Essstörungen: Neue Therapie-Wege bei Binge-Eating

Heilpraxisnet

Fressattacken oder Hungerleiden: Mediziner gehen bei Essstörungen neue Wege

29.09.2014

Tausende Menschen in Deutschland leiden unter Essstörungen. Nicht nur spargeldünne Magermodels sind von solchen psychischen Erkrankungen betroffen. Mediziner wollen Betroffenen nun mit einem neuen Behandlungsansatz helfen. Wichtig sind Prävention und Frühbehandlung.

Essstörungen beginnen oft in der Pubertät
Manche haben ständig Fressattacken, andere wiederum hungern sich krank: Tausende Menschen in Deutschland leiden an Essstörungen. Mediziner wollen Betroffenen nun mit einem neuen Behandlungsansatz helfen. „Diese Erkrankungen fangen häufig in der Pubertät an, reichen dann aber weit ins Erwachsenenalter hinein“, erklärte der ärztliche Direktor des überregionalen Kompetenzzentrums (KOMET) an der Uniklinik Tübingen, Stephan Zipfel, einer dpa-Meldung zufolge. Das neu eingerichtete KOMET ist weltweit einzigartig. In der Einrichtung wird die Behandlung von Essstörungen nicht auf ein bestimmtes Alter beschränkt und zudem wird dort auch geforscht und gelehrt.

Höchste Sterblichkeit aller psychischen Krankheiten
„Essstörungen haben die höchste Sterblichkeit von allen psychischen Krankheiten“, so Zipfel. Zu diesen psychischen Erkrankungen zählen neben Magersucht und Bulimie unter anderem auch die sogenannte „Binge-Eating-Störung“, bei der ein Patient viel esse, sich im Gegensatz zu der Bulimie aber danach nicht erbreche. Einer Studie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zufolge zeigt ein Fünftel aller Kinder und Jugendliche im Alter von elf Jahren bis 17 Jahren in Deutschland Symptome einer Essstörung. Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des Landesverbandes der Betriebskrankenkassen im Südwesten 15.200 Menschen zwischen elf Jahren und 25 Jahren wegen Essstörungen behandelt, fast fünf Prozent dieser Altersgruppe. Dabei sei auffällig, dass auch immer mehr Jungen betroffen sind, Adipositas ist bei ihnen verbreitet.

Prävention und Frühbehandlung
Den Angaben zufolge soll das neue Tübinger Zentrum sowohl die Krankenversorgung als auch die Lehre und Forschung im Bereich der Essstörungen verbessern. Zipfel erläuterte, dass dabei Prävention und Frühbehandlung wichtig seien. „Wir wissen, je früher wir intervenieren können, desto besser sind die Chancen für die Betroffenen.“ Zum Beispiel sei ein Videospiel entwickelt worden, welches Jugendlichen spielerisch und mit Bewegung nahebringe, wie Stress bewältigt werden könne – und zwar nicht durch Essen oder den Verzicht darauf. Zudem sollen Videokonferenzen mit Patienten, die das Zentrum verlassen haben, Rückfälle vermeiden.

Körperliche Beschwerden durch Essstörungen
Wie wichtig eine adäquate Behandlung von Essstörungen ist, zeigt sich auch, wenn man die zahlreichen körperlichen Beschwerden betrachtet, die damit häufig einhergehen. So können sich etwa bei Magersüchtigen neben Schlafstörungen, Panikattacken oder Depressionen auch Probleme wie Untergewicht, Darmbeschwerden, Magenprobleme, Herz-Kreislauf-Störungen, Osteoporose oder organische Schäden entwickeln. Zudem zeigen sich bei manchen Menschen durch Mangelernährung Symptome wie ein niedriger Blutdruck, verlangsamter Puls, Appetitlosigkeit, Durchfall oder Übelkeit. Experten warnen immer wieder vor den teils schwerwiegenden Auswirkungen von Essstörungen auf die Gesundheit und raten zu einer schnellen Behandlung. (ad)

Bild: Rainer Sturm, Pixelio.de