Neuer HIV-Selbsttest als Alternative?

Alfred Domke

Studie zeigte: HIV-Selbsttest kann funktionieren

04.04.2013

Ist es ratsam, sich selbst auf HIV zu testen, oder sollte man nicht doch lieber einen Arzt oder das Gesundheitsamt aufsuchen? In einer kanadischen Studie wird zwar bestätigt, dass Selbsttests zur Eindämmung des Virus beitragen können, aber deutsche Experten weiterhin sind skeptisch. In Deutschland wird der HIV-Selbsttest vorerst nicht zugelassen.

Umfangreiche Studie
Eine Studie im kanadischen Montreal hat ergeben, dass ein Selbsttest zu Hause eine gute Alternative zu einem HIV-Test in einer medizinischen Einrichtung sein kann. Vor allem aus Diskretionsgründen könnte man darauf zurückgreifen. Die Ergebnisse der Studienleiterin Nitika Pant Pai von der Mc Gill University in Montreal sind im Fachmagazin „PLOS Medicine“ erschienen. Dabei wurden systematisch 21 Studien überprüft, die verschiedene HIV-Selbsttests in der Praxis untersucht haben. Menschen die sich durch die Tests in medizinischen Einrichtungen diskriminiert fühlen, haben nun eine Alternative. Somit könnte durch mehr Wissen über den eigenen HIV-Status die Verbreitung der Immunschwäche-Viren eingeschränkt werden.

14 der 21 Studien widmeten sich den HIV-Selbsttests mit insgesamt 4890 Versuchsteilnehmern. Diese wurden von Gesundheitsexperten betreut. Die weiteren sieben Studien analysierten die HIV-Heimtests mit insgesamt 7512 Teilnehmern. Diese erhielten zwar keine Supervision, sie konnten aber per Telefon oder Internet einen Berater kontaktieren.

Mehr Daten für Aussagekraft nötig
Die HIV-Selbsttests, die mit etwas Speichel gemacht werden, wurden von den Versuchsteilnehmern bevorzugt. Die andere Variante ist mit einem Tropfen Blut, für den man sich in die Fingerkuppe stechen muss. In beiden Fällen hat man das Ergebnis nach wenigen Minuten. Allgemein gab es eine gute Akzeptanz, 74 bis 96 Prozent der Menschen, die angaben, sich selbst testen zu wollen, haben das auch getan und mindestens 80 Prozent befürworteten auch einen Test für ihren Partner.

Die Forscher schreiben zwar, dass die Selbsttests „recht präzise sind und von den Teilnehmern, die nicht mit HIV infiziert sind, nur höchstens jeder 500. fälschlicherweise ein positives Testergebnis erhielt“. Aber bei den HIV-Infizierten sind die Tests, vor allem „die ohne Supervision wesentlich ungenauer gewesen“. Ob bei den Heimtests ohne Betreuung die Experten-Hotlines genutzt wurden, blieb auch meist unklar. Die Experten meinen deshalb, dass es „nötig ist, mehr Daten zu erheben“. Holger Rabenau vom Nationalen Referenzzentrum für Retroviren in Frankfurt, welches sich auch mit HIV-Diagnostik beschäftigt, meint dazu: „Ein solcher Appell steht häufig am Ende einer Fachpublikation, doch ist er in diesem Kontext wirklich angebracht und sinnvoll, weil die Datenmenge und die Qualität der Studien limitiert waren“. Die Übersichtsstudie besagt zwar, dass es „keine dokumentierten Selbstmorde“ nach einem Selbsttest gab, „Aber vielleicht gibt es solche Fälle ja doch – nur bekommt man davon nichts mit, weil niemand weiß, dass da jemand vor seinem Suizid solch einen Test gemacht hat“.

Zweifel sind angebracht
Ob die Selbsttests wirklich dazu beitragen, dass mehr Menschen über ihren HIV-Status Bescheid wissen, zweifelt Rabenau an. Es gibt Schätzungen, die davon ausgehen, dass weltweit etwa jeder Zweite nicht weiß, ob er oder sie HIV positiv ist oder nicht, zum Teil weil eine Angst vor dem Ergebnis und den folgenden Konsequenzen weit verbreitet ist oder weil sie es nicht wissen wollen, meint Rabenau. Er warnt weiterhin davor solche Tests online oder von ausländischen Apotheken zu kaufen.

„Bei solchen Tests ist die Qualität und damit die Sicherheit möglicherweise nicht so zuverlässig.“ Es ist derzeit in Deutschland noch nicht erlaubt, „Selbsttests an Privatpersonen zu verkaufen“.

In Deutschland ohne Chance
In Deutschland sieht die Lage sowieso nochmal etwas anders aus und HIV-Schnelltests sind nicht sinnvoll. Karl Lemmen, Referent für Qualitätssicherung bei der Deutschen Aids-Hilfe meinte dazu vor einiger Zeit, dass die „Ausgangslage in den USA nicht mit Deutschland vergleichbar“ sei . Zudem existiere in den Staaten „eine fünf bis acht Mal so hohe Prävalenz an Infektionen und Menschen ohne Krankenversicherung können sich die ärztliche Untersuchung nicht leisten“. (ad)