Neue Studie: Wohnen an großen Straßen erhöht das Demenz-Risiko

Nina Reese
Forscher entdecken Zusammenhang zwischen Straßenverkehr und Demenz
Straßenlärm kann der Gesundheit schaden – das zeigen Studien immer wieder. Schlechte Luft und viel Lärm treiben z.B. den Blutdruck in die Höhe und können depressive Verstimmungen auslösen. Kanadische Forscher haben nun erkannt, dass das Leben in der Nähe einer vielbefahrenen Straße möglicherweise auch das Risiko für eine Demenz erhöhen könnte. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „The Lancet“.

Lärm und Verschmutzungen stellen Gesundheitsgefahr dar
Haben Menschen, die an einer vielbefahrenen Straße leben, ein höheres Risiko für neurodegenerative Erkrankungen? Mit dieser Frage haben sich nun Forscher um Hong Chen von der Gesundheitsbehörde der kanadischen Provinz Ontario beschäftigt. In einer groß angelegten Studie untersuchte das Team, ob es ein Zusammenhang zwischen der Belastung durch andauerndem Straßenlärm und Luftverschmutzung und der Entstehung von Demenz, Parkinson und Multipler Sklerose besteht.

Wer direkt an einer sehr belebten Straße wohnt, könnte möglicherweise ein leicht erhöhtes Risiko für eine Demenz-Erkrankung haben. (Bild: Ralf Gosch/fotolia.com)

Forscher prüfen Einfluss des Wohnorts auf Erkrankungsrisiko
Wie die Gesundheitsbehörde in einer Pressemitteilung berichtet, hatten die Forscher für das Projekt über mehr als ein Jahrzehnt (2001 und 2012) etwa 6,6 Millionen Erwachsene im Alter zwischen 20 und 85 beobachtet, die in der kanadischen Provinz Ontario leben. Der Einbezug der Postleitzahlen zeigte, dass fast alle Teilnehmer (95%) der Studie weniger als einen Kilometer entfernt von einer großen Straße lebten, die Hälfte davon in einem Radius von 200 Metern.

Mehr als 243.000 Menschen entwickeln eine Demenz
Die Wissenschaftler analysierten zudem medizinische Aufzeichnungen, um zu prüfen, wie viele Personen in der Zeit eine neurodegenerative Erkrankung entwickelten. Es zeigte sich, dass im Laufe der Studie bei mehr als 243.000 Menschen eine Demenz festgestellt worden war. 31.500 Personen waren in der Zeit an Parkinson sowie 9250 Menschen an Multiple Sklerose erkrankt.

Mehr zum Thema:

Um bewerten zu können, inwieweit die Nähe des Wohnorts zur Straße einen Einfluss auf das Erkrankungsrisiko hatte, teilten die Wissenschaftler die Probanden in verschiedene Gruppen ein – je nach dem, wie weit diese von einer vielbefahrenen Straße entfernt wohnten. Ebenso berücksichtigten die Experten bei ihrer Analyse weitere Risikofaktoren wie z.B. den Bildungsgrad und den Body-Mass-Index (BMI).

Siebenfach erhöhtes Risiko bei direkter Nähe zur Straße
Es zeigte sich, dass die Entwicklung von Parkinson und Multipler Sklerose offenbar nicht im Zusammenhang mit der Nähe des Wohnortes zur Straße stand. Anders sah dies jedoch bei den Demenzerkrankungen aus: Hier erkannten die Forscher, dass Personen, die weniger als 50 Meter von einer stark frequentierten Straße entfernt lebten, ein etwa sieben Prozent höheres Risiko für die Krankheit hatten als diejenigen, die weiter weg wohnten.

Ein Abstand von 50 bis 100 Metern zwischen Wohnung und Straße bedeutete dem Bericht nach ein um 4 Prozent erhöhtes Risiko, zwischen 101 und 200 Metern war die Gefahr für eine Demenz immerhin noch um 2 Prozent größer. Wer weiter als 200 Meter entfernt lebte, hatte den Ergebnissen zufolge kein erhöhtes Risiko, so die Gesundheitsbehörde weiter.

Weitere Forschungen notwendig
Ein Grund für das erhöhte Erkrankungsrisiko in direkter Straßennähe könnten den Forschern nach die dadurch erhöhten Feinstaub- und Stickstoffdioxidwerte sein. Doch es müssten noch weitere Faktoren hinzukommen, so der Einwand der Experten. Möglich wären z.B. der Straßenlärm oder andere Schadstoffe.

„Unsere Studie deutet darauf hin, dass belebte Straßen eine Quelle für Umweltbelastungen sein könnten, welche den Beginn einer Demenz begünstigen könnten“, so Studienleiter Hong Chen laut der Mitteilung. „Nun ist weitere Forschung nötig, um diesen Zusammenhang zu verstehen, vor allem in Hinblick auf die Auswirkungen der verschiedenen Aspekte des Verkehrs, wie Luftschadstoffe und Lärm“, erklärte der Experte. (nr)