3000 neue Pflegestellen durch Klinik-Reform

Heilpraxisnet

Pflege in Nordrhein-Westfalen kann durch Krankenhaus-Reform profitieren

16.12.2014

Durch die geplante Krankenhausreform in Bund und Ländern könnte es in Nordrhein-Westfalen möglicherweise zu einem deutlichen Anstieg an Pflegestellen in Kliniken kommen. Dies sagte die NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. Demnach seien ab 2016 rund 3000 zusätzliche Stellen möglich. Ein dringend erforderlicher Schritt, denn das Personal sei derzeit "absolut überfordert", vor allem durch die steigenden Zahlen von Patienten mit Demenz oder Mehrfacherkrankungen.

660 Millionen Euro für ein Pflegestellenförderprogramm
Bereits am 5. Dezember hatte eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe die Eckpunkte der im Koalitionsvertrag vereinbarten Krankenhausreform der Öffentlichkeit vorgestellt. Demnach sei geplant, dass die Kassen bundesweit 660 Millionen Euro für ein Pflegestellenförderprogramm zur Verfügung stellen sollen, durch welches Defizite in der Pflege im Krankenhaus „wenigstens zum Teil abgefedert werden“ könnten, so die Mitteilung der Landesregierung Nordrhein-Westfalen. Dies sei aus Sicht der Gesundheitsministerin Barbara Steffens auch dringend nötig, denn während bei den Krankenhausärzten in NRW seit dem Jahr 2000 mehr als 10 000 neue Stellen hinzugekommen wären, herrsche im Bereich der klinischen Pflege „Stillstand“, so die Kritik der Ministerin. „Da wir immer mehr ältere Patientinnen und Patienten mit Mehrfacherkrankungen und erhöhtem Pflegebedarf haben werden, benötigen die Krankenhäuser dringend mehr Personal“, betont Barbara Steffens weiter.

Nur rund 100 000 Pflegekräfte in 2013
Wie Steffens weiter erläutert, sei die Zahl der Patienten in den Krankenhäusern des Landes in den letzten 18 Jahren um etwa ein Viertel auf 4,4 Millionen angestiegen. Demgegenüber habe es Ende 2013 jedoch in NRW lediglich rund 100 000 Pflegekräfte gegeben – und damit weniger als 300 Kräfte mehr als noch im Jahr 2000. Dabei sei „eine gute Pflege und ausreichend menschliche Zuwendung sind für einen guten Heilungsverlauf unverzichtbar“, erklärt die Expertin weiter. Besonders nach einer Operation käme es dabei auf eine gute Unterstützung an, beispielsweise um Komplikationen oder Stürze zu vermeiden oder die wichtige Mobilisierung des Patienten begleiten zu können.

Insgesamt seien jedoch 215 Millionen Euro zusätzlich für den Umbau der Krankenhauslandschaft in NRW in den nächsten Jahren nötig, so die Ministerin weiter gegenüber der dpa. Dabei sei geplant, dass die Hälfte aus dem Gesundheitsfonds des Bundes kommen solle, die andere Hälfte müsse vom Land co-finanziert werden. Darüber hinaus würden die Eckpunkte der Bund-Länder-Arbeitsgruppe auch vorsehen, dass Krankenhäuser, die sich selbst nicht tragen könnten, zukünftig unkomplizierter als bislang einen so genanntem „Sicherungszuschlag“ erhalten könnten. Voraussetzung hierfür sei jedoch, dass auf die Klinik hinsichtlich der Grundversorgung der Bevölkerung nicht verzichtet werden könne. „Überlebenswichtig“ sei in Zukunft vor allem die Zusammenarbeit der Krankenhäuser, unabhängig davon, ob sich diese in der Stadt oder auf dem Land befinden. Es müsse „dazu kommen, dass Häuser sich auf ihre Stärken konzentrieren und nicht jeder meint, alles anbieten zu müssen“, fordert die Ministerin.

Schlechte Kliniken können zukünftig sanktioniert werden
Hintergrund der Forderung ist die geplante Qualitätsverbesserung, die im Zuge der Reform über bundeseinheitliche Qualitätskriterien erreicht werden soll. Demnach können Kliniken mit außerordentlichen Leistungen zukünftig Zuschläge von den Kassen erwarten, während qualitativ schlechte Krankenhäuser ermahnt bzw. bei ausbleibenden Nachbesserungen durch Abschläge sanktioniert werden sollen. „Künftig wird bundesweit die Qualität bei der Planung und Finanzierung der Versorgung eine wesentliche Rolle spielen. Was wir in Nordrhein-Westfalen mit unserer Krankenhausplanung erstmals durchgesetzt haben, wird damit bundesweit zum Maßstab. Dies ist nicht nur ein großer Gewinn für die Patientinnen und Patienten, sondern stärkt alle Akteurinnen und Akteure im Gesundheitssystem, für die der Qualitätsaspekt schon lange im Vordergrund steht“, so Steffens weiter. (nr)

Bild: Dieter Schütz / pixelio.de