Neue Studie: Der Grund warum Männer lieber Sex als Lebensmittel mögen

Fabian Peters

Würmerstudie beweist: Frauen und Männer besitzen verschiedene Nervenzellen
Eine aktuelle Studie hat ergeben, dass männliche Fadenwürmer spezielle Neuronen in ihrem Gehirn haben. Diese erinnern den Wurm nicht nur an Sex, sondern bringen ihn auch dazu, nach neuen Möglichkeiten für Sex zu suchen. Hierbei wird sogar Essen vernachlässigt. Die Wissenschaftler vom „University College London“ vermuten ähnliche Mechanismen in Männern.

Es gilt zu beachten, dass Frauen nicht die gleichen Nervenzellen (Neuronen) besitzen wie Männer. Bei Frauen kommt der Sex erst an zweiter Stelle. Sie bevorzugen Nahrung. Seit Jahrzehnten diskutieren Forscher und Feministinnen darüber ob männliche und weibliche Gehirne unterschiedlich verdrahtet sind. Nun scheint es bewiesen zu sein.

Männer speichern sexuelle Erfahrungen besonders ab und bevorzugen Sex der Nahrung. (Bild: schepers_photography/fotolia.com)
Männer speichern sexuelle Erfahrungen besonders ab und bevorzugen Sex der Nahrung. (Bild: schepers_photography/fotolia.com)

Studie an Würmern bringt neue Ergebnisse zum Thema Sexualverhalten
Die Studie wurde vom „University College London“ (UCL) in Zusammenarbeit mit dem „Albert Einstein College of Medicine“ durchgeführt. Es wurden Unterschiede in der Hirnentwicklung aber auch in der Hirnstruktur entdeckt. Die Forschung wurde an kleinen Würmern (Caenorhabditis elegans) vorgenommen. Diese Art hat zwei Geschlechter: Männchen und Hermaphroditen (Zwitter). Letztere tragen ihr eigenes Sperma in sich und sind somit nicht auf Sex angewiesen. Obwohl die Arbeit an Würmern ausgeführt wurde, könnten die Forscher vielleicht Schlüsse auf die Vielfalt der menschlichen Sexualität, sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität ziehen, erklärte Co-Autor Professor Scott Emmons. Auch wenn die Forschungen nicht an Menschen vorgenommen wurden, sei es plausibel, dass das männliche Gehirn Arten von Neuronen habe, die das weibliche Gehirn nicht aufweist, und umgekehrt.

Geschlechtsreife führt zu Veränderungen im Gehirn von männlichen Würmern
Die Studie zeigte, dass Genetische- und Entwicklungsunterschiede zwischen den beiden Geschlechtern zu strukturellen Veränderungen im Gehirn von männlichen Würmern während der Geschlechtsreife führen. Diese Veränderungen lassen männliche Gehirne anders funktionieren. Männer erinnern sich an frühere sexuellen Begegnungen und bevorzugen Sex in zukünftigen Situationen gegenüber Nahrung.

Versuche zeigen: MCM Nervenzellen schuld an Verhaltensänderung
Das Team war überrascht, bisher nicht identifizierte Zellen in den Würmern zu finden. Die Würmer wurden in der Vergangenheit ausgiebig untersucht. Trotzdem wurden jetzt zum ersten Mal die neuen Zellen entdeckt. Diese neuen Nervenzellen wurden „MCMs“ genannt. Um die Wirkung der Zellen auf das Verhalten der Würmer zu verstehen, haben die Forscher bei den Versuchstieren Abneigungen oder angenehme Erlebnisse (wie Hunger oder andere Würmer) mit einem anderen Reiz (Salz) verbunden. So lernten beispielsweise Würmer, die in salzreicher Umgebung ausgehungert wurden, Gebiete mit hoher Konzentration von Salz zu verlassen. Dies zeigte, dass Männchen und Hermaphroditen hohe Salzkonzentrationen als Zeichen für die Abwesenheit von Lebensmitteln wahrnahmen. Im nächsten Schritt wurden Männchen in salzreicher Umgebung bei Anwesenheit von Sexualpartnern ausgehungert. Wenn sie nun in eine neue Umgebung mit verschiedenen Salzkonzentrationen gesetzt wurden, suchten männliche Würmer gezielt Bereiche mit hoher Salzkonzentration auf.

Somit war klar zu erkennen, dass die Assoziation von Salz mit Sex stärker war als die von Salz mit Mangel an Nahrung. Diese Verhaltensänderung trat allerdings nicht bei Hermaphroditen auf. Bei männlichen Tieren, deren MCM-Neuronen chirurgisch entfernt wurden, war diese Änderung des Verhaltens ebenfalls nicht festzustellen. Daran ist nach Auffassung der Forscher zu erkennen, dass diese Neuronen für geschlechtsspezifische Unterschiede im Lernverhalten verantwortlich sind. Die Studie wurde, von den Forschern des „UCL“ und dem „Albert Einstein College of Medicine“ im Fachblatt „Nature“ veröffentlicht.(as)