Neue Studie: Ketamin hilft nachweislich bei Therapien von schweren Depressionen

Alexander Stindt
Experten untersuchen die Auswirkungen von Ketamin auf Depressionen
Depressionen sind in der heutigen Zeit in unserer Gesellschaft weitverbreitet. Mediziner suchen nach Mitteln und Wegen, um Menschen besser vor Depressionen zu schützen oder diese effektiver zu behandeln. Forscher fanden jetzt heraus, dass das Medikament Ketamin zur Behandlung von schweren Depressionen eingesetzt werden kann.

Die Wissenschaftler der international anerkannten Oxford University stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass Ketamin wirksam bei der Behandlung von schweren Depressionen ist. Das Medikament hilft auch dann, wenn keine anderen Medikamente mehr zu einer Verbesserung führen. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „The Lancet Psychiatry“.

Depressionen sind weitverbreitet und erschweren das Leben der Betroffenen erheblich. Mediziner untersuchten jetzt, ob Ketamin sich zur Behandlung von schweren Depressionen eignet. Die festgestellten Ergebnisse machen einen durchaus positiven Eindruck. (Bild: WavebreakMediaMicro/fotolia.com)

Was ist Ketamin?
Ketamin ist lizenziert zur Verwendung in der Anästhesie. Der Arzneistoff wird häufig in der Tier- und Humanmedizin verwendet. Das Medikament wird aber auch oft als illegale Partie-Droge genutzt. Aktuelle Forschung ergab jetzt, dass Ketamin ebenfals zur Behandlung von schwersten Depressionen angewendet werden kann.

Keatmin führt zu rascher Verbesserung der Symptome
Für ihre Untersuchung analysierten die Experten die Daten von mehr als 100 Probanden. Diese hatten im Laufe von sechs Jahren insgesamt etwa 1.000 Infusionen von Ketamin erhalten, sagen die Forscher. Die Mediziner konnten dabei feststellen, dass das Medikament zu einer raschen Verbesserung der Symptome führte, wenn bereits alle anderen Mittel und Wege wirkungslos waren. Die erzielten Vorteile hielten dabei über einen Zeitraum von bis zu 14 Tagen an, fügen die Wissenschaftler hinzu.

Nutzen kann nur durch wiederholte Einnahme aufrecht erhalten werden
Aber Ketamin ist auch nur ein ganz normales Medikament und die Aufrechterhaltung des Nutzens sei eine Herausforderung, betonen die Experten. Bisher beibe die einzige Möglichkeit den Nutzen von Ketamin aufrechtzuerhalten, die Dosierungen ständig zu wiederholen.

Behandlung mit Ketamin sollte nur in Fachzentren erfolgen
Die Behandlung der Patienten sollte ausschließlich in Fachzentren erfolgen und in nationalen oder internationalen Registern formell verfolgt werden, sagen die Experten. So würden Sicherheits- oder Missbrauchsprobleme durch einem längerfristigem Gebrauch vermieden. Außerdem können die Mediziner auf diese Weise feststellen, welche Dosis, Häufigkeit und Dauer der Behandlung am besten funktioniert.

Ergebnisse sollten genau untersucht werden
Derzeit können Ärzte das Medikament auch an Patienten verschreiben, um es für andere Zwecke einzusetzen, als es eigentlich gedacht ist, erläutern die Wissenschaftler. Die Daten aus diesen Verschreibungen und die dabei erzielten Ergebnisse sollten genauer untersucht werden, um Risiken durch die Verwendung besser einzuschätzen und zu verringern, mahnen die Experten. So seien auch eventuelle negative Auswirkungen der Behandlung von schweren Depressionen mit Ketamin nachweisbar.

Keine Nebenwirkungen wie bei Antidepressiva
Wir hoffen, dass die hier erzielten Ergebnisse den innovativen Einsatz von Ketamin bei Depressionen, welche gegen die normale Behandlung resistent sind, ermöglichen, sagen die Mediziner. Das Ketamin habe nicht die unangenehmen Wirkungen anderer Antidepressiva wie beispielsweise Lithium-Tremor, Müdigkeit oder Übelkeit, sagen die Forscher.

Weitere Forschung ist nötig
Trotz klinischer Studien, welche eine rasche Verbesserung der Stimmung nach Ketamin-Infusionen zeigten, gibt es immer noch erhebliche Lücken in unserem Wissen über die richtige Dosierung, die Wirksamkeit und die Sicherheit der Langzeitnutzung, erläutern die Experten. Bevor Ketamin für den Einsatz in der klinischen Praxis empfohlen werden kann, sei weitere umfangreiche Forschung erforderlich. „Nur so können wir verstehen, wie wir Ketamin zur Behandlung von Depressionen einsetzen müssen“, fügen die Mediziner hinzu.(as)

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