Neue Studie: Gene spielen keine Rolle bei der Entstehung von Karies

Alexander Stindt
Wie wirken sich vererbte Gene auf die Zahngesundheit aus?
Es gibt viele Erkrankungen und gesundheitliche Auswirkungen, welche durch unsere Gene beeinflusst werden. Zu diesen gehört beispielsweise eine Kurzsichtigkeit bei Kindern, welche bereits bei deren Mutter vorlag. Aber wirken sich unsere Gene auch auf unsere Zähne aus? Forscher untersuchten jetzt einen möglichen Zusammenhang und kamen dabei zu dem Ergebnis, dass erblich bedingte Bakterien im Mund nicht Schuld an schlechten Zähnen und häufiger auftretendem Karies sind.

Die Wissenschaftler des J. Craig Venter Instituts stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass unsere Gene nicht mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für schlechte Zähne oder Karies verbunden sind. Wenn Sie also immer der Meinung waren, dass Sie Ihre schlechte Zahngesundheit vererbt bekommen haben, liegen Sie damit falsch. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Cell Host & Microbe“.

Richtiges Zähneputzen kann vor Karies schützen und die Gesundheit unserer Zähne aufrechterhalten. Mediziner untersuchten jetzt, ob sich vererbte Gene auf die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Karies auswirken. (Bild: Monkey Business-fotolia.com)

Experten: Gene können nicht für Zahnprobleme verantwortlich gemacht werden
Sicherlich können Sie Kurzsichtigkeit oder bestimmte Merkmale des Aussehens von Ihren Eltern oder Großeltern übernehmen. Bei der Gesundheit unserer Zähne scheinen die Gene jedoch keinen großen Einfluss zu haben. Menschen suchen sich gerne einen Schuldigen, welcher für ihre Fehler verantwortlich ist. Bisher wurde oft behauptet, dass schlechte Zähne und die Veranlagung für Karies teilweise von unseren Vorfahren vererbt werden. Das überraschende Ergebnis einer Untersuchung zu diesem Thema zeigt allerdings, dass unsere Gene nicht für Zahnprobleme verantwortlich gemacht werden können.

Forscher untersuchen 485 Zwillingspaare von Probanden
Für ihre Studie untersuchten die Experten des J. Craig Venter Instituts insgesamt 485 Zwillingspärchen. 205 davon waren eineiige Zwillinge und die restlichen 280 Zwillingspaare bestanden aus zweieiigen Zwillingen. Alle Teilnehmer wurden im Alter von fünf bis elf Jahren untersucht. So konnten die Forscher eine eventuelle genetische Veranlagung der Mundbakterien bei Probanden mit gleichen Lebensumständen vergleichen.

Durch kariogene Bakterien kann Karies entstehen
Die menschlichen Zähne sind von einem Biofilm mit der Bezeichnung Plaque umgeben, welcher sie vor möglichen auftretenden Schäden schützen soll. Wenn Plaque sich allerdings verändert, kann durch sogenannte kariogene Bakterien Karies entstehen. Wissenschaftler untersuchten jetzt, ob es vererbbare Bakterien gibt, welche zu den Schäden an unseren Zähnen führen oder zumindest dazu beitragen. Eine andere Möglichkeit wäre, dass diese zahnschädigenden Bakterien sich durch unsere eigene Schuld vermehren und so zu den besagten Schäden führen.

Viele Bakterien im Mund werden vererbt, führen aber nicht zu Karies
Bei ihrer Untersuchung konnten die Forscher herausfinden, dass tatsächlich eine Vielzahl von Bakterien in unserem Mund vererbt werden. Trotzdem gibt es einen Haken bei der Schuldfindung, denn diese Bakterien führen nicht zu Karies, erläutern die Experten. Die Schäden an den Zähnen entstehen eher durch Bakterien, welche besonders bei Kindern festgestellt wurden, die viel Zucker zu sich nahmen. Es gab bereits vorher Studien, welche zu dem Schluss kamen, dass gerade Milchzähne bei kleinen Kindern äußerst gründlich geputzt werden müssen. Mit anderen Worten: Eine an zuckerreiche Ernährung nährt Bakterien in unserem Mund, welche dann den Zähnen schaden und zu Karies führen können. Die Wissenschaftler konnten allerdings bei ihrer Studie nicht herausfinden, welche Aufgabe die vererbten Bakterien in unserem Mund erfüllen. Weitere Untersuchungen zu diesem Thema sollen jetzt zu mehr Informationen führen.

Putzen Sie sich richtig und gründlich die Zähne
Wenn wir Zahnprobleme entwickeln, Karies entsteht und die Zähne anfangen zu verfaulen, sind nicht unsere Gene die Ursache, sondern die Essgewohnheiten der betroffenen Person. Aber welche Möglichkeiten haben wir, um eine gute Zahngesundheit aufrechtzuerhalten? Zunächst gilt es, besonders auf eine gute Mundhygiene zu achten, raten die Experten. Dies gestaltet sich recht einfach: Putzen Sie ausreichend Ihre Zähne. Wichtig ist dabei aber, dass Sie auch die richtige Technik beim Putzen anwenden.

Wie putze ich meine Zähne richtig?
Zähne sollten jeden Tag mindestens zweimal ordentlich geputzt werden. Die dafür angesetzte Zeit sollte nicht unter zwei bis drei Minuten liegen. Wichtig ist, dass überall gründlich geputzt wird. Viele Mediziner raten dabei zu der Verwendung einer sogenannten elektronischen Zahnbürste. Bei der Zahnpasta sollte darauf geachtet werden, dass diese viel Fluorid enthält. Der Fluorid-Gehalt sollte bei Erwachsenen zwischen 1400 bis 1500 ppm (parts per million) liegen.

Können Zahnpflegekaugummis das Zähneputzen ersetzen?
Es gibt etliche Menschen, welche der Meinung sind, dass spezielle Kaugummis zur Zahnpflege das Zähneputzen ersetzen können. Diese Annahme entspricht allerdings nicht der Realität. Zahnpflegekaugummis sind keineswegs ein guter Ersatz für eine gründliche Reinigung mit Zahnbürste und Zahnpasta. Die Verwendung solcher Kaugummis regt zwar den Speichelfluss an, was den Karies-Bakterien entgegen wirkt. Aber das Herumkauen auf diesen speziellen Kaugummis führt leider nicht dazu, dass schädliche Speisereste aus den Zwischenräumen der Zähne entfernt werden.

Zahngesundheit ist keine Frage der Gene
Die Zahngesundheit ist also nicht von unseren Genen abhängig. Damit sind Ausreden, dass wir unsere schlechten Zähne von unseren Vorfahren geerbt haben, nicht mehr als Argument für Karies zu gebrauchen. Jeder ist vielmehr selber für die Gesundheit seiner Zähne verantwortlich. Karies ist häufig eine Folge ungesunder und zuckerhaltiger Ernährung. (as)