Neuer Bluttest zur besseren Krebsdiagnose

Heilpraxisnet

Bluttest erkennt 14 Krankheiten, darunter verschiedene Krebserkrankungen

15.07.2014

Mit Hilfe eines neu entwickelten Bluttests lassen sich zahlreiche verschiedene Krebsarten nachweisen. Seit langem suchen Forscher weltweit nach Biomarkern, die eine frühzeitige Diagnose unterschiedlicher Krebserkrankungen anhand eines einzigen Bluttests ermöglichen. Doch bisher blieb die Suche ohne Erfolg. Denn „die Komplexität der Reaktion des Körpers auf die Krankheiten macht es schwierig, diese mit nur wenigen Biomarker darzustellen, insbesondere, wenn viele in geringen Mengen vorhanden sind“, berichtet das Forscherteam um Phillip Stafford von der Arizona State University (Tempe, USA) in dem renommierten Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS).

Die US-Forscher haben daher einen Bluttest zur Krebsdiagnose entwickelt, der nicht auf dem Prinzip einzelner Biomarker basiert, sondern stattdessen die spezifische „Immunsignatur“ überprüft. „Dieser Ansatz nutzt die Reaktion von Antikörpern gegen krankheitsbedingte Veränderungen sowie die inhärente Signalverstärkung mit Antigen-stimulierter B-Zell-Proliferation“, schreiben Stafford und Kollegen. Mit dem Test ließen sich verschiedene Krebsformen wie beispielsweise Knochenmarkskrebs (Multiple Myelome), Brustkrebs, Speiseröhrenkrebs und Glioblastome (Hirntumore) verlässlich nachweisen. Die durchschnittliche Genauigkeit lag den Angaben der Forscher zufolge bei 95 Prozent. „Diese Ergebnisse verdeutlichen das Potenzial des Immunsignatur-Ansatzes für die genaue, gleichzeitige Klassifizierung von Krankheiten“, so das Fazit der US-Wissenschaftler.

Muster der Immunsignatur bestimmt
Die ideale Diagnosemethode würde eine Früherkennung unterschiedlichster Krankheiten mit Hilfe eines einzigen Tests ermöglichen, der für jede Krankheit verwendet werden könnte, erläutern die US-Forscher ihren Ansatz. Die aktuelle Studie habe gezeigt, dass die Immunsignatur diese Anforderungen künftig durchaus erfüllen könnte. Schon heute seien mit Hilfe des entwickelten Tests anhand der Immunsignatur 14 verschiedenen Erkrankungen – darunter mehrere Krebsarten – verlässlich nachweisbar. Die Wissenschaftler haben bei der Entwicklung ihres Verfahrens zunächst ein sogenanntes Microarray (spezieller Biochip) mit tausenden Peptiden genutzt, an das die Antikörper aus dem Blut andocken konnten. „Das Muster der Bindung an diese Peptide ist die Immunsignatur“, berichten Stafford und Kollegen. Sie testen anschließend anhand von 120 Blutproben, welche Signaturen bei kranken und gesunden Menschen festzustellen waren. So konnten sie ein Muster der Immunsignatur bestimmen, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit auf verschiedene Erkrankungen hinweist. Die Überprüfung der Methode anhand von 120 weiteren Blutprobe habe eine Klassifikationsgenauigkeit von 95 Prozent ergeben, schreiben die US-Forscher.

Zahlreiche verschiedene Erkrankungen mit hoher Genauigkeit diagnostizierbar
In einem weiteren Schritt kontrollierten die Wissenschaftler die „Testsensitivität“ anhand von mehr als 1.500 Proben und konnten dabei 14 verschiedene Krankheiten mit hoher Genauigkeit bestimmen. Darunter zahlreiche Krebserkrankungen wie beispielsweise Lungenkrebs, Eierstockkrebs und die bereits erwähnten Krebsarten. Die Wissenschaftler arbeiten nach eigenen Angaben bereits an der Entwicklung eines neuen Tests, der die Immunsignatur anhand von 30.000 Peptiden (anstatt bisher 10.000 Peptiden) ermitteln soll. Damit ließe sich eine deutlich feiner Abstufung der Immunsignatur erreichen und es könnten möglicherweise weit mehr Krankheiten mit Hilfe eines einzigen Tests diagnostiziert werden. Diese Technologie hat ein Stadium erreicht, in dem krankheitstypische Muster verlässlich identifiziert und überprüft werden können, betonte Professor Rienk Offringa vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg gegenüber „Welt Online“. Allerdings müssten weitere Untersuchungen noch zeigen, ob die Krankheiten auch im Frühstadium nachweisbar sind. Zudem sei das Verfahren bislang ausschließlich von seinen Entwicklern getestet worden. Insgesamt erscheint der Ansatz jedoch als vielversprechende Diagnose-Methode, die in Zukunft vielfach Anwendung finden könnte. (fp)

Bild: Gerd Altmann, Pixelio