Neuer Laser kann Tattoos sauber entfernen

Heilpraxisnet

Hoffnung für Tattoo-Besitzer

13.08.2013

Ein neuartiger Laser kann Tätowierungen fast komplett spurlos und schmerzfrei entfernen. Nicht einmal Narben entstehen auf der Haut. Unklar ist man sich lediglich darüber, welche Risiken das Weglasern für den Anwender birgt.

Sascha Niemand ist gerade auf den Weg in den Behandlungsraum des Bochumers St.-Josef-Hospitals. Das Zentrums für Lasermedizin in Nordrhein-Westfalen. Dort ist er einer der ersten, der mit dem neuartigen Laser namens „PicoSure“, behandelt wird. Der Versicherungsfachmann will sein Tribal, ein geschwungenes Ornament, auf der Brust loswerden, das er sich vor über zehn Jahren stechen ließ. „Das ist eine Jugendsünde gewesen – und mit der Zeit immer unförmiger geworden. Jetzt sieht es mehr wie ein Batman-Symbol aus.“

Das 300.000 Euro teure Gerät, das erst seit Mai auf dem Markt ist, kann für viele Menschen die ersehnte Hoffnung sein. Es wurde speziell für die Tattoo-Entfernung konzipiert. Der Hersteller des Laser, Cynosure, verspricht eine nahezu spurlose Entfernung. Ohne Narben und sogenannter Negativabdrücke. Und vor allen Dingen ist sie fast schmerzfrei.

Alte Laser-Technik ist schmerzhaft
„Ich habe mir einige Videos im Internet angesehen, die gezeigt haben, wie Tattoos mit der alten Laser-Technik entfernt wurden. Das sah schon ziemlich brutal aus“, erzählt Niemand. „Die Schmerzen sollen schlimmer sein als beim Tätowieren selbst.“

Er ist angenehm überrascht als der Mediziner Klaus Hoffmann mit dem Laser anfängt über die Tätowierungen an seinem Oberkörper zu fahren. „Fühlt sich an wie kleine elektrische Schläge“, sagt er. Nach etwa 10 Minuten ist die erste Sitzung vorbei. Zwei bis vier weitere im Abstand einiger Wochen werden noch folgen müssen, damit Niemand sein Tattoo los ist.

An den Kosten hat die neue Laser-Technik nichts geändert: 1500 bis 2000 Euro kostet die Behandlung. Nach angaben des GKV-Spitzenverbandes übernehmen die Krankenkassen auch bei diesem Verfahren nicht. Die Entfernung von Körperschmuck gelte nicht als Aufgabe der Solidargemeinschaft, erklärt ein GKV-Sprecher.

Farbteilchen zersplittern einfach
Hoffmann ist Leitender Arzt der ästhetisch-operativen Medizin an der Unihautklinik Bochum ist sehr begeistert von dem Gerät. Durch den energiereichen Laserpuls werden die Farbteilchen quasi einfach zersplittert . Die Vollständige Beseitigung übernehmen die Fresszellen des Körpers.

Als positiver Effekt tritt keine Vernarbung des Gewebes ein. „Seit wir PicoSure verwenden, gehen täglich Patientenanfragen ein“, sagt Hoffmann. Erstmals könnten auch bunte Tattoos mit grüner Farbe entfernt werden – früher sei das hingegen sehr schwer gewesen.

Der Verband der Deutschen Organisierten Tätowierer (DOT) reagiert jedoch nicht so euphorisch. „Wir sind nicht glücklich über die Laserei“, sagt Sprecher Maik Frey. „Unter Laserbeschuss wissen wir nicht, was für Spätfolgen die Tätowierfarben haben können, wenn sie sich im Körper ablagern.

Risiken des Laserns sind nicht geklärt
Im Juni diskutierten Forscher, Mediziner und Tätowierer auf einer BfR-Konferenz mögliche Zusammenhänge zwischen Allergien, Krebs und Tätowierungen. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass die Behandlung auf keinen Fall risikofrei ist. Da die verwendeten Farben nicht zulassungspflichtig sind, ist häufig auch unklar, welche Stoffe sie enthalten. Dadurch lassen sich die Risiken des Laserns nicht ausreichend klären. Peter Laux aus der BfR-Abteilung für die Sicherheit von verbrauchernahen Produkten, sagt dazu:“ Wir wissen nicht wohin die Farbpartikel abwandern“.

Derzeit besteht große Nachfrage
Hoffmann hingegen hält die Bedenken gegen die Lasertechnik für übertrieben. „Sie basieren auf Hypothesen, es gibt kein bekanntes Risiko.“ Beim Tätowieren selbst hingegen wanderten 80 Prozent der Farbe bereits in den Körper ab – wenn es also ein Risiko gebe, dann schon bei diesem Prozess.“ Besonders für Tätowierungen scheint die Nachfrage aber derzeit groß. Zwei weitere medizinische Standorte in Frankfurt und Hamburg wollen das Gerät nun ebenfalls nutzen.

Er und das Team um Prof. Peter Altmeyer werden bald auch testen, ob sich das Gerät für die Therapie von Kollagenschäden oder Pigmentstörungen eignet. (fr)

Advertising