Neue Hepatits-C erhöht Heilungsrate

Nina Reese

Kombiniertes Verfahren steigert Heilungsrate bei Hepatis-C

16.01.2014

US-amerikanische Wissenschaftler von der Johns Hopkins University in Baltimore haben offenbar ein neues Verfahren zur Behandlung von Hepatitis C entdeckt. Wie das Team aktuell im “New England Journal of Medicine” berichtet, sei das Besondere an dieser Methode, dass sie den Körper deutlich weniger belaste als bisherige Therapieformen. Möglicherweise könnte die neue Methode noch in diesem Jahr zugelassen werden.

Hepatitis in den meisten Fällen durch Viren verursacht
Hepatitis – eine Entzündung der Leber (von Hepar = griech. Leber), die häufig aufgrund der auffällig gelblichen Haut und gelben Augen bei einigen Patienten auch als „Gelbsucht“ bezeichnet wird. Die Ursachen für eine Hepatitis sind unterschiedlich: Viren, Bakterien oder Parasiten können ebenso Auslöser sein wie bestimmte Krankheiten bzw. Stoffwechselstörungen (z.B. Fettleber). Neben dem können auch Medikamente oder übermäßiger Alkoholkonsum zu einer Hepatitis führen. In den meisten Fällen wird eine Leberentzündung jedoch durch Viren verursacht („Virushepatitis“), wobei hier insbesondere die Virentypen Hepatitis-A-Virus (HAV), Hepatitis-B-Virus (HBV) und Hepatitis-C-Virus (HCV) im Vordergrund stehen.

Weltweit etwa 150 Millionen Menschen an Hepatitis C erkrankt
Während Hepatitis A normalerweise ohne Komplikationen ausheilt, können die Formen B und C zu chronischen Verläufen bis hin zu Leberversagen führen. Schutzimpfungen sind möglich gegen die Formen A und B, eine Hepatitis C-Impfung gibt es trotz intensiver Forschung bislang nicht. Dementsprechend ist diese Form der Leberentzündung weit verbreitet, nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind weltweit etwa 150 Millionen Menschen chronisch mit dem C-Virus infiziert, 350.000 Betroffene sterben jährlich an den damit verbundenen Erkrankungen der Leber. In Deutschland gehen Experten von 400.00 bis 500.000 Betroffenen aus. Bislang wurde die Erkrankung üblicherweise mittels einer kombinierten Therapie mit den Arzneistoffen „Ribavirin“ und „Interferon“ behandelt, durch die – abhängig vom jeweiligen Genotypen des Virus – eine Heilungschance von 50 bis 80% besteht.

Bisherige Therapie mit vielen Nebenwirkungen
Doch die Behandlung geht in den meisten Fällen mit vielen Nebenwirkungen einher: Interferon kann grippale Symptome wie Fieber und Schüttelfrost auslösen, aber auch Müdigkeit, leichten Haarausfall, Schilddrüsenfehlfunktionen und psychische Beschwerden wie Depressionen oder Angstzustände auslösen. Ribavirin führt zudem bei vielen Patienten zu einer Verminderung der roten Blutkörperchen.

Sanftere Behandlung durch neues Verfahren mit Daclatasvir und Sofosbuvir
Nun besteht allerdings neue Hoffnung für Hepatitis-Patienten auf eine Behandlungsmethode mit deutlich weniger Nebenwirkungen. Wie das US-amerikanische Forscherteam um Mark Sulkowski von der Johns Hopkins University in Baltimore (US-Staat Maryland) aktuell im “New England Journal of Medicine” schreibt, könne das neu entdeckte Verfahren offenbar auch die Heilungschancen bei Hepatitis C deutlich steigern. Demnach hatte eine rein orale Therapie mit den zwei neuen, gerade erst in den USA zugelassenen, Wirkstoffen „Sofosbuvir“ und „Daclatasvir“ bei 98% der Patienten Erfolg gezeigt – für die Forscher ein wichtiger Hinweis darauf, dass zukünftig möglicherweise auf die beiden Wirkstoffe Ribavirin oder Interferon weitgehend verzichtet werden könne.

Erfolg bei 98 Prozent der Betroffenen mit dem Virus-Genotyp 1
Die Forscher hatten das neue Verfahren an insgesamt 211 Patienten untersucht und kamen zu dem Ergebnis, dass 98 Prozent der Betroffenen mit dem Virus-Genotyp 1 positiv auf die Therapie reagierten, auch diejenigen, bei denen die herkömmliche Therapie zuvor keine Wirkung gezeigt hatte. Doch auch bei den Genotypen 2 und 3 wirkte sich der Einsatz der neuen Wirkstoffen den Forschern nach positiv aus: „Bei insgesamt 92% der 26 Patienten mit einer Genotyp 2-Infektion und 89% der 18 Patienten mit einer Genotyp 3-Infektion zeigte sich eine anhaltende virologische Reaktion in Woche 12“, so die Wissenschaftler in ihrem Fachartikel.

Zulassung möglicherweise noch in diesem Jahr
Für die Mediziner ein entschiedener Fortschritt, um Hepatitis-C-Patienten zukünftig auf sanftere und verträglichere Art bei gleichzeitig höherer Wirksamkeit zu behandeln. „Unsere umfangreichen klinischen Studienprogramme haben gezeigt, dass Daclatasvir Potenzial hat, als Grundlagenmittel für mehrere Behandlungsverfahren von Hepatits-C Verwendung zu finden", so Brian Daniels, Mitglied des Senior-Manegament-Teams des Pharmakonzerns „Bristol-Myers Squibb“, der die Studien mitfinanziert hat. "Wenn Daclatasvir genehmigt ist, würden wir uns darauf konzentrieren, zu helfen, dass die Verfügbarkeit für Patienten mit begrenzten Behandlungsmöglichkeiten gewährleistet ist und würden mit den EU-Gesundheitsbehörden zusammenarbeiten, um den Zugang so schnell wie möglich zu erreichen“, so das Unternehmen in einer Pressemitteilung. In den USA ist der Wirkstoff mittlerweile zugelassen – für Europa steht die Zulassung jedoch noch aus, werde aber laut Bristol-Myers Squibb noch für dieses Jahr erwartet. (nr)

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