Neue Studie: Einfrieren von Eierstockgewebe ist sicher

Sebastian
Kinderwunsch nach Krebserkrankung: Eierstockgewebe einfrieren ist sicher
Droht infolge einer Krebsbehandlung Unfruchtbarkeit, können Frauen vorbeugen, indem sie Eierstockgewebe einfrieren lassen, um sich später damit doch noch den Kinderwunsch zu erfüllen. Zwar ist diese Methode noch ziemlich, doch eine neue Studie gibt nun Anlass zur Hoffnung. 

Samenzellen und Eierstockgewebe einfrieren lassen
Dank verbesserten Behandlungsmethoden und früheren Diagnosen sind die Erfolgschancen einer Krebsbehandlung in den vergangenen Jahrzehnten erheblich gestiegen. Die Therapie von Krebs geht jedoch häufig mit Unfruchtbarkeit einher. Wünschen sich Menschen aber dennoch Kinder, kann vorgebeugt werden. So können Frauen vor einer Behandlung Eierstockgewebe und Männer Samenzellen einfrieren lassen. Die Methode ist zwar noch relativ neu, doch in den vergangenen Jahren wurde bereits in mehreren Fällen Eierstockgewebe erfolgreich retransplantiert. Neuere Untersuchungen geben nun Anlass zu mehr Hoffnung.

Bild: lom123 – fotolia

Neue Methode führte zu zahlreichen Geburten
So berichten Forscher der Universitätsklinik Kopenhagen nun im Fachblatt „Human Reproduction“, dass die Entnahme von Eierstockgewebe vor der Therapie und eine anschließende Rückübertragung in einer Studie bei jeder dritten Frau zu mindestens einem Kind geführt habe. Außerdem sei die Krebs-Rückfallquote dabei nicht erhöht worden. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, hatte das Team um Annette Jensen die Daten von 41 dänischen Frauen ausgewertet, die entnommenes Eierstock-Gewebe im Alter von durchschnittlich 33 Jahren wieder eingesetzt bekamen.

Es zeigte sich, dass die ursprüngliche Krebserkrankung bei diesen Patientinnen aufgrund der Behandlung nicht – wie von einigen Experten befürchtet – zurückkehrte. 32 der Frauen wollten schwanger werden, zehn von ihnen bekamen mindestens ein Kind. Insgesamt wurden 14 Babys geboren und zwar auf natürlichem Wege oder nach einer Kinderwunschbehandlung.

Überlebenschancen bei Krebs deutlich gestiegen
Die Wissenschaftler schreiben in ihrem Artikel, dass die Chancen, eine Krebserkrankung in jungen Jahren zu überleben, in den vergangenen Jahrzehnten erheblich gestiegen seien. Da eine Krebsbehandlung aber unfruchtbar machen kann, werde der Erhalt der Fruchtbarkeit zunehmend zum Bestandteil moderner Krebstherapien. Bislang werden häufig Eizellen eingefroren, deren Gewinnung allerdings zehn bis zwölf Tage Vorbehandlung benötigt.

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Die neue Methode, bei der Ärzte, vor der Chemo- oder Strahlenbehandlung einen Eierstock oder Teile davon entnehmen, einfrieren und das Gewebe später wieder in den Körper einpflanzen, wird erst seit einigen Jahren angewandt. Den dänischen Forschern zufolge wurden nach so einer Behandlung weltweit mehr als 36 Kinder geboren, auch in Deutschland. So wurde etwa 2012 berichtet, dass in Nürnberg ein Kind durch transplantiertes Eierstockgewebe geboren wurde.

Wenig Wissen über Erfolgsaussichten
Zu den Erfolgsaussichten gibt es bisher jedoch noch wenig Erkenntnisse. Nach Angaben der Forscher war das transplantierte Gewebe bei einigen Frauen schon seit rund zehn Jahren aktiv, bei anderen war es nach einigen Monaten nicht mehr funktionsfähig. Die Gründe für diese Unterschiede sind bisher nicht bekannt. Bei drei der 41 Frauen, die ein Gewebe-Transplantat erhielten, kam der Krebs nach der Transplantation zurück. Wie die Wissenschaftler schreiben, deute jedoch nichts darauf hin, dass es zwischen der Behandlung und dem Rückfall einen Zusammenhang gibt.

Deutscher Experte ist kritisch
Christian Thaler vom Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin (DGRM), sagte vor kurzem, dass der Erhalt der Fruchtbarkeit bei Krebstherapien von großer Bedeutung sei, da inzwischen viele junge Frauen geheilt würden. Die klassische Methode sei jedoch nicht die Kryokonservierung von Eierstockgewebe, sondern die von unbefruchteten Eizellen.

Das Einfrieren von Eizellen ist bereits lange etabliert und entsprechend sicher und „sollte immer die erste Wahl sein.“ Thaler, der das Hormon- und Kinderwunschzentrum am Klinikum der Ludwig Maximilian Universität München leitet, äußerte sich kritisch: „Die Transplantation von Eierstockgewebe ist hingegen immer noch experimentell, und bisher sind erst einige wenige Kinder daraus hervorgegangen. Ich habe die Sorge, dass dieses Verfahren angesichts erfolgreicher Einzelfälle überbewertet wird.“ Die dänischen Forscher hingegen meinen, dass „das Einfrieren von Eierstockgewebe als Methode des Erhalts der Fruchtbarkeit“ an Bedeutung gewinnt. (ad)