Neue Studie: Vervierfachung der Todesfälle durch Demenz in den nächsten Jahrzehnten

Alexander Stindt
Experten erwarten eine massive Zunahme von Todesfällen durch Demenz
Demenz ist eine weitverbreitete Erkrankung in der heutigen Gesellschaft. Forscher fanden jetzt heraus, dass sich in den nächsten zwanzig Jahren die Zahl der an Demenz sterbenden Menschen beinahe vervierfachen könnte.

Forscher des anerkannten King’s College London stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass sich die Zahl der an Demenz sterbenden Menschen in Zukunft massiv erhöhen wird. In den nächsten zwanzig Jahren könnte sich die Zahl der an Demenz sterbenden Menschen fast vervierfachen. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der medizinischen Fachzeitschrift „British Medical Journal“ (BMJ).

Demenz betrifft viele Menschen auf der ganzen Welt. Mediziner fanden jetzt heraus, dass sich die Zahl der Toten infolge einer Demenzerkrankung bis zum Jahr 2040 vervierfachen könnte. (Bild:Ocskay Mark/fotolia.com)

Die palliative Pflege für Menschen mit Demenz muss verstärkt werden
Die Experten analysierten für ihre Studie die Statistiken über Mortalität für England und Wales vom Jahr 2006 bis zum Jahr 2014. Durch die Verwendung von expliziten Annahmen über die Veränderung der Krankheitsvorsorge im Laufe der Zeit und der offiziellen Vorhersagen über die Mortalität, gelang es den Wissenschaftlern einzuschätzen, welche Notwendigkeit für palliative Pflege in Zukunft bestehen wird.

Im Jahr 2040 könnten alleine in England und Wales fast 630.000 Menschen an Demenz versterben
Bis zum Jahr 2040 werden die jährlichen Todesfälle im Zusammenhang mit Demenz in England und Wales dramatisch ansteigen. Dies könnte dazu führen, dass statt 501.424 Toten wie im Jahr 2014 im Jahr 2040 etwa 628.659 Menschen an den Folgen von Demenz versterben könnten, erklären die Autoren.

Palliative Pflegebedürfnisse könnten in Zukunft um ungefähr 25 Prozent pro Jahr ansteigen
Wenn das Alter und die geschlechtsspezifischen Prozentsätze mit palliativem Pflegebedürfnissen die gleichen wie im Jahr 2014 bleiben, könnte die Zahl der Personen mit palliativen Pflegebedürfnissen in Zukunft um ungefähr 25 Prozent pro Jahr ansteigen, sagen die Forscher.

Krebs und Demenz sind Hauptgründe für wachsenden Bedarf an Palliativ-Pflege
Wenn der zwischen dem Jahr 2006 und dem Jahr 2014 festgestellte Aufwärtstrend anhält, könnte dies bis zum Jahr 2040 zu einem Anstieg um 47 Prozent bei Menschen in England und Wales mit benötigter Palliativ-Pflege führen, sagen die Autoren. Dabei werden Demenz (Erhöhung von 59.199 auf 219.409 Todesfälle) und Krebs (Anstieg von 143.638 auf 208.636 Todesfälle) bis zum Jahr 2040 die Hauptgründe für den wachsenden Bedarf sein.

Benötigtes Wachstum bei der Palliativ-Pflege wird in nächsten 25 Jahren massiv ansteigen
„Unsere Analyse zeigte außerdem, dass die Palliativ-Pflege in den nächsten 25 Jahren weit mehr wachsen wird als bisher erwartet“, erläutern die Experten. Der Anstieg der Todesfälle von chronischen Erkrankungen, welche wahrscheinlich eine Behandlung durch Palliativmedizin erfordern, führe bei der wachsenden demografischen Veränderungen zu einem stark erhöhten Bedarf.

Viele andere Länder werden ähnliche Probleme entwickeln
Viele Länder mit einem hohem Einkommen werden ähnliche Populations- und Krankheitsveränderungen durchmachen. Daher können diese Länder durchaus eine vergleichbare Erhöhungen des Bedarfs an Palliativ-Pflege erwarten, erläutern die Autoren.

Mediziner müssen auf das Wachstum von Demenz und Krebs vorbereitet sein
Die derzeitigen Modelle der Palliativ-Pflege müssen sich dringend an diese zukünftigen Veränderungen anpassen. Insbesondere müssen wir uns auf das Wachstum von Demenz und Krebs vorbereiten, sagen die Forscher. Nur so können wir erreichen, dass in Zukunft versterbende Menschen mit angemessener Sorgfalt gepflegt werden, erklären die Mediziner.

Sehr wenige Menschen mit Demenz bekommen Palliativ-Pflege
Demenz ist der größte Mörder des 21. Jahrhunderts, sagen die Forscher. Die Erkrankung sei die führende nicht heilbare Todesursache, welche bislang weder verhindert noch gestoppt werden kann. Derzeit gebe es aber nur wenig Palliativ-Pflege für Menschen mit Demenz. Lediglich etwa acht Prozent der Menschen mit Demenz versterben zu Hause, weniger als ein Prozent der an Demenz erkrankten Personen stirbt in einem Hospiz, sagen die Mediziner.

Ergebnisse sollten ein Weckruf für die Gesellschaft sein
Die prognostizierte Vervierfachung der Demenz Todesfälle sollte ein Weckruf dafür sein, dass unsere Gesellschaft mehr Dienstleistungen für eine Demenz-angemessene palliative Pflege zur Verfügung stellt, so das Fazit der Experten. (as)