlung von Hautkrebs wurde in einer weiteren US-Studie genauer unter die Lupe genommen. Dabei haben die Forscher einen signifikanten Anstieg der Lebenserwartung durch die Einnahme von Ipilimumab bei Patienten mit Hautkrebs nachgewiesen. Das erst seit kurzem auf dem US-Markt zugelassenen Arzneimittel wird den Hautkrebs-Patienten bereits im Frühstadium verabreicht und kann so langfristig das Risiko eines tödlichen Krankheitsverlaufs erheblich reduzieren, berichteten die Experten auf der der Jahrestagung des amerikanischen Verbands für Klinische Onkologie. Dabei bezogen sich die US-Forscher auf eine aktuelle Studie bei der 502 kürzlich an malignen Melanomen erkrankten Patienten entweder mit einer herkömmlichen Chemotherapie oder mit Chemotherapie plus Ipilimumab behandelt wurden. Die Hälfte der Studienteilnehmer erhielt eine Chemotherapie mit Dacarbazin, die andere Hälfte wurde zusätzlich mit Ipilimumab therapiert. Nach einem Jahr Studiendauer lebten noch 47 Prozent der Ipilimumab-Patienten gegenüber 36 Prozent der Studienteilnehmer mit herkömmlicher Chemotherapie. Nach weiteren drei Jahre lag die Überlebensrate bei den Ipilimumab-Patienten bei 21 Prozent gegenüber 12 Prozent bei den Chemotherapie-Patienten, berichteten die US-Forscher. Somit könne von einer signifikant erhöhten Lebenserwartung durch die Verabreichung von Ipilimumab ausgegangen werden, erläuterten die Experten.

Nebenwirkungen des Wirkstoffs Ipilimumab
Die Nebenwirkungen bei dem neuen Hautkrebs-Medikament Ipilimumab fielen ähnlich aus wie bei dem Wirkstoff Vemurafenib. Die häufigsten Begleiterscheinungen waren Durchfall, Hautausschlag und chronische Müdigkeit. Im Rahmen der Studie klagte fast die Hälfte der Ipilimumab-Patienten über erhebliche Nebenwirkungen, wobei jedoch auch die übrigen Studienteilnehmer im Rahmen der Chemotherapie von solchen oft nicht verschont blieben. Rund ein Viertel der Probanden litt auch hier unter den Nebenwirkungen der Behandlung. Damit Ipilimumab seine volle Wirkung entfalten kann, sind laut Aussage der US-Forscher vier Infusionen über einen Zeitraum von drei Monaten notwendig, wobei sich die Kosten auf rund 30.000 Dollar pro Infusion belaufen, was das vorgesehene Budget der meisten Krankenkasse deutlich überschreiten dürfte. Daher bleibt die Frage, für wen eine derartige Behandlung am Ende überhaupt finanzierbar wäre. Außerdem ist in Bezug auf die vorgelegten Studienergebnisse durchaus Skepsis geboten, da die genannten Studien von den Herstellern der entsprechenden Pharmaprodukte in Auftrag gegeben und finanziert wurden. Darüber hinaus arbeiten mehrere der Forscher auch als Berater für die jeweiligen Pharmahersteller, so das Kritiker nicht ohne Grund die Objektivität der Studien in Frage stellen. (fp)

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Bildnachweis: Alexandra Bucurescu / pixelio.de