Neue Studie: Muttermilch-Milchproteine wirken gegen Krebstumore und Infektionen

Alfred Domke

Bisher unbekannte Protein-Funktion entdeckt: Mit Muttermilchbestandteil gegen Krebs

Muttermilch ist mehr als nur Nahrung: Vor einigen Jahren stellten britische Forscher fest, dass das Protein Lactoferrin aus der Muttermilch gegen antibiotikaresistente Keime helfen kann. Und nun haben österreichische Wissenschaftler eine weitere bisher unbekannte Funktion dieses Proteins entdeckt.


Muttermilch ist die beste Nahrung für Babys

Stillen gilt als die beste Ernährung für einen Säugling, denn in der Muttermilch befinden sich in optimaler Zusammensetzung alle Nährstoffe, die das Kind in den ersten Lebensmonaten braucht. Laut Studie kann Stillen auch vor Allergien schützen, sich positiv auf die Entwicklung des kindlichen Immunsystems auswirken und das Risiko für Erkrankungen wie Diabetes-Typ-2 mindern. In der Muttermilch befindet sich auch ein Bestandteil, der zur Behandlung schwerster Erkrankungen helfen könnte, wie Wissenschaftler aus Österreich nun herausgefunden haben.

Forscher haben entdeckt, dass ein bestimmtes Protein, das vor allem in der Muttermilch enthalten ist, bei der Behandlung von bakteriellen Infektionen und Krebs helfen könnte. (Bild: juan_aunion/fotolia.com)

Mit natürlichem Milchprotein gegen Krebs und Infektionen

Österreichische Forscher haben eine bisher unbekannte Funktion des Proteins Lactoferrin entdeckt, das hauptsächlich in der Muttermilch enthalten ist.

Wie die Wissenschaftler des Instituts für Hygiene und Angewandte Immunologie des Zentrums für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie der MedUni Wien unter der Leitung von Hannes Stockinger feststellten, hemmt Lactoferrin bestimmte Prozesse bei der Auflösung von Blutgerinnseln und bei der Zell-Wanderung (Migration).

„Diese Entdeckung könnte für die Entwicklung neuer Therapeutika bei Krebs, aber auch bei der Behandlung bestimmter bakterieller Infektionen nützlich sein“, so Stockinger laut einer Mitteilung.

Die Studienergebnisse wurden kürzlich im Fachmagazin „Journal of Biological Chemistry“ veröffentlicht.

Eines der wichtigsten Enzyme im menschlichen Körper

Der Hintergrund: Das Enzym Plasminogen ist eines der wichtigsten Enzyme im menschlichen Körper, das maßgeblich am Abbau von Eiweißen beteiligt ist.

Es ist entscheidend für die Auflösung von Blutgerinnseln, aber auch an einer Vielzahl anderer physiologischer Prozesse beteiligt, etwa an der Entwicklung von Geweben und Organen, an der Immunreaktion oder an der Wundheilung.

Um seine Rolle zu erfüllen, muss die inaktive Form des Plasminogenmoleküls in die aktive Form „Plasmin“ gebracht werden. Ist dieser Prozess gestört, kann es zu vielen krankhaften Prozessen im Körper führen, so Studienleiter Vladimir Leksa von der MedUni Wien.

„Bösartige Tumorzellen oder einige virulente Bakterienarten, zum Beispiel Borrelien, binden und aktivieren menschliches Plasminogen, um Gewebebarrieren zu durchdringen. Dementsprechend ist das Plasminogensystem ein günstiges Ziel für diagnostische und therapeutische Strategien bei Krebs und Entzündungskrankheiten.”

Eindringen von Bakterien verhindern

Die neue Studie, die in Zusammenarbeit mit der Slowakischen Akademie der Wissenschaften in Bratislava veröffentlicht wurde, zeigt nun deutlich, dass das menschliche Milchprotein Lactoferrin die Plasminogenaktivierung durch direkte Bindung an menschliches Plasminogen blockiert.

Dadurch kann sowohl eine Tumorzellinvasion blockiert, als auch ein Eindringen von Bakterien wie Borrelien verhindern werden. Die Hauptquelle für menschliches Lactoferrin ist die menschliche (Mutter-)Milch, es ist aber auch im Serum, in Tränen, Speichel oder Urin enthalten.

„Unsere Ergebnisse tragen nicht nur zum Verständnis vieler antimikrobieller, antitumoraler und immunmodulatorischer Aktivitäten bei, die Lactoferrin zugeschrieben werden, sondern legen auch nahe, dass Lactoferrin als natürliches Werkzeug für therapeutische
Interventionen nützlich sein kann, um sowohl invasive bösartige Zellen als auch virulente Bakterien am Eindringen in Wirte zu hindern“, fasst Stockinger zusammen. (ad)