Neue Pest-Pandemie immer noch denkbar

Nina Reese

Bestimmte Arten des Pest-Erregers „Yersinia pestis“ weltweit verbreitet

28.01.2014

US-amerikanische Forscher haben für den Erreger der Pest „Yersinia pestis“ einen Stammbaum entwickelt und dabei festgestellt, dass das Bakterium offenbar auf der ganzen Welt verbreitet ist. Dementsprechend sei eine erneute länder- und kontinentübergreifende Ausbreitung den Forschern nach jederzeit möglich – auch wenn spezielle Medikamente gegen die Krankheit das Risiko für eine Pandemie senken würden.

Forscher entwickeln Stammbaum für Bakterium
Forscher der amerikanischen Northern Arizona University in Flagstaff haben einen Stammbaum für das Bakterium „Yersinia pestis“ erstellt, welches die hochgradig ansteckende Infektionskrankheit „Pest“ (lateinisch pestis „Seuche“) auslöst. Demnach seien zwar manche Stämme des Erregers möglicherweise gar nicht mehr existent – andere hingegen mittlerweile aber auf der ganzen Welt verbreitet. Wie die Forscher aktuell im Fachblatt “The Lancet Infectious Diseases” berichten, könne daher prinzipiell jederzeit eine neue Pandemie ausbrechen – allerdings sei das Risiko heute durch die pharmazeutische Entwicklung von Gegenmitteln viel geringer als früher,

„Justinianische Pest“ und „Schwarzer Tod“ fordern Millionen Todesopfer
Bei ihren Untersuchungen hatte das Team um David Wagner drei große Pest-Pandemien ins Zentrum der Betrachtung gestellt: Die so genannte „Justinianische Pest“ (nach dem oströmischen Kaiser Justinian I.), die sich im Verlauf des 6. Jahrhunderts im gesamten spätantiken Mittelmeerraum verbreitete und dabei ca. 30 bis 50 Millionen Opfer forderte. Zum Zweiten konzentrierten sich die Wissenschaftler auf den so genannten „schwarzen Tod“ (1347 bis 1351), der auf ganz Europa verteilt etwa 25 Millionen Menschen das Leben kostete sowie auf die dritte Pestepidemie, welche Ende des 19. Jahrhunderts in China begann und weltweit rund 12 Millionen Menschenleben forderte.

US-Forscher sequenzieren früheste Pesterreger aus Zähnen
In ihrer Arbeit entzifferten die Forscher das Genom des frühesten Pesterregers aus den Zähnen zweier Opfer, die vermutlich um das Jahr 540 gestorben waren, verglichen dieses mit 131 Typen späterer Pest-Erreger und erstellten aus den Ergebnissen einen Stammbaum. In der Folge konnten die Wissenschaftler wichtige Erkenntnisse über den Erreger „Yersinia pestis“ ableiten. Demnach sei der frühe Stamm der um 540 gestorbenen Menschen wahrscheinlich ausgestorben, wohingegen sich die spätere Variante in Asien, Afrika und Europa verteilt habe und mit jenem Erreger-Typ eng verbunden wäre, der die dritte Pandemie im 19. Jahrhundert ausgelöst hatte.

Nagetiere könnten weltweit immer wieder neue Pandemien auslösen
Wie die Forscher weiter schreiben, könne davon ausgegangen werden, dass sich die Infektionskrankheit ursprünglich von Nagetieren auf den Menschen überragen habe und auch heute immer wieder auftreten könne: „Wir schließen daraus, dass die Yersinia pestis-Linien, welche die Pest von Justinian und den Schwarzen Tod 800 Jahre später verursacht haben, unabhängige Emergenzen waren, die von Nagetieren auf den Menschen übergegangen sind. Diese Ergebnisse zeigen, dass Nagetierarten weltweit wichtige Reservoire für das wiederholte Auftreten von diversen Linien der Y pestis in menschlichen Populationen sind“, so die Forscher in ihrem Artikel in „The Lancet“. (nr)

Bild: Bild: Aka / pixelio.de