Neuer Behandlungsansatz: Gezielte Aktivierung von braunem Fettgewebe zum schnellen Abnehmen?

Eine Aktivierung des braunen Fettgewebes mit Hilfe eines speziellen Substrats ermöglicht eine deutliche Gewichtsreduktion. (Bild: Kurhan/fotolia.com)
Fabian Peters
Forscher entdecken neuen Behandlungsansatz gegen Übergewicht und Diabetes
Die Aktivierung des braunen Fettgewebes mittels eines speziellen Substrats bietet den Ergebnissen einer aktuellen Studie zufolge einen vielversprechenden Ansatz für Patienten mit Übergewicht und Diabetes. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Leipzig haben in einer aktuellen Studie an menschlichen Zelllinien nachgewiesen, dass durch das „Substrat MP-10“ eine Aktivierung des braunen Fettgewebes sowie eine deutliche Gewichtsabnahme und Verbesserung der Insulinresistenz erreicht werden kann. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher in der Fachzeitschrift „EMBO Molecular Medicine“.

Mit ihrer Studie haben die Forscher des IFB Adipositas-Erkrankungen an der Universität Leipzig „einen vielversprechenden Ansatz zur Gewichtsreduktion und Verbesserung der Insulinresistenz im braunen Fettgewebe gefunden“, so die Mitteilung des Universitätsklinikums Leipzig. Durch das getestete Substrat sei erstmals eine Beeinflussung des genetischen Pfads zur Aktivierung im braunen Fettgewebe gelungen. Die Forscher sehen hier einen neuen Ansatz zur Behandlung von Übergewicht und Diabetes.

Eine Aktivierung des braunen Fettgewebes mit Hilfe eines speziellen Substrats ermöglicht eine deutliche Gewichtsreduktion. (Bild: Kurhan/fotolia.com)
Eine Aktivierung des braunen Fettgewebes mit Hilfe eines speziellen Substrats ermöglicht eine deutliche Gewichtsreduktion. (Bild: Kurhan/fotolia.com)

Erhöhung des Energieumsatzes durch Aktivierung des braunen Fettgewebes
Braunes Fettgewebe ist laut Mitteilung des Universitätsklinikums Leipzig „für die Wärmeentwicklung (Thermogenese) im Körper verantwortlich und verbraucht dazu große Mengen an Energie.“ Dieser erhöhte Energieverbrauch wäre für Menschen mit Übergewicht und Adipositas von besonderem Vorteil. Eine Aktivierung des braunen Fettgewebes und die damit verbundene Erhöhung des Energieumsatzes kann beispielsweise durch Kälteeinwirkung erreicht werden, berichten die Forscher. Ihnen ist nun allerdings der Nachweis gelungen, dass auch eine medikamentöse Intervention zur Aktivierung des braunen Fettgewebes möglich ist.

Braunes Fettgewebe auch in Erwachsenen aktivierbar
Lange Zeit galt laut Aussage der Leipziger Forscher die Annahme, dass braunes Fettgewebe nur in Kindern aktiv ist und in Erwachsenen eine untergeordnete Rolle für die Energiebilanz spielt. Doch in den vergangenen Jahren hätten verschiedene Studien gezeigt, dass braunes Fettgewebe auch in Erwachsenen aktivierbar ist. Zudem sei heute nachgewiesen, dass weißes Fettgewebe, welches sonst nur als reiner Energiespeicher dient, teilweise in „beiges Fettgewebe“ umgewandelt werden kann, so die Mitteilung des Universitätsklinikums Leipzig.

Spezielles Substrat ermöglicht Aktivierung des braunen Fettgewebes
Dem Forscherteam um Dr. Wiebke Fenske vom IFB AdipositasErkrankungen ist nach eigenen Angaben nun erstmals die Identifizierung des Enzyms PDE10A (Phosphodiesterase 10A) im braunen Fettgewebe und in einem Teil des Großhirns, dem sogenannten Striatum, gelungen. Eine zielgerichtete Ausschaltung dieses Enzyms durch das Substrat MP-10 habe zu einer deutlichen Gewichtsabnahme und Verbesserung der Insulinresistenz durch Aktivierung des braunen Fettgewebes geführt.

Sicherer Ansatz zur Gewichtsreduktion und Behandlung von Diabetes
Den Ergebnissen der Forscher zufolge ist das Substrat MP-10 für Menschen gut verträglich und bietet zudem den Vorteil, dass der enzymatische Angriffspunkts im Vergleich zu anderen Forschungsansätzen einen dualen Wirkansatz zur Gewichtsreduktion über einen zentralen Pfad im Gehirn und im Fettgewebe darstellt. Mit seiner Hilfe hoffen die Leipziger Forscher übergewichtigen Patienten eine sichere Gewichtsabnahme und eine Verbesserung des Diabetes ermöglichen zu können, ohne negative kardiologische Nebenwirkungen. (fp)

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